Weiß Ferdl: DIe Linie 8

Nachdem ich heute endlich meine Weiß-Ferdl-Sammlung vervollständigen konnte, möchte ich natürlich auch meiner lieben Frau den Text der Linie 8 nicht vorenthalten.

Text:

Vom Münchner ist allgemein bekannt, daß er erstens einen gesunden Durst hat – und zweitens, daß er gern schimpft. Und am allermeisten schimpft er, wann er Trambahn fahren muß, besonders jetzt, wo wir so wenig Wägen haben.
Ich werde Ihnen nun eine Fahrt durch uns’re Münchner Stadt schildern, mit der Trambahn.

Ein Wagen von der Linie 8,
weiß-blau, fährt ratternd durch die Stadt.
So fährt der Wagen schnell dahin.
Die Menschen in dem Wagen drin,
die schaun gar grantig – niemand lacht.
Da drin – im Wagen der Linie 8.

„Nächste Haltestelle – Harras, Waldfriedhof umsteigen“
„Ach bitte schön Herr Schaffner – Max-Weber-Platz? Muß ich jetzt da jetzt umsteigen?“
„Nein, erst am Stachus, in die Linie 19 oder 4.
So, bitte aussteigen lassen“
„Aber Leid laßt’s doch’d Leid naus, hm? Laßt‘ es halt naus!“
„Geh halt weg, Du oida Depp!“
„Dir gib I glei an oidn Deppn, Du Rotzlöffe, Du rotziger!
A so a schwindsüchtiges Zigarettenbürschal a scho as Mei aufreißn!
I bin a oider Münchner Bürger, der 50 Jahr seine Steiern un Abgabn zahlt hat!
Da heat sich doch alles auf!“

„Vorsicht, der Wagen ist besetzt!“
*plim*

Ein Wagen von der Linie 8,
– „In die Mitte gehen!“ –
weiß-blau, fährt ratternd durch die Stadt.
– „noch jemand ohne?“ –
– „Isacklbar?“ – „Wohin?“ – „Isacklbar?“ –
So fährt der Wagen schnell dahin.
– „Isacklbar?“ –
Die Menschen, die im Wagen steh’n drin,
– „Oiso des woaß I ned wo des is…“ –
die wack’ln hin und her ganz sacht.
– „Der Herr möcht zur Isartalbahn.“ –
– „Jochso!“ –
Da drin – im Wagen der Linie 8.
– „Isacklbar, da soit ma draufkema.:!“ –

„Nächste Haltestelle Bavariastraß‘, steigt jemand aus?“
„Na nei woll’n ma! Geht’s halt auf’d Seitn, daß ma nei ko!
Da hockt a jeder drinn und liest Zeitung,
als wie wann a 5 Mark zoit hätt, für’n Sperrsitz
und wir warten da heraust bis die Verdrußlinie mal daher kummt
Auf’d Seitn, Himme Sackarament no amoi!!!“
„A so a Narrischer, kannt ma narrisch wer’n!“
„Vorsicht, der Wagen ist besetzt!“
*plim*

Ein Wagen von der Linie 8,
– „In die Mitte gehn“ –
weiß blau, fährt ratternd durch die Stadt
– „Noch jemand ohne?“ –
– „Sie Lümmel, Sie!“ -„A Preiß aa no, jetzt werd’s recht! Hoho!“ –
So fährt der Wagen schnell dahin.
– „Sie Kamel!“ –
Die Menschen, die im Wagen drin,
– „Du Rindviech, Du saudumm’s!“ –
die schau’n sich bös an, sind verkracht.
– „Affe!“ –
Da drin – im Wagen der Linie 8.
– „Rhinozeros!“ –

„Ruppertstraß! Zoologischer Garten, umsteigen.“
„Ach bitte schön, Herr Schaffner, Max-Weber-Platz? Muß ich da jetzt um…“
„Neeein, no lang ned, erst am Stachus in die Linie 19 oder 4.
So, bitte aussteigen lassen!“
„Aber Leid – laßt doch’d Leid naus! Laßt‘ es halt naus, hm?“
„Bitte schön, ich möchte aussteigen.“
„No, na steig halt aus“
„Ja, aber ich kann nicht!“
„Ja, dann kann i Dir a ned helfa“
„Vorsicht, der Wagen ist besetzt!“
*plim*
„Ja, ich möcht‘ doch aussteigen!“
„Ja, des häts’t da früher überlegn müssen“

Ein Wagen von der Linie 8,
– „In die Mitte gehn“ – „Da komm‘ ich ja wieder nicht hinaus“ –
weiß-blau, fährt ratternd durch die Stadt
– „Bei der Endstation, do geht’s nachad scho.“ –
– „So drücken Sie doch nicht so!“ – „I druck ja ned. Da hint‘ druckans“ –
So fährt der Wagen schnell dahin
– „Host sie gseng, mit de roten Fingernägel?“ –
Die Menschen, die im Wagen drin
– „und’s Mei o’gstricha, da graust’s ma scho“ –
Neipfercht, als wie in einem Schaft
– „A liaba no a angstrichas Maul, als wie a so a bissigs!“ –
Da drin, im Wagen der Linie 8.
– „Hohohoho“ –

„Do helfa’d Mannsbilder zam, wenns um so a Flitschal geht, um a so a ozupft’s!
Da haert sich doch alles auf!“
„Nächste Haltestelle Sendlinger Tor – Platz, umsteigen in der Richtung Fraunhofer und Neikirchner Straß!“
„Ach bitte schön Herr Schaffner, Max-Weber-Platz?“
„Naaa! Erst am Stachus, jetzt lassn’s eahna nur Zeit!
So, bitte aussteigen lassen!
Erst die Plattform frei machen!
Bisl rascher aussteign!
Herrschaft, alte Rutschn!
Schau halt amoi, daß’d ausse kimmst, sonst tritt i da ins Kreiz nei!“
„Ist doch unglaublich! So spricht man doch nicht mit einer Dame!“
„Im Trambahn gibt’s koa Dame!“
„Na, da gibt’s blos an Hammel, gell? Is a wahr a, ned?“
„Jetzt drucka de scho wieder rei, laßt’s doch uns zuerst naus!
Himma Sackarament no amoi!!!“
„Vorsicht, der Wagen ist besetzt!“
*plim*

Ein Wagen von der Linie 8,
– „In die Mitte gehn“ –
weiß-blau, fährt ratternd durch die Stadt.
– „Noch jemand ohne?“ –
– „hach Gott, ich krieg keine Luft mehr!“ – „Guat, dann gibst ma Deine Lebensmittelmarken.“ –
So fährt der Wagen schnell dahin
– „A paar hängen am Trittbrett drobn…“ –
Die Menschen, die im Wagen drin
– „schaung gar nimmer hin, wenn einer nunter foit“ –
die haben ihn nur im Verdacht
– „der hat halt ned zahln wolln!“ –
So san’s, im Wagen der Linie 8.

„Nächste Haltestelle Stachus-Karlsplatz!
Umsteigen in der Richtung Hauptbahnhof, Pasing, Neuhausen, Marienplatz, Maximilian- und Leopoldstraß‘!
So, bitte aussteign lassn!“
„Aber Leid – laßt’s doch’d Leid naus – hm? Laßt‘ es halt naus“
„Ja ko ma ja ned, wenn der Schieber dosteht wia a… “
„Dir gib i do glei an Schiaber, Du Dreckhammel, Du mistiger, gell, Du?
Hau Dir a paar solcherne Watsch’n runter, daß’d hinten raus schaugst! Da heart sich doch alles auf!“
„So nehmen Sie doch Rücksicht auf eine schwächliche Frau!“
„Hoho! Schwächliche Frau! Rennt ma glei an Ellnbogen nei, daß ma d’Rippn alle krachn, des mog i“
„So wat gibt’s ja nur in Bayern!“
„Sie ah scho, de preißische Krampfhenna, net wohr?“
„Also jetzt lasse  grad mi aussteige, i muß ja an Bahnhof! Sonnst dawisch i mei Zügle nimmer!
Aussteige lasse! Aussteige lasse!“
„Vorsicht, der Wagen ist besetzt!“
*plim*

Ein Wagen von der Linie 8,
– „In die Mitte gehn“ –
weiß-blau, fährt ratternd durch die Stadt.
– „Noch jemand ohne?“ –
– „Sie, laßn’s eahna Nasntröpfal ned grad auf mi falln“ –
– „Na, hinauf kann i’s a ned falln lassn.“ –
So fährt der Wagen schnell dahin
– „Fahrberechtigungsausweis!“ –
Do schaugt jetzt mancher gradaus drin
– „Aha! Zwei Mark!“ –
– Jo freili!“ – „Ja, geh ha, des war do glacht! –
– „Ja, dann steign’s aus!“ –
Jawoi des dur’i, geb’ns nur acht
– „Do muaß i a so raus!“ –

„Nächste Haltestelle Gabelsberger Straß, steigt jemand aus?“
„Ach bitte schön, Herr Schaffner, Max-Weber-Platz?“
„Jetz is de no oiwei da, mein Gott!
I hab’s eahna doch zwanzg moi gsagt, am Stachus, bei der letzten Station, do hättn’s raus müassn!“
„Was? O Gott o Gott! Mich trifft der Schlag!“
„Gut, dann bleibn’s sitzn bis zum Nordfriedhof“
„Vorsicht, der Wagen ist besetzt!“
*plim*

Ein Wagen von der Linie 8,
– „In die Mitte gehn“ –
weiß-blau, fährt weiter durch die Stadt.

Wen es interessiert, dem sei hier der Netzplan von 1964 verlinkt, das ist der älteste den ich auftreiben konnte. Die Linie 8 (grün dargestellt) wurde 1975 eingestellt als die UBahn (Linie U3) bis nach Fürstenried West hinausging. Bis dahin fuhr die Linie 8 von Fürstenried West über das Stadtzentrum (Sendlinger Tor, Stachus) und Milbertshofen bis zum Hasnbergl. Heute wird der südliche Teil von der U3, ab Harras auch der U6 bedient, der nördliche von den UBahnlinien 2 sowie natürlich einer Reihe von Bus- und Tramverbindungen kreuz und quer. Nebenbei gibt es eine sehr interessante Homepage zur Geschichte der Tram in München.

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Ein Gedanke zu „Weiß Ferdl: DIe Linie 8

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