Von einer Medienkampagne

Kampagnen in den Medien sind ja ein Phänomen, das wir schon seit längerer Zeit beobachten dürfen. Nicht zuletzt die Nachdenkseiten schreiben immer mal wieder auf, wie die Medien gemeinsam an einem Strang ziehen, um ein gewünschtes Ergebnis zu fabrizieren. Eine paar Gedanken mit vielen Abschweifungen.

Das klappt nicht immer, aber doch meistens. Schön geklappt hatte die Strategie, die SPD klein zu halten bei der Bundestagswahl – erst hat man Steinbrück zum Kandidaten hochgeschrieben und wirklich alles getan, daß die SPD ihn aufstellt (und offen gestanden ist unser Spitzenpersonal im Umgang mit den Medien irgendwie… hm, sagen wir: ungeschickt), um ihn danach fröhlich in den Keller zu schreiben. Geradezu choreographiert agierten die Medien um sicherzustellen, daß eine ihnen freundlich gesonnene Regierung an der Macht blieb.

Weniger geklappt hat das in letzter Zeit in zwei Fällen: Dem unbedingten Überleben der FdP und im Falle von Guttenberg. Die FdP ist trotz der Rettungsversuche der Springermafia„journalisten“ an der 5%-Hürde gescheitert und Karl-Theodor zu Guttenberg mußte trotz Kampagne seinen nichtvorhandenen Hut nehmen und zurücktreten. Macht aber nichts, zu Guttenberg hat schon ein neues Tätigkeitsfeld gefunden. Ich weiß noch, wie der Kabarettist Urban Priol völlig entsetzt reagierte, daß ausgerechnet die Zeit dem gechassten Minister eine Plattform anbot. Das hängt damit zusammen, daß zu Guttenberg Mitglied der Atlantik-Brücke ist, eine Lobbyorganisation von Politikern, Wirtschaftsvertretern, Medienvertretern und anderen, und der Mitherausgeber der Zeit, Helmut Schmidt, dies ebenfalls ist. Ich empfehle mal die Liste der Mitglieder der Atlantik-Brücke zu lesen, dann versteht man so manche Zusammenhänge. Aber ich schweife schon wieder ab.

Keine Wahl
Egal wie die Abstimmung der SPD-Basis ausgeht: Verlieren wird die SPD so oder so. Stimmen die Mitglieder für eine große Koalition, so wird es heißen, daß die Sozen nur nach Posten streben und es ihnen nur um Macht gehe. Stimmt die Basis gegen die große Koalition, so sind die Sozialdemokraten Vaterlandslose Gesellen, die sich vor der Verantwortung drücken.

Um vorher schön Stimmung zu machen wurde der Druck aufgebaut, daß die SPD-Führung nicht zu halten sei, wenn die Abstimmung nicht in ihrem Sinne verlaufen würde. Zuerst gelesen habe ich das bei der Sueddeutschen Zeitung, aber ich weiß nicht ob sie auch Urheber des Gedankens ist. „[…] heißt es aus Parteikreisen“ kann ja alles Mögliche bedeuten.

Seither wird kräftig Stimmung gemacht. Sei es, weil Gabriel die Ministerposten vorher nicht verraten möchte, sei es, daß die Mitgliederbefragung den Fernsehbürger verärgern soll oder sei es, daß man die Legitimität der Befragung an sich anzweifelt – hauptsache Stimmung. Dazu passt auch das berühmte Gespäch zwischen Gabriel und der ZDF-Journalistin Slomka:

Schön fasst das Handelsblatt zusammen, welchen Effekt die langen Verhandlungen haben und offenbar auch haben sollen: Hauptsache, die kommen endlich mal zu Potte. Das erinnert so ein bißchen an die erste Wahl von George W. Bush in den USA: Die Leute waren am Ende schlicht froh, daß sie einen Präsidenten hatten. Das ewige Gezeter um die Frage nach der Legitimität der Wahl ging den Menschen eher auf die Nerven.

