Wo ist denn die verdammte Richtlinienkompetenz?

Jeden Tag saufen Menschen im Mittelmeer ab. Das hat mittlerweile auch der hinterletzte Konservative begriffen. Konservative haben ökonomische Gründe (bitte mal auf der Zunge zergehen lassen, den Begriff!) vorgeschoben, um das Projekt Mare Norstrum einzustampfen und stattdessen so eine Art Menschenabwehrtruppe aufzustellen. Friedensnobelpreisträger halt.

Ich bin Friedensnobelpreisträger als EU-Bürger. Und dafür schäme ich mich mittlerweile wirklich. Jeden Tag ertrinken zig Menschen, weil niemand sie will. Kinder, Frauen, Männer. Wen interessiert das auch, „sind ja nur Neger“, nicht wahr? Das ist ist die Wahrheit über den Friedensnobelpreisträger EU.

Und dazu darf sich dann unser Innenminister de Maizière äußern. Der hat seit ein paar Tagen begriffen, dass sein Argument, man würde durch ersaufen lassen der Opfer die Schlepper schädigen, nicht sonderlich viel bringt, wenn jeden Tag hunderte ertrinken – einfach weil die Unmenschlichkeit christlichen Handelns nun jedem klar offensteht. So sind sie, die politischen Christen: Hauptsache, der Wähler schaut nicht hin. Gott petzt ja nicht.

Man muss sich die Denkweise des (unseres! meines!) Innenministers mal durch den Kopf gehen lassen: Der Chef unserer Polizei erhofft sich, durch die Nichtrettung von Mordopfern Mörder an ihrer Tat zu hindern. Oder aber durch die Nichtahndung von Straftaten Straftäter am handeln zu hindern. Das ist der Chef der Polizei. Ich glaube es manchmal selber nicht.

Inzwischen ist bei ihm die Erkenntnis durchgesickert, dass das irgendwie nicht so richtig funktioniert. Herzlichen Glückwunsch, dafür hätte ein Kind im Kindergarten bestimmt volle fünf Minuten gebraucht. Wer wählt solche Leute?

Aber die eigentliche Frage…

… Wo bleibt denn Madame Richtlinienkompetenz? Wo bleibt die Frau Kanzlerin, die dazu nicht nur hin und wieder mal was sagen müsste, sondern vorgeben sollte, was Deutschland eigentlich für eine Haltung einzunehmen habe?

Madame halten wie immer fein das Mund. Nicht wahr? „Flüchtlinge“ ist so ein bäbä-Thema, da gibt es keine schönen Fotos, mit dem gewinnt man keine Wahlen, besonders nicht in konservativen Landstrichen. Meint Madame.

So ganz sicher bin ich mir da nicht. Immer mehr konservative Lokalpolitiker sprechen Sätze wie „Wir müssen gemeinsam stehen und Solidarität üben. Eine Gesellschaft funktioniert nicht, wenn jeder einzeln und nur für sich kämpft.“

Das hätte Marx nicht schöner formulieren können. Oder Friedrich Ebert, um mal einen richtigen Politiker zu erwähnen. Willkommen, liebe Konservative, im von Euch bis vorgestern noch verschmähten und verhassten „Sozialismus“. Ist schon kein Kaffee mehr da? Bananen noch frisch?

Na dann – fragt doch mal Eure Kanzlerin, wo sie da steht. Und, kleiner Tipp: Nagelt sie mal auf eine Meinung fest. Könnte sein, daß Ihr bis zur nächsten Wahl alleine damit ausreichend beschäftigt seid, damit sich inzwischen unsere Damen und Herren um die tatsächliche Arbeit kümmern können. War das letzte Mal ja auch so.

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