Imperatives Obst (IX)

Maulbeere!!

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Niemand hat die Absicht….

… Angela Merkel ernst zu nehmen. Oder? Wie verschiedene Medien berichten ist man auf Seiten der Regierungsparteien empört und sauer, weil die SPD-Bundestagsfraktion eine Anzeige geschaltet hat, die irgendwie ein bißchen Esprit hat. Angela Merkel ist darauf zu sehen und dieser berühmte Satz von Ullbricht. Abgesehen davon daß die Anzeige inhaltlich einfach nicht falsch ist – die Aufregung ist noch viel witziger.

Wie sich der Sueddeutschen, Spiegel Online, n-tv und RP-Online entnehmen lässt,ist man seitens der CDU und der FDP sauer, weil die SPD hier „Merkel und die Regierung in die Nähe des DDR-Terrorregimes stellt“. Aha. Also wenn Eine Redewendung verwendet wird, die auch mal ein Diktator verwendet hat… na auf das Spielchen will sich sicherlich keiner einlassen.

Hier könnte diese Anzeige stehen

Die umstrittene Anzeige. Quelle und (c) bei n-tv

„das grenzt an demokratische Gepflogenheiten“ sagt ein Mitglied ausgerechnet jener Partei, die sich aber auch gar keinen Diktatur/Kommunismus-Vergleich entgehen lässt, wenn in der Fraktion der Linkspartei mal einer niest. Die alles, aber auch alles was an Vorschlägen „von links“ kommt stets mit dem Hinweis auf die SED-Vergangenheit der bayerischen Linkspartei auf die Seite wischt.

Ausgerechnet die benehmen sich nun, als ein ein SED-Vergleich etwas ganz ungewöhnliches. Gerade die CDU hat ja eine große Freude daran, potenziell diskussionswürdige Vorschläge mit einer Sozialismus/DDR-Keule niederzuknüppeln und die SPD mit schöner Regelmäßigkeit zum „Veitstanz der Roten Bedrohung“ zu zwingen.

CdU und FdP waren es, die mit einer geradezu als Genuß wahrzunehmenden Häme der Regierung unter Platzeck als „Stasi-Regierung“ titulierte. Ja genau: Volker Kauder betrachtete die Rot-Rote Koalition als Zumutung weil da „die Stasi mit am Tisch sitzt“. Derselbe Kauder, der einer (Ex-)FDJ‚lerin, die wohl auch Agitatorin und nicht Sekretärin war, dient.

Doch was soll das alles? In der CDU haben Altnazis für ihre Rehabilitierung gesorgt und nun eben auch einige SED-Blockflöten. Manche haben das bei der Linkspartei getan, andere bei der SPD und wieder andere bei den Grünen oder der FdP. Das ist nichts neues und bringt niemanden auch nur einen Schritt weiter. Die alte Keule auszupacken ist letztendlich ein Schrei der Argumentationslosigkeit. Aber hin und wieder mal eine Anspielung, alleine schon um die Keulenschwinger zu ärgern – ich finde, das hat eher Stil.

Fundstück der Woche (39.KW): Der Tanz der Ritter

Aus Sergej Prokofiev’s interpretation von Romeo und Julia:


Man kennt Sergeij Prokofiev wahrscheinlich am ehesten wegen seines musikalischen Kindermärchens  „Peter und der Wolf„.

hackt es… – oder hakt es?

Das Internet ist ja ein segensreicher Freudenspender in vielerlei Hinsicht. Für die einen ist es die Entwicklung schlechthin die ihnen endlich wenigstens optisch Zugang zu schönen Frauen bietet, für andere (wie mich) ein Anlaß dem lieben Gott auf Knien zu danken daß sie ein Schülerleben ohne Facebook haben durften. Aber es treibt auch Stilblüten…

Information ist leicht verfügbar, noch leichter die Desinformation und jeder darf alles sagen und erreicht damit auch immer mal wieder jemanden. Das alleine ist schon sehr lustig, man müsste sich das analog so vorstellen als wären Blogger (Marktschreier), Onlinezeitungen (organisierte Marktschreier), Werbende (Noch mehr Marktschreier) und Klicker (Kunden) auf dem gleichen Platz unterwegs und könnten durch Kopfhaltung bestimmen was sie hören.

So jedenfalls habe ich das meinen Großeltern erklärt, die sich schon mit der Vorstellung von einem Computer schwertun (erfahrungsgemäß aber nicht schwerer als, sagen wir, 90% der User). Auf die Frage wer das denn kontrolliert konnte ich ein nur teilweise gelogenes: „Im Grunde niemand“ antworten. Dieter Hildebrandt sprach immer von der „großen Geschwätzigkeit“ wenn er das Internet meinte und da hat er gewiß recht.

