Scheibenwischersonntag (VIII)

Ein bißchen zur Entspannung am heiligen Sonntag hier eine schöne Folge des Scheibenwischer. Noch aus der Zeit, als die ARD brauchbare Satire produziert hat.

Heute: 26.3.1998

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Flashback: Rossis Welt

Mutmaßlich weil es kaum Klickzahlen auf Youtube gab, ist das wohl wieder eingestampft worden. Aber es macht irgendwie Spaß, mal wieder in die Redaktion zu gucken. Der Humor ist schräg und wahrscheinlich nur was für Liebhaber. Ich bin so einer. Und Euch kann’s ja egal sein.

Ausgabe 02/09

Fundstück der Woche (13. KW): A beautiful day. The Power of Words we use.

Ein Werbespot für eine Werbefirma. Im grunde wäre das belanglos, würde er nicht so viel Raum für Interpretation, Nachdenkliches und Philosophisches bieten. Richtig gut gemacht auf jeden Fall – und, so scheint es – auf einer wahren Anekdote basierend.

Der damalige (junge) Creativdirector einer Werbeagentur änderte das Schild eines Bettlers von „i’m blind“ in „i’m blind and its spring“ – das Ergebnis soll überragend gewesen sein. Das lässt natürlich viel Raum für Diskussionen über das Naturell des Menschen und seine Fähigkeit zu Empathie – aber auch darüber, Warum man manche Dinge erst „richtig“ machen muß, bevor sie funktionieren.

Scheibenwischersonntag (VII)

Ein bißchen zur Entspannung am heiligen Sonntag hier eine schöne Folge des Scheibenwischer. Noch aus der Zeit, als die ARD brauchbare Satire produziert hat.

Heute: 19.2.1998

Flashback: Rossis Welt

Mutmaßlich weil es kaum Klickzahlen auf Youtube gab, ist das wohl wieder eingestampft worden. Aber es macht irgendwie Spaß, mal wieder in die Redaktion zu gucken. Der Humor ist schräg und wahrscheinlich nur was für Liebhaber. Ich bin so einer. Und Euch kann’s ja egal sein.

Ausgabe …. keine – heute mal Werbung. Recht ästhetisch. Irgendwie.

Wirtshaussterben

Die Sueddeutsche Zeitung, der Münchner Merkur und viele Andere beschäftigen sich mit einer Studie des Gaststättenverbandes, die ein Aussterben der bayerischen Wirtshauskultur nahelegt.

Natürlich sind die bösen Gestalten rund um den Herrn Frankenberger schuld. Klar. Weil Raucher nun nicht mehr weggehen dürfen. 😉 Ich bewundere den Intellekt mancher Raucher, der das Rauchverbot anscheinend mit Hausverbot und AUsgangssperre verwechselt oder aus Trotz nicht mehr weggehen will. Weil seine Gegenspieler radikal sind…

Was man nicht vergessen sollte: Die Gastwirte haben massiv bei der Euroumstellung hingelangt, während die Löhne sehr präzise umgerechnet wurden; Seit Jahren sinkt die reale Kaufkraft des Durchschnittsverdieners (hier die Zahlen für 2000-2008; Seit einigen Jahren wird ein kleines Plus verzeichnet) und besonders des unteren Drittels der Einkommen. Dabei sind das oftmal diejenigen, die gerade die kleinen Kneipen am Leben erhalten haben.

Mit 800 Euro netto und davon dann nochmal 550 Euro Wohnung geht man halt nicht ein kleines Schnitzel mit Pommes für 20 Mark (also 10-11 Euro) essen und trinkt dazu für 6,50 Mark / Glas noch drei Bier. Da ist es einfach wurscht ob man dabei rauchen dürfte oder nicht, das Geld hat so jemand nicht.

Zudem hat sich eine Menge auch in der Wirtshauskultur verändert: Der Stammgast fehlt (auch weil viele Wirte das Kartenspielen verbieten) zunehmend, die Arbeitskräfte werden auf Aushilfen umgebaut was nicht gerade zum Wohlbefinden des Kunden beiträgt weil das eben nicht die Zenzi ist, die da immer ist und alleine deswegen schon eine gewisse Autorität hat, sondern ein verängstigtes Hupferl aus Rumänien, das nichtmal die Bestellung richtig versteht und mir auf die Bestellung „ein Bier“ auch mal ein Pils bringen kann. Nichts gegen das Mädchen, aber sie ist halt billig und nur drei Monate als Aushilfe da – dem Wirt ist es egal, er muß weniger Sozialleistungen bezahlen, also bleib ich halt daheim.