Selbst die Konservativen springen mittlerweile Gabriel bei, zuletzt auch in der Sueddeutschen, ansonsten sind sie brav und still. Amüsant ist es, daß die Konservativen im Moment so stillhalten – zumindest bis man den Koalitionsvertrag gelesen hat und bemerkt, daß eigentlich die CDU die lachende Gewinnerin der Verhandlungen ist.

Verfassungsrechtlich unbedenklich
Was Frau Slomka und auch einige andere Kritiker am Mitgliederentscheid zu konstruieren suchen ist ja die Beeinflussung der Abgeordneten wider ihr Gewissen. Das ist aber – ich habe es gestern schon geschrieben – eher im Koalitionsvertrag drin. Das Mitgliedervotum beauftragt auch nicht die Abgeordneten, Frau Merkel als Kanzlerin zu wählen oder es zu lassen sondern lediglich, ob die Partei das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen trägt oder eben nicht. Unterstützt die Partei die Koalition nicht, so kann die SPD-Parteiführung eben keine Regierung mit der Union bilden, dennoch können die Abgeordneten, wenn sie das für richtig halten, Frau Merkel wählen. Vielleicht für eine Minderheitenregierung?

Normalerweise entscheiden schlicht die Parteioberen und die Delegierten, was mit dem Wahlergebnis zu machen ist, welches das Wahlvolk bei der Bundestagswahl abgegeben hat. Nun hat eine breitere Gruppe halt eben die Chance, mitzureden. In aller Regel läuft eine Wahl doch so ab:

  1. Die Wählerinnen und Wähler der Bundesrepublik Deutschland wählen ein Parlament
  2. Da im Parlament normalerweise keine Partei 50% der Sitze hat, muß eine Koalition gebildet werden. Schon diese entspricht nur bedingt dem Wählerwillen, eine Koalition stellt aber im Idealfall einen Kompromiß aus dem Willen der Mehrheit der Wähler dar.
  3. Nach Verhandlungen der jeweiligen Parteispitzen wird ein Koalitionsvertrag beschlossen.
  4. Der Koalitionsvertrag wird von den Parteitagen abgesegnet (oder abgelehnt), mithin also von den „Parteiparlamenten“. Die Delegierten der Parteitage werden von der Basis gewählt, die direkten Vertreter der Parteibasis stimmen also über den Vertrag ab.

Der einzige Unterschied ist eben nun, daß es kein Parteitag, sondern ein direktes Abstimmen ist. Eben mehr Demokratie, mehr direkte Demokratie. Das Bundesverfassungsgericht stützt das nebenbei auch, der Eilantrag, der da gestellt wurde, wurde abgelehnt. Daß der Union das nicht schmeckt ist klar – Demokratie ist halt lästig. Aber sie ist auch den Medien lästig und suspekt – steht bei einer Partei ein einzelner Kandidat zur Verfügung (kann auch eine Kandidatin sein), so ist das eine „Wahl“, sind es zwei für den gleichen Posten, so schreibt man von einer „Kampfabstimmung“, welche sofort nach Zwietracht klingt und so etwas mag der Deutsche Wähler ja nicht. Wenn Parteien um den richtigen Kurs ringen, diskutieren und mitunter auch recht lebhaft streiten; letztlich Mehrheiten suchen um dann darauf basierend einen Kurs festzulegen, so fallen sie in der Wählergunst sofort deutlich ab. Hm, schon wieder abgeschwiffen…

Ein bißchen Mehr an Demokratie könnte uns nicht schaden, seit einigen Jahren beobachte ich zunehmend beunruhigt, daß die demokratischen Institutionen und Entscheidungspunkte durch eher an feudale Zeiten erinnernde Clubs und Treffen von Entscheidungsträgern ersetzt werden und das Parlament eher zu einer Versammlung von Nicknegern herabgestuft wird. Das mag im Sinne von Angela Merkel sein, aber es liegt sicher nicht im Interesse von uns Bürgern. Da können die Medien, die abhängigen und die vermeintlich nicht so abhängigen (wie carta e.V. zum Beispiel, wie in diesem Beispiel im Grunde sehr lesenswert…) noch so sehr dagegen blasen: Ich werd mich von Euch sicher nicht manipulieren lassen.

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Fundstück der Woche (06.KW): Gefällt mir!

Zu Guttenberg wollte ich ja nichts mehr schreiben. Tu ich auch nicht. Das Bild der Facebook-Seite „Wir wollen Karl-Theodor zu Guttenberg zurück“, das ein weiblicher Fan anläßlich des Geburtstags des Barons bereitgestellt hat, spricht für sich:

Foto "Team zu Guttenberg"

Man müsst ihn ja eigentlich ignorieren….

… aber der Erlöser ist zurück. Also der Erlöser der einfachen und wenig gebildeten Menschen. Der Mann, der seinen Doktortiltel aberkennen „ließ“ (sic!), damit jeder sehen konnte, daß das Heft des Handelns in seiner Patschepfote blieb. Der Blender und Verführer ist zurück – und gewohnt genial im Umgang mit den Medien.

Man kann über Karl-Theodor zu Guttenberg ja vieles sagen. Zum Beispiel daß er ein als Minister, egal ob als Wirtschafts- oder als Verteidigungsminister komplett versagt hatte. Man müßte aber fairerweise dazu sagen, daß das verdammt gut aussah, denn es gab tolle Photos davon. In Anlehnung an einen anderen Spruch könnte man auch von „Mieser Arbeit, aber mit geiler Grafik“ sprechen.

Guttenberg hat es, nicht zuletzt zum Neid seiner Gegner, tatsächlich geschafft den Nimbus der Anbetung um sich herum zu erhalten obwohl er in Wahrheit buchstäblich nichts auf die Reihe gebracht hatte. Als Wirtschaftsminister bei der Opel-Rettung, noch zu Zeiten der Großen Koalition, hat er dem Gegenteil dessen zugestimmt was er propagiert hatte. Gut, werden sich viele sagen: „CSU halt. In Bayern dagegen, in Brüssel dafür.“ Stimmt, so betrachtet war es konsequent. Trotzdem bleibt, daß KTzG buchstäblich nichts anderes getan hatte, als einzuknicken. Solange er das tat durfte er sich als „Widerstandinator“ aufspielen.
Als Verteidigungsminister und Erbe des auf Befehl der Oberkommandierenden in Kriegszeiten zurückgetretenen Ministers Jung nun hat er die Bundeswehrreform in Angriff genommen und die Wehrpflicht ausgesetzt. Angesichts der Tatsache, daß die CSU da immer schon dagegen war weils um das Land herum nur Russen und im Land nur Kommunisten gibt, tatsächlich eine beachtliche Leistung. Aber real war’s dann doch wieder Blendwerk: Sein Nachfolger Thomas de Maizière bescheinigte dem Reformwerk ziemliche Stümperei – auch wenn das natürlich sofort und umfassend dementiert wurde. Tatsächlich ist die Geschichte Stückwerk – der Ersatz des Wehrersatzdienstes kommt jedenfalls nicht so recht in die Gänge was nicht weiter verwundert, wünscht doch die gleiche Regierung daß man mit 17 bereits ein abgeschlossenes Studium und 15 Jahre Berufserfahrung mitbringt, um als Single flexibel für den Arbeitsmarkt 500km pendeln zu können. Da kommt Dienst an der Gesellschaft irgendwie nicht vor.

Nun also droht ein Comeback, wie der ProGuttenbergBlog begeistert veröffentlicht (auch wenn er in seiner flammenden Begeisterung irgendwie das Gegenteil dessen schreibt, was er vor drei Tagen schrieb. Guttenberg habe sich entschuldigt, sei zurückgetreten und habe daher ein Recht auf Rehabilitation. Der Vorstand des Netzwerk Recherche habe betrogen, sich entschuldigt, sei zurückgetreten und der Nachfolgende Vorstand war im Amt als die Jury den Leuchtturm an die FAZ vergab. Das wirft natürlich ein bezeichnendes Licht auf den Preis, die Jury und ihre „linke“ Haltung. Ich hab selten so sehr lachen müssen als bei diesem kurz hintereinander erfolgten Beweis für die Redlichkeit der Verteidiger…).
Die Meisterschaft des „Platitüden-Barons“ (Priol) im Umgang mit der Presse zeigt sich aber wieder einmal in der Inszenierung des Mannes. Zufällig ein paar Tage vor Erscheinen seines Buches wird ein Interview geführt was zufällig die deutsche Presse bemerkt, woraufhin zufällig die ZEIT, ausgerechnet, die Kampagne startet um das Buch ihres Chefs zu verkaufen. Zufällig ereilt den Buchveröffentlichenden auch ausgerechnet in diesen Tagen das Urteil und zufällig darf er fürs kopieren NICHT wie ein gewöhnlicher DvD-Brenner („Noch viermal singen„) büßen, sondern öffentlichkeitswirksam die deutsche Krebshilfe unterstützen („KTzG – er hat ein Herz für Krebskranke Kinder“). Begeistert wirkt die Presse positiv wie negativ mit und schon stehen heute um 10:09 Uhr volle 7 (Sieben!) Artikel zu zu Guttenberg auf Sueddeutsche.de. Dafür mußte die NSU 10 Menschen abknallen und mutmaßlich Selbstmord begehen.

Die Bildzeitung schießt, wie immer, den Vogel ab indem sie das Interview und das Buch betitelt mit „zu Guttenberg rechnet mit sich ab“ – also gleich wieder am Nimbus des Heft-in-der-Hand-Halters schraubt. Finanzkrise, Regierungskrise, Nazi-Terror? Alles plötzlich Seite 5, der Erlöser ist da. Und ob es nun seine Gegner sind, oder seine Befürworter: Ein jeder schreibt einen Artikel dazu, oder auch zehn. Selbst ich.

Da bleibt nur Kopfschütteln.

Von der Publizistik….

Haben Sie schonmal eine Gespensterreise nach Edinburgh gemacht? Ich nicht, war aber schon zwei- oder dreimal da und hab natürlich auch so eine Ghost-Tour mitgemacht was ziemlich lustig ist. Finden wohl auch andere, zum Beispiel die Sueddeutsche, der Spiegel und die Frankfurter Rundschau. Und weil das so einmalig ist kann man dafür anscheinend auch immer nur die gleichen Worte finden…

Heute halten wir mal drei nicht als Anzeige gekennzeichnete Artikel nebeneinander: Aus der SZ, der FR und von SPON. Keines der drei Angebote weist den Text als Marketing-Text aus, auch wenn man unter „Reise“ ja letztlich nichts anderes erwartet. Vergleichen wir doch mal ganz kurz Anfang und Ende der Artikel um einen EIndruck zu bekommen….

SZ-Online FR-Online SPON
15.10.2010, 10:04 22.10.2010 12.10.2010
Schon lange hat sich keine mir unbekannte junge Frau mehr hilfesuchend an mich geklammert. Neulich aber ist es passiert, sogar zweimal hintereinander. Ich muss zugeben, es geschah eher zufällig, weil ich gerade neben ihr stand, und ist mit einer akuten Schrecksituation zu erklären: Wir befanden uns auf einer Geisterjagd durch die Unterwelt der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Schon lange hat sich keine mir unbekannte junge Frau mehr hilfesuchend an mich geklammert. Neulich aber ist es passiert. Ich muss zugeben, es geschah eher, weil ich gerade neben ihr stand, und ist mit einer akuten Schrecksituation zu erklären: Wir befanden uns auf einer Geisterjagd durch die Unterwelt der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Schon lange hat sich keine unbekannte junge Frau mehr hilfesuchend an mich geklammert. Neulich aber ist es passiert. Es geschah zwar zufällig, weil ich gerade neben ihr stand, und war durch einen riesigen Schreck zu erklären: Wir befanden uns auf Geisterjagd durch die Unterwelt der schottischen Hauptstadt Edinburgh.
[…]Es geht auf Mitternacht zu, als wir unsere Jagd unverrichteter Dinge abbrechen. Liz verabschiedet sich von uns allen persönlich. Als sie nach mir die Tür schließen will, weise ich darauf hin, dass hinter mir noch jemand kommt. „Nein, nein“, entgegnet sie. „Sie waren die ganze Zeit der Letzte, da hab‘ ich drauf geachtet. Sehr mutig!“ Die Tür fällt ins Schloss. Für einen Augenblick bleibe ich noch stehen, dann schlage ich den Mantelkragen hoch und strebe dem nächsten Pub zu. Die Nächte können kalt sein in Edinburgh. […]Es geht auf Mitternacht zu, als wir unsere Jagd unverrichteter Dinge abbrechen. Als Liz nach mir die Tür schließen will, weise ich darauf hin, dass hinter mir noch jemand kommt. «Nein, nein», entgegnet sie. «Sie waren die ganze Zeit der Letzte, da hab‘ ich drauf geachtet. Sehr mutig!» […] Es geht auf Mitternacht zu, als wir unsere Jagd unverrichteter Dinge abbrechen. Liz verabschiedet sich von uns allen persönlich. Als sie nach mir die Tür schließen will, weise ich darauf hin, dass hinter mir noch jemand kommt. „Nein, nein“, entgegnet sie. „Sie waren die ganze Zeit der Letzte, da hab‘ ich drauf geachtet. Sehr mutig!“
Die Tür fällt ins Schloss. Für einen Augenblick bleibe ich noch stehen, dann schlage ich den Mantelkragen hoch und strebe dem nächsten Pub zu. Die Nächte können kalt sein in Edinburgh.
(Christoph Driessen, dpa/dd) (dpa/tmn) Christoph Driessen, dpa

Toll, nicht wahr? Immerhin, die Urheberschaft wird schon noch genannt, wenn auch nicht bei der FR. Aber nachdem mir das aufgefallen war dachte ich, ich goolge mal den Einstiegstext und siehe da, man findet das Ding auch bei Merkur Online (5.10.2010, Christoph Driessen, dpa), N-TV Online (24.10.2010, dpa), N24 Online (05.10.2010, Christoph Driessen, dpa, N24) und, hier aber als Reisebericht der dpa deutlich gekennzeichnet, bei Traveling World (ohne Datum, Christoph Driessen, dpa).

Ich frage mich, was das so einbringt seinen Text nicht nur vielen Medien anzubieten (was ja normal wäre) sondern den Medien auch zu gestatten sich selbst als Urheber drunter zu setzen nachdem sie ihn leicht verfremdet haben. Immerhin ist Herr Driessen ja durchaus eine respektable Persönlichkeit, oder?

Heute große Demo? Mal sehen…

Am heutigen Tage dieser Republik werden sich, so ist der Plan einer Facebook-Gruppe, eine große Mehrheit der Deutschen in 22 19 Großstädten treffen und für die Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg demonstrieren. Soweit der lustige Plan.

Warum der Plan lustig ist? Na weil das gar nicht funktionieren kann – nach der Entlassung als Minister und vor allem der Rückgabe des Bundestagsmandates kann er als Abgeordneter erst nach der nächsten Wahl wieder ins Parlament kommen. Aber er passt sehr gut zu dem, was man auf seinen diversen Fanpages lesen kann. Diese Bewegung will ich mir nun ein bißchen näher ansehen und dann auch mal auf sinnige und unsinnige Vergleiche kommen.

Der Ahnungslose Fan
Ein nicht unerheblicher Teil der Anhänger von zu Guttenberg ist in der Regel apolitisch. Die Leute sind nicht hauptsächlich mit politischen Themen befasst und wenn dann eher auf der Schlagzeilen-Ebene; Die Zeitungständer, die überall herumstehen und die Schnipsel, die man in den Mickey-Mouse-Nachrichten auf Sendern wie Pro7 oder RTL zu sehen bekommen genügen in der Regel ja, um einem den Eindruck zu vermitteln man bekomme vom tagesaktuellen Geschehen einiges mit und sei „relativ gut informiert“.

