Ach ja… es geht bergab

Seit JJ Abrahms aus der Idee einer humanistischen Zukunftsvision sein Star Trek für coole Leute gemacht hat, wird man das Gefühl nicht los einem Symptom für die Abkehr von einem gewissen ideellen Rationalismus in den USA beizuwohnen.

Mag sein… nein, ziemlich sicher interpretiere ich in die Thematik zu viel hinein. Aber irgendwie beschleicht mich ein Gefühl von Unbehagen, seit ich mich dem zweiten Star Trek – Film (Passender Weise mit dem Untertitel „Into the Darkness“) irgendwie doch mal zugewandt habe um wenigsten den Trailer mal anzuschauen. Zugegeben, die Variante, die ich hier für den Blog ausgewählt habe ist ein bißchen lustiger, aber trotzdem:

Seit ich Star Trek für mich entdeckt hatte, ohne je ein wirklicher Trekkie zu werden, mochte ich die Grundidee, die hinter Gene Roddenberrys Vision stand. Die Grundidee ist die einer Gesellschaft die dank Überflußwirtschaft den Kapitalismus und das Geldsystem abgeschafft hat, keinen Hunger und keine Not mehr kennt so wie wir sie tagtäglich auf unserem Planeten erzeugen. In der Zukunftsvision von Roddenberry hungert niemand mehr, bloß weil irgendein geldgieriger Sack hinter seinem Schreibtisch nach mehr Profit giert. Es wird auch niemand mehr für minderwertig gehalten, nur weil er das falsche Geschlecht oder die falsche Hautfarbe hat. Stattdessen gehen die Menschen ihrer Berufung nach und für manche ist dies die Erforschung des Weltalls. Deren Geschichten erzählt Roddenberry.

Nach seinem Tod 1991 bekam die in ihrer Botschaft ziemlich direkte Vorzeigeserie „The next Generation“ eine kleine Wendung: Das Universum wurde einen Hauch kaputter, die Serie actionreicher. Das Grundkonzept des humanistischen Diskurses ethischer Probleme vor dem Hintergrund fremder Welten blieb aber bestehen. Manche dieser Diskurse haben jetzt nicht nur so einen wie mich, sondern sogar Rechtsphilosophen beschäftigt.

Die kurz darauf gestartetet Serie „Deep Space Nine“, die nun nicht mehr die Erforschung des Weltalls, sondern ein Babylon 5 für Star Trek wurde, setzte den Fokus mehr auf dieses schon ein bißchen veränderte Universum. Es gab plötzlich eine größere Zahl von Gefechten und Schlachten zu beobachten, zum Teil wie in „Der Weg des Kriegers“ seltsam nüchtern inszeniert (Kein Vergleich mit der Babylon-5 Folge „Die Strafaktion„, die den Abwehrkampf wesentlich dramatischer, aber auch pathetischer inszeniert), und die Handlung dreht sich letztendlich um drei größere Auseinandersetzungen zwischen der Föderation, den Cardassianern, den Klingonen und dem Dominion.

Schon das ursprüngliche Setting ist irgendwie merkwürdig und bringt mich letztendlich auf das Thema, zu dem ich eigentlich kommen wollte: Deep Space Nine ist eine Raumstation im bajoranischen Sektor. Die Bajoraner waren bis vor kurzem von den Cardassianern besetzt und brutal unterdrückt worden und sind insgesamt eine extrem religiöse Gesellschaft. Sisko, der Föderationscommander von DS9, wird von ihnen für den „Abgesandten“ gehalten und nimmt letztendlich – auch bedingt durch das Serienfinale, wo er quasi zum Himmel fährt (also im Wurmloch verschwindet) eine sehr wichtige Position ein.

Babylon 5 bot das ziemlich genauso an, Sheridan stirbt nach 20 Jahren und fährt auch in die Unendlichkeit (in dem Fall von den Allerersten geholt), allerdings kokettierte J. Michael Straczynski mit der Thematik in einer wunderbaren „Rückschau“-Folge am Ende der vierten Staffel. Aber auch hier wurden religiöse Motive (hier sind es die Mimbari und das Erscheinen der „Allerersten“ Völker, sowie „des Allerersten“ Lorien – ja, die Anspielung auf Lórien ist Absicht!) verarbeitet.

Der große Erfolg der Neuauflage der Serie „Battlestar Galactica“ hat auch so eine seltsame religiöse Nummer. Ich mag die Serie sehr gern, aber spätestens ab der Dritten Staffel bricht die irgendwie ab und es geht hier nur noch um das Erfüllen eines wie auch immer gearteten Schicksals. Am Ende finden die Menschen und die organischen Zylonen die Erde wieder und besiedeln sie gemeinsam – zusammen mit den Urmenschen bilden sie die genetische Basis der heutigen Menschheit. Mal abgesehen von der „Das Leben kommt aus dem All“ – Motivation durchzieht die ganze Serie eine quasimythische Stimmung: Da stehen Leute von den Toten wieder auf und Träume weisen den Weg.

Die neueren Star Trek Filme springen nun ebenfalls auf diesen Zug auf und sind ebenfalls sehr von dem Thema „Bestimmung“ gefesselt. War das bei Star Wars noch eher eine amüsante Randerscheinung, die zu dem leicht märchenhaften und sehr an Fantasy erinnernden Setting passte (nebenbei wird JJ Arbahms auch da künftig Regie führen), so wird Star Trek nun auch lauter, von zukunftsweisenden Schlachten und Bestimmungen einzelner Helden geprägt. Das daran gruselige ist, daß dadurch die Maxime von Vernunft und Logik (passender Weise hat Abrams ja das Logikervolk der Vulkanier schon aus der Gleichung gestrichen) durch religiöse Motive ersetzt werden, die – man sieht es ja an Erfolg und Zuschauerzahlen – offenbar mehr in die Zeit passen und das Publikum eher ansprechen.

Das wiederum lässt einen doch darüber nachdenken, was eigentlich dieses 21. Jahrhundert für eines werden soll. Überall brechen die religiösen Fanatiker aus den Löchern aus, in die sie Aufklärung und Rationalismus mal eingesperrt hatten. Egal welcher Couleur, manche freuen sich sogar schon darauf, gegeneinander den totalen Krieg, das Armageddon zu führen. Im Namen der Verteidigung christlicher Werte wird neuerdings der Jude als Zeuge bestellt um den Muslim abzuwehren und die Kirchen beklagen, systematisch angegriffen zu werden. Mit ein wenig Verspätung kämpfen sie nun mit aller Kraft um ihren Machterhalt.

Dabei verursachen sie dieselbe ideologische Verblendung gleich mit: Ganze Religionsgemeinschaften werden in die weltpolitische Sippenhaft genommen und es scheint einem Kölner Kardinal kein Problem zu bereiten, daß „Muslim“ und „Islamist“ beim weniger intellektuellen Teil der Bevölkerung als Synonym verstanden wird. Das wäre so, als würde man alle Christen für Guantanamo Bay in Sippenhaft nehmen.

Daß das 21. Jahrhundert wieder zunehmend religiös wird – vielleicht als Antwort auf die von uns geschaffene, kompliziertere Welt – stimmt nachdenklich. Vielleicht behalten Gene Roddenberry und Michael J Straczynski ja recht: Beide haben in ihren Welten einen Dritten Weltkrieg im 21 Jahrhundert prognostiziert. In Star Trek war es ein Krieg, der durch eugenische Experimente an Menschen erzeugt worden war (und in den USA ist Eugenik in gewisser Hinsicht längst wieder Realität – auch ein Ergebnis Neoliberalen Denkens), im Babylon.5 Universum ist es ein Ressourcenkonflikt. Vielleicht aber schaffen wir es ja doch, uns ganz mittelalterlich wegen des Namens der Rose die Köpfe einzuschlagen.

Ich weiß nicht….. Star Trek?

In den vergangenen Tagen meines Lebens gab es eine Menge Phasen die man unterscheiden könnte – Phasen die ineinander überlaufen – und das dürfte wohl bei jedem Menschen so sein. Manche davon waren vorübergehend – wie meine Leidenschaft für eher dumme Dinge.

Andere Dinge waren von Dauer – wenn auch von periodischer Aufmerksamkeit. Star Trek ist so ein Fall. Manche Dinge haben mich von diesem Thema eher entfernt, andere eher hingebracht. Als ich Kind und Jugendlicher war, war sicherlich die Action eine wichtige Komponente. Seit ich erwachsen bin ist das gar nicht mehr so der Fall. Neulich habe ich mit einem Schüler eher zufällig über Star Trek diskutiert und dabei festgestellt, daß ich offensichtlich – seit Januar diesen Jahres – älter werde.
Für ihn (14 Jahre alt) ist Star Trek eine uralte SciFi-Marke aus den fernen 70ern die jetzt modern geworden ist – letztendlich ein ähnlich gelagerter Fall wie bei Battlestar Galactica. Nach Inhalten gefragt geht’s da vor allem um Raumschiffe und Action. Ungefähr das ist auch das, was davon heute noch übrig ist.
Gesehen hat er die Serien noch nicht, vielleicht ein paar Folgen von Enterprise, aber das ist bereits die Spätphase dieses Universums gewesen. Im Grunde hatte er daran auch nicht viel Interesse, hauptsächlich weil er in der Schule bei seinen Kumpels eine Menge darüber gehört hat, daß es sich um letztlich langweilige Serien handelt – Deep Space 9 sei ganz cool, mehr Action. Darüber habe ich nachgedacht und die darauffolgende Nachhilfestunde mit einem Gesprächsanhang versehen. Wir haben uns zwei Folgen aus Star Trek: The Next Generation angesehen. Damit’s dennoch einen kleinen positiven Nebeneffekt auf seinen Schulweg hat, auf Englisch. Die Folgen heißen „Wem gehört Data?“ (The Measure Of A Man) und „Das zweite Leben“ (The Inner Light).

Von der Schöpfung
Die eigentliche Hauptfigur der Serie TNG war und ist Lieutenant Commander Data. Er ist ein Androide, eine vollständige künstliche Person die nicht nur eine Künstliche Intelligenz besitzt, sondern auch ein künstliches Bewußtsein. Datas Anstrengung gilt der Frage wie es ist, Mensch zu sein. Dieses Bestreben führt nicht selten zu recht komischen Ergebnissen wenn er menschliches Verhalten zu unpassenden Zeiten kopiert (So nennt er einen Vorgesetzten mal „Du Knalltüte“, als er das Wesen des Humors erforscht), aber vor allem weist er Zuschauer und Mitbesatzung immer wieder auf die menschliche Natur hin. Picard vergleicht ihn öfter mit Pinocchio.

In dieser Folge möchte ein Wissenschaftler Data zerlegen um ihn nachbauen zu können. Picard legt dagegen Einspruch ein und versucht mithilfe eines Gerichtsprozesses zu beweisen, daß Data eine eigenständige Persönlichkeit ist – und als Person alle Rechte eines Lebewesens der Föderation genießt. Als Ankläger fungiert hier Commander Riker, vermutlich weil die Crew der Enterprise sonst auf letztlich zwei handelnde Akteure zusammengeschrumpft wäre, Sinn ergibt diese Konfiguration nicht.
Riker beweist schlüssig, daß Data eine Maschine ist indem er im zuerst einen Arm abnimmt und ihn danach einfach abschaltet. Ein Vorgang, der mit einem Menschen nicht zu machen wäre. Picard verargumentiert letztlich, daß die Herstellung unzähliger dienender Androiden, die intelligent und selbstbestimmt sind, eine Sklavenrasse schaffen würde – etwas, was mit den fundamentalen Prinzipien, welche die Menschheit inzwischen entwickelt hat, nicht vereinbar wäre. Er bekommt Recht.

Der Traum der Menschheit von künstlicher Intelligenz ist nicht neu und in unzähligen verschiedenen Arten im Rahmen der Science-Fiction – Literatur bereits aufgegriffen worden. Das bekannteste Werk in dem Zusammenhang dürfte vermutlich „I, Robot“ von Isaac Asimov sein. Asimov hat in vielen Romanen und Erzählungen die Thematik um künstliche Lebewesen entwickelt, unter anderem auch die drei Gesetze der Robotik entworfen und ihre Grenzen diskutiert. Geschichten wie beispielsweise die der Terminator-Filmreihe oder auch der Roman „Robocalypse“ von Daniel Wilson erzählen uns von den Gefahren durch künstliche Intelligenzen, der wahrscheinlich beste Roman des 21. Jahrhunderts, „Angenehm. Erziehungsroman einer Künstlichen Intelligenz“ von Matthias Hirth wiederum zeigt uns unsere eigene Beschränkung auf wenn wir versuchen uns selbst zu erklären – und wie wir diese Menschlichkeit dann einer Maschine beibringen wollen.
Data ist nun nicht nur eine künstliche Intelligenz, er hat ein Bewußtsein. Ob das eine das andere bedingt, darüber ließe sich trefflich streiten, was ja auch gemacht wird. Im Laufe der Diskussion kam mein Schüler auf das Argument, daß man, wenn man etwas erschafft, was nach irgendeiner Definition lebt, auch die Verantwortung dafür tragen muß. Im Gegenzug fragte ich ihn, wie es dann um unsere Behandlung von Tieren steht; Wir erschaffen sie ja nicht, wir benutzen sie aber obwohl wir wissen daß sie wirklich leben und in den meisten Fällen zumindest ein rudimentäres Bewußtsein haben. Da stellte er mir eine ziemlich geniale Frage: Was ist eigentlich ein Bewußtsein?