Ein weiteres Phänomen ist die zunehmende Billig-Konkurrenz. Weniger die Fast-Food-Läden, denn wer rechnen kann weiß, daß einmal Burger King oder McDonalds auch nicht günstiger ist als einmal ne Kleinigkeit im Lokal essen, sondern mehr die zunehmenden Zahlen in der Selbstbedienungsgastronomie (Dönerbude, Hendlstand) und natürlich die Kantinenartigen Elemente wie bei Ikea oder anderen Möbelhäusern, wo man teilweise für drei Euro schnell zwei Hot Dogs und eine Cola verzehren kann. Der deutsche Wunsch nach „billig!“, der uns mit schöner Regelmäßigkeit Lebensmittelskandale beschehrt, schlägt sich eben auch auf die Gasthäuser nieder.

Das Rauchverbot hat sicherlich dazu beigetragen, daß manche nicht mehr in die Kneipe gingen (Wobei auch in Thüringen die Kneipen sterben; Und dort sind Raucherbereiche per Gesetz erlaubt, wie sie ja hierzulande auch gefordert werden….) aber sind wir doch mal ehrlich, liebe Raucher: Warum hindert Sie das Rauchverbot am Kneipenbesuch? Gehen Sie da hin zum Rauchen, oder zum trinken, essen und zum Treffen mit Bekannten? In Hessen muß in aller Regel vor der Türe oder im Raucherbereich gequalmt werden. Die Raucher sitzen erfahrungsgemäß im Nichtraucherbereich und gehen zum Rauchen dann halt woanders hin. Der bayerische Raucher scheint dazu intellektuell nicht in der Lage zu sein, warum bloß? Liegt’s an der Radikalität?

Deutschland, Deine Super Märkte

In der eher satirischen Produktauszeichnungs- und Produktbezeichnungssammlungen „Deutschland, Deine Super Märkte“ habe ich ja eher nach lustigen Beispielen für Alltagsirrtümer gesucht und diese zusammengestellt. Mein Liebling ist immer noch der dritte, „Warmer Obstsalat, tiefgekühlt“. Heute soll es aber ein wenig ernster zugehen: Wem gehören eigentlich welche Märkte – beim wem kaufe ich also ein?

Fangen wir an mit Tengelmann. Denen (Also der Familie Haub) gehören 74% von OBI (das wiederum mit dem Rest auch zum Autovertrieb Lueg gehört, der u.a. Mercedes-Benz vertreibt), 83,02% von KiK, 35% von TEDi (Der Rest gehört, glaube ich, Stefan Heinig von KiK) und 15% von Netto (Da gehört der Rest wiederum Edeka).

Edeka ist ein komplizierter Fall: Die Firma ist eine Genossenschaft die in mehrere Regionale Gruppen aufgeteilt ist, deren jeweilig 50% selbst und 50% der Zentrale gehören. Edeka ist der größte deutsche Lebensmittelhändler, dem unter anderem Spar (100%) und Netto (70%), sowie Marktkauf gehören. Auch Plus ist eine Tochter von Edeka inzwischen (zu 70%, 20% sind bei Tengelmann).

Rewe ist ebenfalls eine Genossenschaft und der zweitgrößte Lebensmittelhändler Deutschlands. Rewe hat MiniMal geschluckt, außerdem gehören zu 100% Comet, Bolle und Toom zu der Kette. Ein wichtiger Discounter von Rewe ist Penny. (Außerdem hatte Rewe kurzzeitig mal 40% der Stammaktien der ProSieben Sat.1 Media AG, das war 1996 behauptet jedenfalls die Wikipedia. Das ist interessant, weil es die ProSieben Sat1 Media AG erst seit 2000 gibt… Traue niemals Wikipedia!)

Die Metro AG ist der nächste wichtige Konzern. Zu Metro gehören neben Real auch Kaufhof (und die darin eingeschlossenen Unternehmen wie ehemals Reno, Vobis oder Saturn und Media Markt) und Cash&Carry. Reno wurde abgestoßen und wird heute zu 25% von Hamm und zu 75% von Siegfried Kaske besessen, der wiederum Finanzvorstand bei Metro war. Siegfried Kaske ist auch so eine interessante Figur: Er war der Alleinvorstand der Divaco AG & Co. KG und zufällig auch der einzige Aktionär. Nebenbei war er Finanzvorstand bei der Metro AG. Divaco wiederum war eine Beteiligungsgesellschaft gewesen, die Teile des Metrokonzerns verwerten sollte. Am Ende kaufte Kaske die Firma für einen Euro von Metro, Metro verzichtete darauf, die 250 Millionen (!) Euro Gesellschafterdarlehen zurückzufordern, kaufte aber 2004 für rund 60 Millionen Euro die Adler-Modemärkte von der Divaco. Adler brachte Schulden in Höhe von 280 MIllionen Euro zu Metro mit. Mittlerweile ist Adler aber auch wieder an die BluO abgestoßen, wobei niemand erfuhr für wieviel. Dieses ganze Gebahren, bei dem es wohl einzig und alleine darum ging, Geld in wenige Taschen zu scheffeln, führte zu einiger Unruhe.