Sehr schön zeigen dies die Mitglieder der diversen Facebook-Gruppen. Ich habe hier mal Exemplarisch vier Beispiele herausgegriffen, es finden sich beliebig weitere. Wenn Sie auf Facebook sind, können Sie diese Gruppen hier, hier und hier finden.

Hier sagt ein gewisser Martin Schumacher, daß er es enttäuschend finde, wie diese „Akademia-Spiesser“ selbstzerstörerisch mit „Leistungsträgern“ in Deutschland umgehen. Aha. Gemeint ist vermutlich das Stammtischbekannte „heit kaff ma uns an G’Studierden!“. In der Regel nennt man dergleichen Sozialneid, aber lassen wir das…
Hier machen sich gleich zwei Herren Luft, sehr heftig sogar. Alex Klein beklagt eine „gleichgeschaltete Presse, Elfenbeinturmakademiker und eine scheinheilige Berufspolitikerkaste“ und bedient sich dabei so ziemlich jeder linken Anarchistenrehetorik der letzten 20 Jahre. Guttenberg wurde als „Hoffnungsträger“ demontiert, „weil er eine Gefahr war“. Das finde ich interessant weil hier der Effekt eintritt daß der Berufspolitiker zu Guttenberg offensichtlich mehr als Bunte-Sternchen wahrgenommen wird. Und hier beginnen ernsthafte Zweifel aufzutauchen…
besonders gelungen: Aufruf zu einer Straftat, nämlich Mail-Bombing. Es gibt ja keinen erkenntbaren Zweck der Mails, es geht drum die elektronischen Postfächer zu überfüllen. Das spricht für den Diskussionswillen der Beteiligten…
Hier zeigt sich gleich in mehreren Beiträgen dann das ganze Ausmaß der Ahnungsfreiheit. „Jeder“ habe ja schlicßlich schon einmal „irgendwo abgeschrieben“. Den Leuten ist gar nicht bewußt, worum es ging – oder es ist ihnen egal. Was das mit einem Wissenschaftsstandort, der nichts hat an Ressourcen außer der Qualität seiner Akademiker und Schüler, anrichtet ist dem gemeinen Konservativen scheinbar völlig egal. Dabei bin ich mir nicht einmal sicher ob das da wirklich klassische „Konservative“ sind. Gerade der Post von Nadine Melanie zeigt eher, daß sie mit Sicherheit mehr Bilder von zu Guttenberg kennt als Reden oder Programme. Über die Forderung, daß eine Uni zurücktreten soll spreche ich lieber gar nicht weil das selbsterklärend ist….

Diese Auswahl ist sicherlich nicht repräsentativ, aber symptomatisch. Ich kann jedem Empfehlen sich die Pinnwände der betreffenden Facebook-Gruppen anzusehen und sich selbst ein Bild zu machen. Seit einiger Zeit geistert durch das Netz auch dieses Video, daß mir ebenso symptomatisch erscheint:

Es ist zugegebener Maßen nicht wirklich einfach, sich diese Dame 11 Minuten lang anzutun aber tatsächlich zeigt sie sehr schön, worin das eigenartige am Phänomen Guttenberg liegt: Man weiß gar nicht wofür er steht.

Von unpassenden Vergleichen
Eines vorneweg: Ich verabscheue Nazi-Vergleiche. Sie stellen in jeder Hinsicht ein Versagen in der Diskussionskultur dar und in der Regel den Moment, in dem eine Diskussion abgleitet. Man nennt das Godwin’s Law. Tatsächlich ist dergleichen auch immer ein Zeichen für Argumentemangel.