So einfach ist das nicht zu beantworten. Man könnte von einem Bewußtsein sprechen, wenn das betreffende Lebewesen Gedanken hat. Nur sind Gedanken nicht so einfach nachzuweisen, wenn eine Kommunikationsschnittstelle fehlt. Ich weiß als Katzenbesitzer zum Beispiel eine Menge darüber, wie Katzen jagen. Wie sie oftmal recht ungeschickt vorgehen aber aus Fehlern lernen und sich regelrechte Strategien einfallen lassen. Einmal haben unsere beiden Katzen gemeinsam mit dem Nachbarskater einen regelrecht verhassten Vogel gejagt – eine Amsel die sie wirklich gern ärgerte – und sie sind dabei taktisch äußerst geschickt vorgegangen und haben das Tier regelrecht in eine Falle getrieben. Geht sowas ohne Gedanken, rein auf der instinktiven Ebene?
Bewußtsein kann, religiös gesprochen, als das gelten, das beseelt ist. Tiere empfinden Schmerzen, nehmen oftmals Farben wahr. Maschinen nicht, können aber so programmiert werden daß sie eine entsprechende Reaktion zeigen. Nur ist diese Reaktion dann eine Reaktion eines Bewußtseins oder nur ein einprogrammierter Automatismus? Was ist denn unser Schmerzempfinden? Schmerz sagt dem Körper, daß irgendwas nicht stimmt und der Körper reagiert darauf. Wer sagt, daß es einer Maschine nicht weh tut, wenn man einen Kondensator überlastet? Eigentlich wird das doch nur durch die Annahme bestätigt, daß eine Maschine eben ein Ding ist und kein Lebewesen. Ist ein Kotelett ein Ding, obwohl es von einem Lebewesen stammt? Dem Kotelett tut es nicht weh, wenn man es schneidet – dem Lebewesen aber schon wenn man es in das Kotelett schneidet.

Betrachtet man den Film Blade Runner von Ridley Scott, einen der einflußreichsten Science-Fiction Filme überhaupt, so ist die Grenze zwischen Ding und Lebewesen in der Emotion zu finden – erst die Emotion macht den Menschen zum Menschen und im Film eben auch den Replikanten, weswegen er ab- oder ausgeschaltet werden muß. Geht man aber noch einen Schritt weiter und überlegt, ob es nicht möglich wäre ein menschliches Bewußtsein, das ja eigentlich nur aus Elektronenimpulsen besteht, in eine Maschine zu laden – wäre diese Maschine dann nicht ein Lebewesen?

Die Erschaffung von künstlichen Lebensformen liegt zumindest im Augenblick noch in der Zukunft, auch wenn es Anzeichen gibt, daß diese Zukunft nicht mehr allzu fern ist. Ob wir als Art überhaupt schon die zivilisatorische Reife haben, mit einer solchen schöpferischen Fähigkeit umzugehen, ist allerdings fraglich.

Braucht es eigentlich einen Grabstein?
Die Folge „Das zweite Leben“ aus der fünften Staffel handelt davon, daß die Enterprise auf eine fremde Sonde stößt und – wie es eben in den alten Star Trek Serien noch sein durfte – neugierig wird. Man untersucht die Sonder via Scanner und Captain Picard wird ohnmächtig. Er erwacht auf dem Planeten Kataan und wird von allen Kamin genannt, ist plötzlich verheiratet und von Beruf Eisenweber. Seine Frau trägt ein Amulett das genauso geformt ist wie die Sonde. Im Laufe seines Lebens auf Kataan, das Picard inklusive Kinder und Enkel dort verbringt und dabei sogar beharrlich das Flötespiel erlernt, stellt sich heraus, daß diese gerade erst die Raumfahrt entdeckende Zivilisation dem Untergang geweiht ist: Ihre Sonne wird zur Nova werden.
Die Zivilisation des Planeten kann dagegen nichts machen, allerdings schickt sie mit all ihren Mitteln und Kraft eine Sonde aus. Diese ist in der Lage, einem Individuum – in dem Fall Captain Picard – die Geschichte, Kultur und Lebensweise des Volkes von Kataan durch eine Erinnerung an ein dort gelebtes Leben zu vermitteln. Der ganze Vorgang dauert etwa 20 Minuten. Danach zerstört sich die Sonde selbst. Das einzige was die Crew aus der Sonde bergen kann ist die Flöte mit der Picard das Spielen erlernte.

Für die Diskussion nach der Folge stellte ich ihm eine Frage: Warum haben die das gemacht? Warum all ihre Kraft darauf angewendet, eine Sonde zu bauen die von ihrem Schicksal erzählt und nicht alles unternommen, um wenigstens ein paar von sich zu retten? Er antwortete mit einer Gegenfrage: Warum haben sie als Gegenstand die Flöte mitgeschickt? Warum nicht eine Aufzeichnung ihrer Geschichte, ein Buch oder einen Film oder sowas?

Stattdessen die Flöte – und die Volksweise, die Picard im Laufe seines „Lebens“ auf dem Planeten erlernt hat. Vielleicht ist das auch dies das Erinnerungswürdigste eines Volkes – seine Geschichten und Lieder. Blickt man da auf die Leistungen unseres Volkes in Zeiten von DSDS, Dieter Bohlen und Lena Meier-Landruth, so gilt das vermutlich nicht uneingeschränkt, aber man fragt sich, ob es nicht Zeit wird, daß wir aussterben… Wie heißt es so schön? Wenn die Kraft zuende geht….

Im Laufe der Diskussion kamen wir zu dem Schluß, daß viele Menschen sich wünschen, unsterblich zu sein. Jede Religion verspricht dies in gewisser Weise, manche durch Wiedergeburten, andere durch simple Vorstellungen eines ewigen Lebens, da wiederum einige mit Hilfe eines Heilsversprechens, eine Paradieses oder einer ewigen Party wie bei den Germanen, andere unterteilen die Toten erstmal nach ihrem Leben und bestrafen sie bei Bedarf gleich für deutlich länger als das Leben selbst andauerte. Dafür versprechen sie auch Ablässe.

Was aber ist denn „der Mensch?“ Was zeichnet uns, als Zivilisation, als Ganzes betrachtet, eigentlich aus? Der Blickwinkel ist erstaunlich ungewöhnlich, auch wenn er zunächst gar nicht so scheint. Wir betrachten in verschiedenster Form und Sprache gerne einmal „die Menschen“ und wir können eine Menge auch über sie als Gruppe sagen. Allerdings nur als entweder Statistik, oder als Einzelperspektive. So sehe ich „die Türken“ in Deutschland beispielsweise sowohl statistisch als Gruppe von Arbeitgebern und -nehmern, also auch als eine Gruppe, deren Jugend neueren Studien zufolge Anpassungsprobleme hat – was erstaunlich ist, bedenkt man daß nicht wenige davon bereits die Dritte Generation in Deutschland sind. Zugleich nehme ich aber die Türken in meinem Umfeld und Freundeskreis wahr – und irgendwie passt das nicht zu den Statistischen Daten.
So wird es einem oft gehen. Egal ob man die Türken, die Deutschen oder auch nur die Bayern betrachtet, stets hilft einem die Statistik dabei, Schubladen zu benutzen die eine Kategorisierung einfacher machen. Je weiter weg eine Zivilisation ist, desto einfacher fällt das. Wenn „der Inder“ sich über „die Deutschen“ Gedanken macht – humorlose Organisationstalente, das einzige Volk, das seine Unterwäsche bügelt – so wird er den Begriff „Bayer“ vermutlich auch auf einen Nürnberger anwenden, oder einen Bamberger. Selbiger würde das vielleicht nicht direkt unterschreiben. Wie ist dann unsere Sicht von „dem Muslim“? Nicht vielleicht genauso falsch?

Ein Volk oder eine Lebensorganisation nach bestimmten kulturellen Merkmalen zu beurteilen ist gar nicht so einfach weil die Wertigkeit der einzelnen Bestandteile von außen gar nicht so ohne weiteres feststellbar ist. Den gleichen Blick haben wir in die Geschichte unserer eigenen Leute. Wir wissen, daß sie für unglaubliche Summen und vor allem für eine unglaubliche Bauzeit gigantische Kathedralen errichtet haben. Daraus schließen wir auf eine hohe Religiosität, aber so manche Historiker zweifeln daran daß das für das gesamte Mittelalter und jede Region im gleichen Maße anwendbar ist. Wenn unsere Nachfahren von Bauwerken wie dem Frankfurter Bankenviertel oder dem neuen Reichstag auf unsere Hörigkeit gegenüber Banken oder Staat schließen würden….. könnte es da nicht zu Irrtümern kommen?

Wir stellen auf unsere Gräber Grabsteine auf denen meistens nur die Lebensdaten vermerkt sind sowie der Name. Selten noch einen Satz, der im Sprichwort öfter vorkommt als in Wirklichkeit. Manche schreiben sogar gar nichts auf den Grabstein, manchmal macht man nur ein Holzkreuz, oder – wie bei den rasch angelegten Soldatengräbern im Krieg oftmals – nur ein Symbol auf Stock und Helm. Massengräber bekommen gar kein Insignium, meist entweder weil es nicht zu schaffen wäre (bei Seuchen) oder weil es der letzte Schritt der Entwürdigung des Mitmenschen (bei Massenerschießung) sein soll – man spricht dann in der Regel auch von „verscharren“ und nicht von „begraben“ oder „beerdigen“.
Ich wohne praktisch in Sichtweite des alten Münchner Nördlichen Friedhofs, der sehr Zentral in Maxvorstadt gelegen ist. Der Friedhof ist offengelassen, also er wird nicht mehr benutzt und dennoch sind bis heute etwa 850 Gräber erkennbar (von ehemals 9.000), der Friedhof wurde allerdings im zweiten Weltkrieg völlig verwüstet. Heute ist er ein Naherholungspark, Kinder spielen zwischen den Grabsteinen Fangen oder Seilhüpfen und vor allem Jogger aus der Gegend nutzen das Gelände zum täglichen Training. In meinen Versuchen ihnen nachzueifern bin ich allerdings einige Male stehengeblieben um mir die Namen, die noch lesbar sind, anzusehen.

Eine Frage, die sich mir vor allem stellt ist die, ob eigentlich die dort Begrabenen oder gar ihre Verwandten sich Gedanken darüber gemacht haben, was ich mir für Gedanken darüber mache, wenn ich ihre Namen lese. Nicht zwingend ich speziell, aber was sich wohl der Besucher ihres Grabes denken würde, wenn er zweihundert Jahre später daran vorbeimarschiert. Schenken Sie bei Besuchen auf Friedhöfen „fremden“ Gräbern echte Aufmerksamkeit?
Vielleicht wenn sie besonders auffällig gestaltet sind. Aber ansonsten? Kaum, nehme ich mal an. Dennoch stehen überall Namen und Geburts- und Sterbedaten. Es ist keine Unsterblichkeit – aber, um mit Reinhard Mey zu sprechen, ein Schrei: „Schaut her, ich hab gelebt!“. Was würde ich auf meinem Grabstein haben wollen? Was soll von mir bleiben wenn ich mal sterbe – und vor allem was soll länger wichtig bleiben als nur für meine Kinder und vielleicht noch meine Enkel? Für Menschen, die mich gar nicht kennengelernt haben?

Das elektronische Zeitalter bietet da in gewisser Hinsicht einen Beispielhaften Versuch: Dieser Blog wird auch nach meinem Ableben noch existieren. Wie eine Hinterlassenschaft von Büchern ist er dann statisch, aber kann viel leichter gefunden werden, sofern er nicht irgendwann gelöscht wird oder die Server auf denen er besteht, einen totalen Ausfall haben. Da könnte dann vielleicht das Internet Archive einen Teil von ihm retten. Nur – will ich das? Macht mich dieser Blog aus? Nein. Gewiss nicht. Ich veröffentliche hier ja, auch wenn ich mitunter Details aus meinem Leben preisgebe oder sogar wichtige Stücke meiner Persönlichkeit präsentiere, so ist das zwar durch meinen Willen geschehen – aber eigentlich nicht echt. Ich zeige von mir nur so viel wie ich möchte und der psychologisch geschulte Leser wird mehr entdecken – aber alleine dadurch, daß ich in dem Blog meine Meinung kundtue wird der Blog noch nicht zum Abbild meiner Person.

Nun wird aber das vielleicht von mir bleiben. Vielleicht auch mehr – ich beabsichtige noch wenigstens 50 Jahre zu leben und in der Zeit kann noch eine Menge geschehen. Nur frage ich mich, ob es jemandem, der mich aus irgend einem Grunde beforscht, eigentlich klar werden würde, was mir wirklich wichtig ist? Ob er mich verstehen könnte, obwohl er gar nicht so genau weiß was ich alles sehe, lese, höre?
Umgekehrt, mal als Historiker gefragt: Ist mir eigentlich wirklich klar, was für ein Mensch zum Beispiel Friedrich der Große war, obwohl ich vermutlich mehr Übungen, Seminare und Vorlesungen zu ihm als zu sonst irgendeiner Persönlichkeit der Geschichte besucht habe? Und vor allem: Wie war das Leben eines Müllers in Friedrichs Zeit? Was liebte er, was lebte er? Der Historiker fragt nach so etwas nicht oft – aber ist es nicht eigentlich das, was wirklich bewahrenswert ist?

Fazit
Es bleibt die Erkenntnis, daß man den Drehbuchautoren der Serie nach wie vor immer gern gratulieren würde. Sie haben oftmals auch Unsinn produziert oder Folgen geschaffen, die wirklich oberflächlich oder mehr unterhaltend gemeint waren. Aber nicht zuletzt TNG hat zum einen das Star Trek – Phänomen überhaupt so richtig zum Leben erweckt, es hat auch dafür gesorgt, daß sowohl Wissenschaftler der Astrophysik (Stephen Hawking hat sogar einen Gastauftritt in einer Folge, wo er mit Data, Albert Einstein und Isaac Newton Poker spielt und gewinnt), als auch Geisteswissenschaftler sich für Star Trek zu begeistern begannen. Hawking soll beim Besuch der Kulisse des Maschinenraumes der Enterprise-D gesagt haben: „Ich arbeite dran“.

Es ist gelungen, ethische, moralische und menschliche Existenzdiskurse in eine Unterhaltungsserie einzubauen, die eine große Fangemeinde unter erheblichen Schwierigkeiten errungen hat. Zeitgleich ist es, wenn auch immer schwächer werdend, der Versuch, eine positive und interessanter Weise Postkapitalistische Zukunftsversion dem – ausgerechnet – amerikanischen Publikum zu verkaufen. Das erscheint heute nicht mehr zeitgemäß, weswegen man im neuen Star Trek darüber lieber keinen Gedanken verschwendet. (Protokoll hier) Was schade ist, denn im Grunde starb mit Gene Roddenberry ( 1991) und zuletzt mit seiner Frau, Majel Barrett ( 2008) auch noch das letzte bißchen positiver Zukunftsvision und Paramount macht mit der Marke, was es braucht: Vermarktung.

Nur ein weiteres, schönes Beispiel dafür daß es in der Regel den Dingen nicht gut tut, den Gesetzen des Marktes geopfert zu werden.

Quo Vadis, JJ Abrams?

In den vergangenen Tagen unserer Republik gab es ein Ereignis, das einen großen Teil der Filmwelt erstaunt zurückgelassen hat. Entsetzt zurückgelassen hat es die Freunde einer Zukunftsvision die bislang eine Zukunft zu gestalten suchte, in der das Ideal einer humanistisch gesinnten Gesellschaft erreicht wurde. Erstaunt hat es jene Mitmenschen, die sich eigentlich gedacht haben, daß das kreative Filmeschaffen im Westen frei sein sollte von Propaganda. Was natürlich ein Irrtum ist.

Die Rede ist nicht von einem deutschen Film sondern von Star Trek – The JJ Abrams Generation.

Nun muß ich vorausschicken daß ich Star Trek im Grunde immer gerne gesehen habe aber nie ein „Trekki“ war – ich bin weder mit Latexohren herumgelaufen, noch nenne ich mein Klapphandy Kommunikator oder Tricorder. Ich habe keine persönliche Bindung an die Figuren und trage keinen Föderationsschlafanzug im Kino.

Hingegen genoß ich an Serie (zumindest TOS und TNG) und Film (Zumindest die ersten 9) den Widerspruch des zu lebenden Ideals und der Wirklichkeit, die sich besonders an den beiden Captains Kirk und Picard darstellte.

Gene Roddenberry war Star Trek zeitlebens zu materialistisch, zu militärisch – schon TOS entwickelt ab der zweiten Staffel oftmals militärische Lösungswege. Zudem kann man den Verlust von Roddenberrys Einfluß auf TNG sehr deutlich erkennen, da es ab der Dritten Staffel deutlich actionreicher zugeht aber im Kern ist die Welt von Star Trek immer von Menschenrecht, von Mitgefühl, Toleranz und Achtung vor der Schöpfung die Rede und die Schwierigkeiten, die in der praktischen Umsetzung dessen auftreten können. Vereinfacht ausgedrückt exzerpiert Star Trek das schöne Problem, das der schwache Schüler hat – kann das miteinander reden wirklich stärker und erfolgreicher sein als die Faust der Stärkeren?

So zeigt die brillante TOS-Folge „Horta rettet ihre Kinder“ wie eine Kreatur auf Silikonbasis von Bergleuten übersehen wird und ihre Eier als „Siliciumknollen“ fehlinterpretiert und geerntet werden woraufhin die Kreatur zu töten beginnt. Suchen die Bergleute eine militärische Lösung und wollen Horta töten, so erkennen Kirk und Spock die eigentliche Verteidigungsabsicht der Mutter und suchen eine Lösung von der alle profitieren. Ein Gegenmodell entwirft die TOS-Folge „Kampf um Organia„, bei dem Föderation und Klingonen kriegslüstern erscheinen und von den entwicklungstechnisch überlegenen Organier (?) wie von strengen Eltern quasi zur Ordnung gerufen werden müssen. Eingeschränkt in ihren Handlungswelten erkennt Kirk seinen Irrweg, den er als Cowboy im Weltraum einnimmt, und tatsächlich beginnt die Figur hier nachdenklicher zu werden. Was an seiner Gegnerschaft zu den Klingonen nichts ändert aber dazu später ein wenig mehr.