Aber neuerdings begegnen mir in Deutschaufsätzen von Schülern Schreibfehler wie sie auch im Netz grassieren – und zwar richtig heftig. Mit der vielen Tipperei begann ja als erstes die Endungenkrankheit. Geht mir selber auch so – ich erledige so in etwa 99% meines Schriftverkehrs über eine Tastatur und wenn ich nicht aufpasse vergesse ich schon mal eine Endung.
Dafür habe ich – weil ich ein absoluter Groß-/Kleinschreibungsnarr bin gerne das Problem zwei große Buchstaben nacheinander zu tippen und wegen der Autokorrektur der meisten Officeprogramme mir da auch keine Disziplin anzugewöhnen.
Aber die nächste Stufe scheint zu sein, daß man diesen unerträglichen Falschschreibewahn importiert. Ich möchte mal drei Beispiele zitieren und kurz drauf eingehen:

RäChT-ShReI-PuNg

Klick vergrößert

  • „hüpsch“: Wenn man das liest kriegt man doch das kotzen, oder? Hallo, das Wort heiß hübsch! HÜBSCH!!!! Mit „B“! Ein zartes B daß zu einer zarten Dame passt die eben hübsch ist. Wie kommt man eigentlich auf diese entsetzliche Variante? Kann mir das mal jemand erklären?
  • es hackt„: Das lese ich immer öfter – und ich glaube daß dahinter eine echte Unkenntnis des Begriffs steckt. Nur mal ganz kurz zum Aufklären: Es hackt keiner ein Auge aus, sondern irgendwo hakt es. Es geht darum daß sich ein Prozess – in den meisten Fällen ein Denkprozess – offenbar an einem Haken verhangen hat, eben irgendwo festhakt. Das hat mit „hacken“ (kurzes a) nichts zu tun.
  • Die nächste Stufe der Vergewaltigung der deutschen Sprache ist ja die große Problematik mit dem scharfen ß. Ich gestehe ich bin ein Anhänger der alten Rechtschreibung und die Reform halte ich, naja, für suboptimal, daher verwende ich persönlich und in meiner privaten Korrespondenz noch immer das ß wo es eigenlich hingehört. Offengestanden, ich schreibe sogar nach wie vor „Elephant“ und „Telephon“, einfach weil es besser aussieht und weil „Phonetik“ ja auch beim PH blieb.
    Aber das hier ist furchtbar: „mieß“, „fieß“, „ließt“…. und ich lese es an noch tausend Stellen. Liebe Schüler: Das ist wirklich falsch – so falsch, falscher geht schon gar nicht mehr. Man ist schwer versucht, statt einer Ermahnung (Pädagogik: 10 Points) eine Rubrik „Blöde Schüler“ (Pädagogik: -20 Points) einzurichten.

Da ich aber einen leichten Hang zum Masochismus habe – ich bin Sozialdemokrat in Bayern! – möchte ich anregen besonders schöne Irrtümer der Rechtschreibung an lastknightnik <at> hotmail.com zu senden. Geeignete abschreckende Beispiele werde ich gerne veröffentlichen.

Von einer überflüssigen Kampagne – gegen Schwarz-Gelb

Niemand mag diese Regierung. Sie selbst mag sich auch nicht mehr, die Traumhochzeit der Tigerentenkoalition ist längst dem Gefühl der vollkommenen Ehe im Sinne einer lateinischen Abkürzung verkommen. Schwarz-Gelb hat versagt, Merkel, Westerwelle und Rösler haben sich als genau die Nieten erwiesen, als die US-Amerikanische Diplomaten sie einschätzten. Das alles bestreitet niemand. Dennoch müssen sie im Amt bleiben – schon weil sie an anderer Stelle versagt haben.

Ob nun Torsten Denkler oder Stefan Braun, Peter Blechschmidt oder Susanne Höll bei der SZ, auch in anderen Medien findet sich der Beginn der Kampagne, alles schreibt, alle hassen diesen Regierungszustand. Allerdings vergessen bei der Forderung nach Neuwahlen die meisten ein paar wichtige Elemente

Zwei Gegenargumente gegen Neuwahlen, die fehlen:

1. Es gibt kein gültiges Wahlgesetz. Jede Wahl würde – zu Recht! – vom BVG gekippt werden weil das derzeitige Wahlrecht ungültig ist. Und das ist kein Zufall, daß die Regierung das bislang „Nicht zustande gebracht“ hat. Da steckt schon Kalkül dahinter. Ergebnis wäre daher, daß die Regierung „kommissarisch“ weitermachen würde. und dann?
2. Sobald die deutsche Regierung nicht mehr eine Finanzwirtschaftshörige ist wird als erstes die Bonität Deutschlands bei den Ratingagenturen zurückgestuft werden und man wird sich auf Deutschland einschießen. Der einfache Wähler wird – da ich annehme daß der Propagandaetat der FdP nicht sinken wird bloß weil sie nicht mehr im Bundestag sitzt – darauf hingewiesen daß die miese Lage ja logischerweise Schuld der „Linken“ im Lande sei, die eben von Wirtschaft nichts verstünden. Könne man ja auch sehen, weil es schlechter geht seit die regieren. Von daher wäre es den jetzigen Regierungsparteien zu gönnen, den drohenden Absturz auch zu verantworten und sich nicht wie 1998 aus der Verantwortung zu stehlen.

Fundstück der Woche (38.KW): Zur Berlin-Wahl

Es ist ein sehr schönes Ergebnis, das die FdP da eingefahren hat. Ich frage mich, wie lange es dauern wird bis sich diese Partei endlich dahin manövriert hat wo sie hingehört. Über das Abschneiden der SPD wird aber auch zu reden sein…

Zur Feier des Tages aber zwei schöne Videos dazu: