Was man lernen könnte

Im medialen Alltag dieser Republik gab es vor kurzem ein Ereignis, welches in einer ganz besonderen Form die Diskussion über die Energieerzeugung angeheizt hat: Das Erbeben in Japan und der daraufhin erfolgte Schaden am Atomkraftwerk Fukushima, der noch nicht einmal ansatzweise abzusehen ist. Abzusehen war dagegen was hierzulande folgte.

Zu den Dingen die mich am meisten anwidern zählt zweifelsohne die Haltung, daß der Zweck die Mittel heiligt. Ein derartiges Denken sorgt dafür, daß Terroristen ihre Taten rechtfertigen und diese Haltung steckt letztendlich auch hinter der neuen NATO-Doktrin, eine solche Denkweise steckt hinter der Kritik an der Kritik an Religionen und Kirchen und eine solche Denkweise kann man auch an Menschen feststellen, die Katastrophen als willkommene Unterstützung ihrer Argumente verstehen.

Ich tu mir wirklich schwer mit Menschen denen eine klammheimliche Freude an einer Katastrophe wie der in Japan anzumerken ist weil sie so ein weiteres Beispiel für die Unsicherheit und Unsauberkeit der atomaren Energieversorgung bekommen. Dieses latente Jubilieren daß die öffentliche Meinung noch mehr gegen Atomkraft nun schwenken wird ist für mich der Mißbrauch einer Tragödie und das Instrumentalisieren von Menschenleben und von der Trauer Angehöriger.

Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin absolut gegen Atomkraft. Ich möchte an dieser Stelle nun nicht zehntausende von Argumenten für und wieder aufzählen ich will nur sagen, daß ich die Stromerzeugung aus Uran persönlich für ebenso überflüssig wie problematisch halte. Da kann man meiner Ansicht sein oder auch nicht. Jedenfalls begrüße ich den ersten Schritt der „gefühlten Vorsitzenden des deutschen Atomforums“ (Priol), auch wenn das sowohl Aktionismus, als auch ein mit Hintertürchen versehener Versuch, den Wähler hinter’s Licht zu führen ist.

Eine Alternative allerdings halte ich für ganz besonders brauchbar: Geothermie.

Ein geothermisches Kraftwerk arbeitet, vereinfacht gesagt, mit der Hitze im Erdinneren und nutzt diese zur Erzeugung von Strom und auch von Warmwasser.

Neben der Umweltfreundlichkeit reizt mich vor allem daran die Tatsache, daß Geothermie dezentral organisiert werden kann – wenn sich zwei oder drei Gemeinden zusammenschließen und ein solches kleines Kraftwerk errichten können sie sich unabhängig von Großkonzernen wie Eon oder Vattenfall machen. Das wiederum kommt dem Geldbeutel der Bürger zugute, denn das betreffende Geothermische Kraftwerk würde (zum Beispiel über eine Betreibergesellschaft) letztlich den Gemeinden gehören und damit den Bürgern.

Ähnlich wie lokale Biogasanlagen bietet die dezentrale Energieversorgung außerdem den großen Vorteil, die Abhängigkeit von einzelnen Großkraftwerken zu reduzieren – wenn ein Kraftwerk ausfällt ist das Ausfallvolumen sehr viel kleiner was die Erhaltung der Versorgung billiger und einfacher macht.

Unsere derzeitige Energieversorgung ist primär auf fossile und atomare Quellen angewiesen – beides ist extrem CO2-lastig und beides baut auf einen immer kleiner werdenden Vorrat an Ressourcen, was den betreffenden Firmen natürlich egal ist. Windenergie ist lokal ebenso eine brillante Lösung wie die immer effektiver werdende Solarenergie (die längst nicht mehr davon abhängig ist, daß „die Sonne scheint“ wie ihre meist uninformierten Gegner gerne einwerfen), die am Meer ebenso erstmal unbegrenzt verfügbare Gezeitenkraft (Hätte Großbritannien nicht das Pech eine Schwarzgelbe Regierung zu haben könnten sie Vorreiter dieser Technologie werden aber brauchbaren Fortschritt mit liberal-konservativ? Nur über die Leichen der Finanziers solcher Parteien!) und – wo einsetzbar ohne größere Schäden zu verursachen – Wasserkraft.

Gemeinsam mit der Geothermie wäre es möglich die Energieversorgung des Westens in halbwegs annehmbarer Geschwindigkeit auf saubere Lösungen umzustellen. Natürlich geht so etwas nicht innerhalb eines Jahrzehnts. Aber die Kombination aus staatlich geförderten Maßnahmen für alternative Energieformen und dem gesetzlich geregelten Ausstieg aus der Problemenergieerzeugung hätte vollkommen von alleine den Markt anspringen lassen – und das ganz ohne die von den ängstlichen „Freiheitswächtern“ befürchteten „sozialistischen Verordnungen“.

Tatsächlich hatte das stattgefunden – die Förderung von Solartechnologie (zu einem Bruchteil der Kosten die beispielsweise die Atomkraft den Steuerzahler kostet) und von Windkraft in Kombination mit dem Atomausstieg hat Deutschland mal so ganz nebenbei zum Weltmarktführer für diese Technologien gemacht. In einem Land, daß dank der CDU die Entwicklung des IT-Zeitalters verpennt hat und dementsprechend eigentlich hinter dem Rest der Welt ein wenig hinterher hinkt eine ziemlich wichtige Sache. Mittlerweile haben wir uns wieder einholen lassen, was, naja, „latent ungeschickt“ ist. Tatsächlich wird versucht, in Ländern der Dritten Welt derartige Modelle umzusetzen mit recht achtbarem Erfolg. Das wäre im Westen eigentlich ebenfalls machbar.

Aber die „Keine-Experimente-Partei“ bleibt ihrem Dogma treu: Neue Entwicklungen werden in den 60er Jahren gemacht und sonst nirgends. Bleibt zu hoffen daß der deutsche Michel dem irgendwann entwächst.

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