Das Roddenberry’sche Ideal erfüllt sich meines Erachtens nach in der Figur des Captain Picard der als moralische Instanz die Wege seines Schiffes und seiner Crew lenkt, fehlbar aber mit den besten Absichten, klug und doch nur an der Grenze der Weisheit und sehr nachdenklich. Picards Handeln wird immer von den Grundsätzen seiner Wertewelt bedingt und treibt ihn letztlich sogar ein paar Mal gegen die Föderation der Planeten.

Die Filme schließlich entwerfen in den Teilen II-IV die Figur Kirk und zeigen ihn in seinen menschlichen Schwächen. Mit Vernunft kämpft er gegen Khan, mit Unvernunft gegen die Klingonen und das kostet letztlich seinen Sohn das Leben. Star Trek II: Der Zorn des Khan ist der wahrscheinlich brillanteste Star Trek Film und gab der Serie seine entscheidende Richtung. Action ist Element aber im Kern steht die Frage nach dem Lebensrecht und vor allem die Frage nach der Berechtigung auf die Fähigkeiten Projektes „Genesis“. McCoy äußert dies in einem klugen Satz: „Mein Gott, was für eine schöpferische Kraft!“ Spock, Logiker als Vulkanier, löst die Frage nach dem Lebensrecht logisch in dem er sich für das Schiff opfert und den Menschen damit eine moralische Lektion erteilt – besonders Kirk, der zuvor so schön erklärte „Ich glaube nicht an ausweglose Situationen.“

Dieser neue Kirk wächst in Film VI, Das unentdeckte Land, über sich hinaus. Die Klingonen wollen (oder müssen) Frieden schließen und Kirk bricht mit seinem persönlichen Empfinden zum Wohl der Föderation – er verhindert einen Krieg und kommentiert das in gewisser Hinsicht lapidar. Streitet er sich Anfang noch mit Spock über die Klingonen (Spock: „Sie werden sterben.“ Kirk: „Lasst sie sterben!“) so stellt er sich in seiner Rede vor dem Föderationsrat der Erkenntnis, daß er vielleicht nicht mehr in die Zeit passt. Die Zeit geht weiter und wir werden alt.

Das er sich jedoch anpassen kann markiert sein letzter Logbucheinrag: „Persönliches Logbuch des Captains, Sternzeit 9529,1. Dies ist die letzte Reise des Raumschiffs Enterprise unter meinem Kommando. Dieses Schiff und seine Geschichte werden bald in die Obhut einer anderen Mannschaft übergeben. Ihnen und ihren Nachkommen vertrauen wir unsere Zukunft an. Sie werden die Reisen fortsetzen, die wir begonnen haben und mutig zu all den unentdeckten Ländern vorstoßen, wo noch kein Mensch, wo noch niemand zuvor gewesen ist.

Picard, der die Geschichte übernimmt, bekommt im Laufe der Filme einen starken Charakter, die größte Prüfung zweifellos in Star Trek VIII: Der erste Kontakt. Sein eigentlicher „Nemesis“, die Borg, bringen Picard so weit, daß er zumindest kurzfristig seine Prinzipien aufgibt und Rache zum Handlungsmotiv erhebt – ein Irrtum der Besatzungsmitglieder das Leben kostet und ihn letztlich die Schuld der Rache lehrt. Schon der vorherige Film markiert einen Wendepunkt für die Figur, denn Picards Bruder stirbt anfangs und bürdet Picard damit die Pflicht auf, die Familie fortzuführen. Ein interessantes Konzept über das man reden kann aber die Figur identifiziert sich nun als „Der letzte der Picards“.

Star Trek IX, ein eher actionbetonter Streifen, exerziert die oberste Direktive durch und führt mit einem interessanten Seitenhieb auf Teil II zurück: Hieß es in einer dramatischen Szene in Teil II: ″Spock: ‘Seien Sie nicht traurig, Admiral. Seien Sie logisch. Die Bedürfnisse Vieler sind wichtiger…‘ Kirk: ‘…als die von Wenigen…‘ Spock: ‘…oder eines Einzelnen. Ich war und werde es immer sein – Ihr Freund. Leben Sie lang und in Frieden.‘″, so gilt das für die neue Generation nicht – diese Ansicht wird für falsch gehalten: ″Dougherty: ‘Jean-Luc, nur 600 Menschen leben da unten. Wenn wir die regenerativen Eigenschaften dieser Strahlung nutzen könnten, wäre das eine Hilfe für Milliarden.‘″

Ein Paradigmenwechsel? Mitnichten. Was Spock für sich selbst entscheidet, nämlich das eigene Wohl steht weit unter dem Wohl Vieler, entscheidet hier eine äußere Macht für die Ba‘ku: die Föderation. Also gab es wohl keinen echten Paradigmenwechsel in der Geschichte von Star Trek, von kleineren Änderungen mal abgesehen.

Aber!

Nun nun kommt das Aber und die Erklärung warum ich diesen Text verfasse den Du, werter Leser, mit etwas Glück bis hier verfolgt hast: Der Regisseur der Erfolgsserie Lost hat mit dem elften Star Trek Kinofilm endlich das erreicht, was vorher keiner erreichen konnte, wie ein Rezensent bei Amazon sehr gut erkannte: „[…] endlich ist Star Trek so, wie es sich alle coolen Leute gewünscht haben: Weg mit diesem idealistischen Aufklärertum, dem Rationalismus und Humanismus. Her mit Gefasel von Bestimmung, das spart Erklärungen. Der folgenschwere Fehler, die Inspiration für den allerersten Star-Trek-Film (1979) aus Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum statt aus Krieg der Sterne zu ziehen, darf 30 Jahre später endlich als getilgt angesehen werden. Feuerwerk statt Drama, willkürliche Monsterattacken statt menschliche Dilemmata, denn wir leben ja im 21. Jahrhundert; die Menschheit hat sich weiterentwickelt und weiß, dass Intelligenz in Drehbüchern nichts verloren hat. Möge der Krach mit dir sein..!

Nicht daß ich etwas gegen Star Wars hätte, eher im Gegenteil. Aber das eine ist ein Märchen im Weltraum, das andere ist Science-Fiction im engeren Sinne und hat folglich wenig von Bestimmung und dergleichen zu reden.

Das Publikum liebt es – Star Trek ist massentauglich geworden und schwimmt mit auf der Welle hohler Filme die uns die Welt in so schön einfache Schemata gießen und alles, was nicht verständlich erscheint zum religiösen Zustand erhebt.