Gerade aber Argumente fehlen den Anhängern des zu Guttenberg aber grundsätzlich. Zeit seiner Karriere habe ich nicht verstanden was der Hype um den Mann herum soll – weder als Wirtschaftsminister, noch als Verteidigungsminister ist er mir durch irgendeine Großtat besonders aufgefallen, eher im Gegenteil. Skandal reihte sich an Skandal, Lüge an Lüge und Fehler an Fehler. Das war nichts weiter ungewöhnliches, man sah einem Konservativen halt beim regieren zu.

Beispiel gefällig? Guttenbergs einzige Leistung als Wirtschaftsminister – und das wird tatsächlich als Leistung verstanden – war gegen einen Plan der Kanzlerin zu sein, zu sagen, er würde zurücktreten wenn sie ihm nicht folge und dann zu erklären, er habe in dem Plan der Kanzlerin, der 1:1 umgesetzt wurde, seine „abweichende Haltung wiedergefunden“. Für sowas heißt man als Sozialdemokrat „Lügilanti“

Der Maßstab bei Guttenberg ist ein anderer. Ein Großteil der Fans wird seltsam still wenn man das Argument „Er hat doch einen tollen Job gemacht“  mal hinterfragt. Die Dame von dem Video da oben war ja nicht unbedingt eine intellektuelle Höhenfliegerin, aber dennoch ist das eines der schönen Beispiele dafür, daß es nicht um Argumente geht sondern daß eine gewisse Gruppe versucht daraus eine Neiddebatte zu machen.  Und der Versuch zu erklären, daß es nicht um Neid, um Ablehung, um Haß und sonst irgendwas geht, sondern schlicht um eine praktisch nicht tragbare Situation prallt ab. Die Leute hören nicht zu. Ich selbst war auch nicht unbedingt der Ansicht, daß er deswegen zurücktreten hätte müssen, im Gegenteil, als Beispiel für einen „ehrbaren Konservativen“ wäre er für meine Begriffe ideal in dem Amt gewesen.

Nun zieht ein inzwischen berüchtigter Artikel gleich einen Vergleich zwischen Hitler und zu Guttenberg. Das ist provokant und ideel sicher daneben. Aber einige der Thesen sind sicher nicht falsch. Die Erregung über den Artikel hat in der Regel etwas damit zu tun, daß kaum einer über die Schlagzeile hinaus guckt – und daß eine Bewegung oft mit dem Äußeren verbunden wird und nicht etwa mit dem politischen Inhalt. Unreflektiert, unpräzise und vor allem ahnungsbefreit und ich frage mich echt, warum?

Vergleichen kann man den Schaum vor dem Mund mancher Anhänger allerdings vielleicht mit der Reaktion der Fans von Kaiser Franz Beckenbauer, wenn jemand wie die Titanic da etwas gemeines tut.  Zur Erinnerung: Titanic hatte seinerzeit im Namen des Büros von Franz Beckenbauer gefälschte Bestechungsbriefe an die Mitglieder des FIfa-Ausschusses geschickt und so die Entscheidung zugunsten von Deutschland herbeigeführt. Daraufhin rief die Bild-Zeitung dazu auf, bei Titanic anzurufen und der Lemming-Zug setzte sich in Bewegung. Titanic hatte die Anrufe der Bild-Leser mitgeschnitten – da mein Titanic-Abo älter ist als mein Internetanschluß habe ich das noch auf CD. Inzwischen gibt es die Anrufe aber auch auf Youtube in drei Teilen und Titanic macht sowas seither öfter….

Die große Demo
war dann so groß nicht. Ich war jetzt nur eine dreiviertel Stunde da, etwa dreihundert Menschen tummelten sich auf dem Rindermarkt in München und es war eine nicht unerhebliche Menge an Spaßdemonstranten dabei.

Da fragt man sich schon, wie bedeutungsvoll diese vermeintliche Bewegung ist, die besonders die Bild-Zeitung zum „Aufstand im Internet“ hochgejubelt hat. Gut, ein Klick ist schnell gemacht und Heidi, das schielende Opossum hat viermal so viel Fans wie Angie, die schielende Kanzlerin aber dennoch blieb ein gewisses Potential da das sich vor allem die Fans wohl erhofft hatten. Ich bin sehr gespannt ob bis heute Abend gegen 17 Uhr noch mehr kommen oder ob sich das ungefähr bei 300 Leuten einpendelt.