Die der Öffentlichkeit wahrscheinlich kaum bekannte Schwarz-Unternehmensgruppe besitzt zwei weitere bekannte Märkte: Kaufland und Lidl. Beide sind in Stiftungen organisiert, was sehr steuerefffizient ist. Interessant ist die Struktur: 99,9% der Aktien gehören immer der Stiftung, sind aber Vorzugsaktien und daher ohne Stimmrecht, 0,1% der Aktien gehören der Schwarz Unternehmenstreuhand KG, die aber Stammaktien und daher stimmberechtigt sind. Das heißt: Die Gewinnausschüttung fließt (über Spenden) in die Stiftung, die keine oder nur wenig Steuern zahlt, bestimmen tut allerdings eine Kommandidgesellschaft, die wenig Gewinn erwirtschaftet und deswegen auch kaum Steuern zahlt. Das Unternehmen selbst spendet einen großen Teil seines Gewinns an eine gemeinnützige Organisation (also die Stiftung) und zahlt auch wenig Steuern.

Richtig unabhängig sind Norma (auch eine Stiftung & co KG), deren Leiter Gerd Köber und Robert Tjón sind und Aldi (eine GmbH & co KG), der erste Discounter überhaupt.

Das waren jetzt nur die wichtigsten Ketten, es gibt natürlich mehr. Aber alleine das Beziehungsgeflecht zwischen denen zeigt auf, daß der Markt so groß gar nicht ist; Eigentlich wird er von rund zehn Unternehmen beherrscht.

Geschichte und Geschichten

Zwei interessante Geschichten habe ich ja schon erzählt, nämlich die von Herrn Kaske und die von Herrn Schwarz.

Bleiben wir aber mal für einen Moment bei Metro: Kennen Sie noch die Firma Vobis? Vobis (lateinisch: für Euch) war einer der ersten Mikrocomputerläden, die es so gab. Gibt es heute noch, gehört nun aber Metro. Vobis wurde in den 80er Jahren groß und Ende der 80er kaufte sich die Metro AG bei Vobis ein. Der Konzern wurde zerschlagen: die Produktion an die Metro-eigene Firma Maxdata übertragen (die mittlerweile auch pleite ist und – oh Wunder – über Divaco abgewickelt und nach Taiwan verscherbelt wurde) und die Verkaufsläden mit den Kaufhof-Filialen gekoppelt. Dadurch bekam die Marke zwar einerseits mehr Gewicht, andererseits verschob sich durch die neue Unternehmensführung die Produktpalette weg von Komplett-PC’s hin zu Einzelteilen. Vobis gibt es noch, auch Komplettsysteme werden dort noch angeboten, aber bauen tut die Firma nichts mehr.
Dafür war Vobis unter der Metro-Regie in einen interessanten Skandal verwickelt: Vobis betrieb seinen Webshop über eine dritte Firma, die Product + Concept. Selbige ging 2007 pleite, Kunden konnten aber weiterhin bestellen – und erhielten weder Ware, noch ihr Geld zurück. Vobis verwies immer auf das insolvente Product + Concept, eröffnete zum 1. Februar dann selbst einen Online-Shop, bei dem Bestellungen auch wieder entgegengenommen wurden.

Lidl kennt jeder infolge der Datenschutzskandale. Dabei hat Lidl noch viel mehr spaßige Elemente zu bieten: Nebst der Kameraüberwachung von Mitarbeiten bis hin zur Toilette sowie der Erstellung von Psychogrammen und der Aufnahme von PIN-Nummern von Kunden (zahlen Sie bei Lidl immer bar!), hat die Firma eine Reihe interessanter Verhaltensweisen gegenüber seinen Mitarbeitern entwickelt. 2008 deckte Günther Wallraff als Mitarbeiter undercover die Bedingungen in den Großbäckereien für Lidl auf, die waren (und sind sicher noch immer) fürchterlich. 2009 brachte der Spiegel eine Geschichte, nach der in Mülltonnen Aktenordner gefunden wurden die nachwiesen, daß der Konzern über Krankheiten seiner Mitarbeiter penibel Buch führte. In der Folge mußte der Deutschland-Chef von Lidl, Frank-Michael Mros, seinen Hut nehmen. Kaum kannte niemand mehr seinen Namen, stellte Lidl ihn wieder ein, diesmal als Chef für Lidl UK. Die Engländer haben wahrscheinlich weniger Probleme mit Überwachung. Prinzip katholische Kirche: Priester abberufen und als Missionar in die Dritte Welt schicken; Über mißbrauchte Negerkinder regt sich kein Katholik auf.
Nett ist bei Lidl auch der „Service“. Nach einer Studie erschienen recht schnell Erfahrungsberichte von Kunden, die von Lidl systematisch um ihre Rechte geprellt wurden. Das auch zu Schwarz gehörende Kaufland durfte sich erst kürzlich einer Prüfung wegen Lohndumping durch den Zoll erfreuen. Deutschland, deine Supermärkte….

Insgesamt gibt es also nur wenige Konzerne hier. Vielleicht erstelle ich da mal eine Grafik und zeige das alles auf; Mal sehen ob ich am Wochenende dazu komme.