Nun haben Filme, auch Science-Fiction Filme (!), schon immer (oder jedenfalls gern) die Welt im aktuellen Zustand abgebildet. Star Trek VI ist im Grunde von der Hintergrundgeschichte her nichts anderes als eine Aufarbeitung des Endes des kalten Krieges. Aber eine hoffnungsvolle Aufarbeitung.

Was bleibt bei JJ Abrams? Der Film vermeidet jedwede Aussage. Alles geht unter im allgegenwärtigen Actiongedöns und keiner merkt während des Films, was eigentlich passiert. Das erinnert tatsächlich sehr an den aktuellen Weltzustand. Nero, der durch die Zeit zurückgereist ist, hat die Geschichte verändert und der alte Spock zuckt die Achseln und sagt sich: „Naja, Vulcan ist platt, Familie ist tot aber hey, wir können ja mal was neues ausprobieren!“ anstatt sich hinzustellen und zu versuchen diese Änderung rückgängig zu machen. Wäre zwar auch schonmal dagewesen (Stargate: Continuum) aber wenigstens für eine solche Figur realistischer.

Abrams hat angekündigt, daß er weitere Filme in diesem Stil drehen möchte. Vermutlich wird daher der Star Trek Kanon früher oder später diese „alternative Zeitlinie“ übernehmen und alles alte belächeln und sagen: „Wollt ihr wirklich, daß sich nie was ändert?“

Der Vorwurf ist ein sehr schöner weil er so einfach zu erheben ist. Neu ist gut weil modern. Das „wie“ darf nicht infrage gestellt werden und das „daß“ infrage zu stellen grenzt an Majestätsbeleidigung. Nur keine Fragen stellen.

Ein Rezensent bei Amazon fasste das sehr schön zusammen; „Eigentlich wäre Star Trek JJ nicht der Rede wert ob seiner Banalität. Aber dann sprechen Millionen von Fans und sog. normale Menschen von einer Art Geniestreich. Einem frischen, jungen Star Trek. Doch das einzige, was dieser, naschön, Film bietet, ist: Er lenkt nach Jahrzehnten der Epigonen die Aufmerksamkeit zurück auf die originale Star-Trek-Crew, mit der der Kult begann. Nie zuvor wirkten diese alten miefigen Fernsehspiele vor billiger Pappkulisse so hoch-klassisch, intellektuell aufreibend und emotional ergreifend.

Ich für meinen Teil warte ein bisschen auf eine Verbindung zu beispielsweise 300, also irgend eine heldenmütig aufopfernde Germanengarde die die Föderation vor den anstürmenden [beliebiges böses Volk einsetzen] errettet und sich dabei opfert. Das kam auch gut an und kaum einer merkte in welche Ideologie er da verstrickt wurde. Manchmal fragt man sich schon ob das Filmeschaffen der Gegenwart so eine Art Testlauf ist für Methoden der nachhaltigen Manipulation. Das Ersetzen eines humanistischen Ideals der menschlichen Selbstverbesserung durch ein Ideal der „totalen Selbstverteidigung“ und ein zumindest fragwürdiges Konzept von „Ehre“ scheint schonmal gut anzukommen. Zumindest wenn’s dabei ordentlich rummst.

Vielleicht werden die nächsten Regierungserklärungen auch mit Explosionen begleitet. Dann guckt’s auch einer…

Eine kleine Mitschrift

In den vergangenen Tagen unserer Republik gab es ein bemerkenswertes Filmereignis das einen Oscar gewann und nachzuholen ich mir in Auftrag gestellt hatte. Star Trek XI, quasi Star Trek, the JJ Abrams Generation (kurz: Star Trek: TJJG). Ums kurz zu machen: Ich war erschüttert und entsetzt.

Aber beginnen wir am Anfang. Der Film startet mit einer hektischen und sehr blendenden Szenerie. Ein Schiff fliegt herum. Ein anderes kommt im Wing-Commander-Style (sind sogar die gleichen Effekte) aus einem Wurmloch und schießt das Schiff in Klump. Nach ein bißchen Kampf, Explosionen, Hektik und mehr Explosionen folgen zwei sehr dümmliche Regiefehler (Die Kelvin verfolgt die Lebenszeichen des Captains auf dem Feindschiff mit ihren Instrumenten ist aber nicht in der Lage dem 1. Offizier das Geschlecht seines Kindes zu verraten) und James T. Kirk wird geboren während sein Papa eine Heldentat vollbringt und sich und sein Schiff für die Crew opfert. Das ist in der Tat heldenmütig. Nur noch einmal zur Verdeutlichung: Der bis dahin unbekannte Feind Nero sucht anscheinend Spock und hat ohne Vorwarnung das Feuer eröffnet, nachdem sein Schiff zufällig genau vor der Kelvin aus einem Schwarzen Loch fiel. Logisch, oder?

Die nächste Szene nach einem an Mount Rushmore erinnernden Vorspann, wird eine vulkanische Schule gezeigt. Vulkan JJ ist nicht der spirituelle Ort den Star Trek so gerne zeigte sondern eine Lern- und Indoktrinationsmaschine. Kinder stehen hier in Löchern im Boden und beantworten Fragen. Erinnert an Guantanamo, ist aber das fortschrittlichste Volk des Universums. Fortschritt JJ eben.

Der junge Jim Kirk, eben geboren, darf als Heranwachsender zuerst ein Auto in eine Schlucht fahren, fallen lassen und am Hang hängen, dann Uhura in einer Kneipe anmachen und verprügelt werden. Als Belohnung für diese kluge Handlung wird er von Captain Pike eingeladen, der Sternenflotte beizutreten weil sie eine „humanitäre Armada“ sei. Seltsamerweise sind am nächsten Morgen alle Gesichtswunden verheilt und Kirk darf gegen einen Balken im Hobbithaus, halt nein, im Shuttle rennen wo er einen Alkoholiker trifft der später mal Schiffsarzt wird. Na gut.

Kirk scheint unter einer Dauererektion zu leiden. Er macht so ziemlich alles an was nicht bei drei auf einem Baum ist. Weiblich oder McCoy scheint egal. Dann wird es hektisch, Vulcan wird angegriffen. Weil die Raumflotte grad irgendwo „beschäftigt“ ist setzt man – logischerweise – alle Kadetten ein (bis auf Kirk der an Bord geschmuggelt wird) um eine zweite Raumflotte, die unbemannt da grad zufällig herumliegt, nach Vulcan zu entsenden, das praktischerweise nur 3 Minuten entfernt ist.