Fazit?
Was bleibt einem als Fazit zu schreiben? Zum Einen daß es besorgniserregend ist, inwieweit es den Menschen egal ist, was bestimmte Werte zu bedeuten haben. Zum Zweiten sicherlich, daß die Deutschen eine gewisse Demokratiemüdigkeit mitbringen, die „Lichtgestalten“ zu dem machen will was sie nicht sind. Das ist allerdings nicht nur die Schuld dieser Leute sondern allen voran ein Versagen der deutschen Politik vom Bürgermeister eines 100-Seelen-Dorfes bis hin zur Kanzlerin. Denn wenn Sie die Leute mal ernsthaft fragen, ob sie an unsere Demokratie glauben erstaunt doch immer wieder die Antwort: „Nein.“ Die Begründung liegt meistens darin, daß die Menschen die Politik als korrupt, abhängig von Lobbyisten und abgehoben wahrnehmen, nicht aber als Dienerin des Volkes. Das aber wäre ihre Aufgabe gewesen.

Aber es gibt auch eine dritte Sache, die nachdenklich stimmt. Die Menschen wehren sich gegen Medienmanipulation – so verstehen sie den Schildern nach zu urteilen die manche hochhielten die Guttenberg-Kampagne der „linken Hetzpresse“ – und lassen sich zu diesem Zweck bedenkenlos von den Medien, in dem Fall Bild und Bunte, manipulieren. Somit ist Manipulation okay, wenn sie von der richtigen Seite kommt?

Und ein letzter Gedanke überfällt eher rückwirkend noch meinen Artikel: Die Hetze von Seiten der Bild, aber auch von Seiten der vielen Fans des Barons führt zu einer ganz seltsamen Melange von Sarrazin-Anhängern und Guttenberg-Lemmingen, wenn ich den Ausdruck gebrauchen darf. Diese Leute verstehen sich als „Opfer“ eines linken Mainstreams, der ihnen aufgezwungen sei und verhindere, daß man die „Wahrheit“ sagen dürfe. Und das ist tatsächlich nicht ganz ungefährlich – denn das macht für Manipulation besonders anfällig.

 

 

 

 

 

 

Ist das eigentlich ein Scherz..?

Im kaufmännischen Alltag der Internetplattform Amazon wurde schon vor einiger Zeit erkannt, daß man die Rezensionenfunktion zur politischen Agitation benutzen kann. Das ist besonders gut unter dem HetzSachbuch von Thilo dem Sarrazenen zu beobachten, nun gibt es auch köstliche Rezensionen unter der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg.

Hier finden Sie die meiner Ansicht nach gelungenste, weil sie humorvoll und stilistisch gut ist – und vor allem ohne Häme auskommt. Und das fällt vielen scheinbar schwer was viel über diese Leute aussagt.

Aber eines muß man schon fragen: Hat Amazon Humor?

Haben Sie es gesehen? Genau, der Herr zu Guttenberg wird nur als Herausgeber, nicht aber als Autor tituliert. Warum?

Ist schon krank….

…. wenn man mal drüber nachdenkt:

Es gibt eine sehr schöne, personelle Verbindung zwischen Springer und Guttenberg. Anscheinend. Wenn das zutrifft, und zumindest in der einen oder anderen Weise wären da Zweifel im „historischen Teil“ des Artikels zu sehen, wäre ein weiterer Beweis erbracht daß unser gesamtes Staats- und Wirtschaftsgefüge, na sagen wir mal, eine Illusion ist. Man könnte von Lüge sprechen. Bleibt die Frage, ob das eine geplante oder eine entwickelte Lüge ist.

Verfolgen Sie unbedingt die Leserbriefe/Kommentare: Dort nimmt der Cousin zu Guttenberg Stellung.