Eine halbe Raumschlacht später werden Kirk (nun erster Offizier weil er wegen einer Krankheit an Bord kam oder so ähnlich) und Sulu auf einen großen Bohrer geworfen. Ja, die schmeißen sich da wirklich aus dem Schiff runter in Raumanzügen mit Fallschirmen, Kirks Kollege ist zum Glück verwegen dämlich und weigert sich den Fallschirm rechtzeitig zu öffnen weswegen er samt dem Sprengstoff zur Zerstörung des Bohrers draufgeht. Kurz darauf Abwechslung, Kirk hängt mal wieder über einem Abgrund (das zweite Mal nun schon) während Sulu, ohne Witz, mit einem Schwert einen Romulaner bekämpft der aus dem Bohrer gekrochen ist und zufällig eine Streitaxt mit sich herumträgt. Ich gucke nach, es wird wirklich behauptet, ich sähe einen Star Trek Film. Der Romulaner der Kirk bekämpft trägt anscheinend keine Streitaxt, hat aber sonst das Gleiche an und versucht Kirks Finger zu besteigen damit der endlich mal den Abgrund runterfällt. Man wünscht ihm fast schon Glück mittlerweile.

Sulu besiegt den Axtschwinger und den anderen und gemeinsam nutzen sie nun nicht den hochexplosiven Förderationssprengstoff um den Bohrer zu sabotieren sondern benutzen Gewehre. Warum hat das Schiff dann nicht einfach einen Photonentorpedo da hineingeschossen? Naja, was soll’s. Das Loch war eh tief genug, „rote Materie“ wird von Nero in das Loch geschmissen und Vulcan fällt in ein schwarzes Loch und wird zerstört. Mit 6 Milliarden Lebewesen darauf. Hoppla.

Den Zuschauer soll das wohl berühren (Dramatik wird deutlich gemacht, indem der Spock seine Mutter noch persönlich verlieren darf) und dann kann Uhura mit Minirock und tröste-den-Vulkanier-Kuß die Sache retten. 2 Minuten nach dem Abgang Vulcans wird ein bißchen gefoltert und Kirk von Spock von der Enterprise gefeuert und mittels einer Rettungskapsel auf einem Planeten voller Monster entsorgt. Die fressen sich dann irgendwie gegenseitig bei der Kirkjagd (Kirk kletterte mittlerweile einen Abgrund hinauf und fiel einen hinunter – Die Bilanz Kirk vs. Abhang also 3:1) und – hey, da ist ja Spock. Also der echte, Leonard Nimoy. Der verjagt so ein bißchen Obi-Wan mäßig das Monster und macht erst dann sein Gesicht sichtbar und erklärt die Hintergründe.

Hä?

Also, es geht hier darum, daß Spock versucht hat Romulus zu retten und gescheitert ist. Durch das Schwarze Loch sind er und Nero in der Zeit zurückgereist und Nero hat grad Vulcan zerstört um Spock seine Trauer nachempfinden zu lassen. Hä? Warum denn? Damit Spock in der Zukunft nicht mehr da ist um zu versuchen Romulus zu retten?

Naja, jedenfalls ist eines auch noch deutlich: Die Romulaner weichen optisch mal einfach komplett von den Star Trek Romulanern ab, sind tätowierte Glatzköpfe aus einem NPD-Werbespot, aber das nur so am Rande.

Auf dem Eisplaneten wohnt auch Scotty. Ein transwarpbeamender Spaßvogel. Irgendwie beamt der Kirk und sich zum anderen Spock, also sich erst einmal in ein zum Glück menschengroßes Wasserrutschensystem mit dem die Schiffe der Föderation neuerdings ausgestattet sind. Kirk macht den jungen Spock wütend (Der alte hat irgendeine „Bestimmung“ und ist deswegen im Eis geblieben  – Hä?) und wird deswegen Captain. Ein bis dato straffällig gewordener Kadett. Hmja.

Nun muß die Erde gerettet werden. Uhura hat wohl echt was mit Spock anscheinend, jedenfalls gibt’s da so ne Art Liebesszene im Transporterraum, was Kirk eifersüchtig macht. Oh Gott. Sie beamen (wahrscheinlich versehentlich) in eine Romulanermenge. Gut, seit fast 10 Minuten ist nichts mehr explodiert. Amerikanisch gehen beide heldenhaft durch den Feind. Nachdem es kein Problem ist mal die doofe Frage: Warum ist eigentlich weder Vulcan noch die Erde ein von Raumschiffen besuchter Planet? Ist die Enterprise das letzte und einzige Raumschiff der „irgendwo beschäftigten“ Raumflotte?

Naja, Spock rast jetzt mit dem „schnellsten Raumschiff aller Zeiten“ los und zerstört den Bohrer bevor er abhaut. Kurz drauf hängt Kirk mal wieder an einem Abgrund. Nebenbei schreit der Kampf über dem Abgrund sehr nach Star Wars – und die Lösung des Ganzen, ein kleines Schiff prallt gegen das große was es ausschaltet irgendwie auch. Arvel Crynyd lässt grüßen. Kirk beweist nun, daß das Niedermähen von Feinden eine gute Idee ist und gleich darauf rettet sich die Enterprise indem sie mit einer Reihe von Warpkernen ein Schwarzes Loch in die Luft jagt. Warum damit nicht einfach das Feindschiff sprengen, so ca. eine Stunde vorher?

Leute, der Film ist schlecht und eine Katastrophe. Aber vor allem ist er ein Alarmsignal. Warum? Das verrate ich vielleicht in der nächsten Ausgabe.

Endbilanz:

  • Kirk hängt geschlagene fünf mal an einem Abgrund
  • Kirk besteigt eine Grüne Außerirdische und guckt Uhura zweimal unter den Rock
  • Kirk wird dreimal verprügelt und gewinnt am Ende immer durch Vater Zufall
  • ich habe 21 Szenen entdeckt – beim ersten Mal ansehen – die direkt oder indirekt platter Diebstahl an Konkurrenzprodukten sind, am häufigsten Star Wars, Wing Commander und Starship Troopers, aber als Vorbild müssen eine Menge Sachen herhalten – sogar Star Trek, könnte man sagen.
  • Phaser sind neuerdings Leuchtspurgeschosse abfeuernde Kanonentürme
  • JJ Abrams Kameramann war die meiste Zeit besoffen oder wie erklärt sich die Augenschmerzende Hektik der Kamera?
  • Wenn Star Trek draufsteht und was anderes drin ist liebt es das Publikum und vor allem Hollywood.