Das Schlagzeilen-Spiel

Wie gestern angekündigt werde ich nun ein kleines Spiel spielen. Die meisten Menschen lesen ja kaum mehr eine Zeitung richtig, zur Meinungs“bildung“ und Information tut es ja inzwischen die Überschrift, vielleicht noch der Teaser. Die Welt der Kurzmitteilungen.

Vielleicht sollte man das ja mal tatsächlich machen. Einfach mal nur die Schlagzeilen nehmen und sich mal kurz überlegen, was da für eine Geschichte des Tages dahinter steckt. Das Schlagzeilen-Spiel eben.

Das funktioniert so: Ich lade ein paar Schlagzeilen der Zeitungen hoch, die ich an den Zeitungsständern auf dem Weg zur Arbeit vorfinde. Betrachten wir anschließend die wunderbare Zusammenstellung, dann denken wir uns eine Geschichte aus. Ich freue mich über Kommentare und Vorschläge.

CAM00317 CAM00318Die Bilder sind vom 7.10.2013. Die BILD-Zeitung berichtet davon, daß ein Körper gefressen wird, die TZ hilft aber weiter. Nett, oder?

Werbeanzeigen

Wie das mit der Überschrift funktioniert…

Die meisten Menschen lesen im hektischen Alltag ja inzwischen nur noch Schlagzeilen und Teaser, selten mehr. Daher sind diese Zeilen nicht nur ein Verkaufsargument, sondern auch meinungsbildend. Leider. Manchmal ist es aber witzig – so habe ich mir vor einiger zeit mal ein Schlagzeilen-Spiel ausgedacht, das ich morgen anfangen werde. Heute aber mal das Thema Stimmungsmache.

Als die GdL 2007 streikte und die Bahn tatsächlich halb aus der selbigen warf, hatte die Bevölkerung mehrheitlich Verständnis dafür, auch wenn die Deutsche Wirtschaft ziemlich sauer war. Immerhin forderte die GdL unglaubliche 31% mehr Lohn. Und die Wirtschaftsbosse waren völlig geschockt, daß die Bevölkerung das in Ordnung fand. Immerhin hatte sich der Vorstand der Bahn selbst eine bescheidene Gehaltserhöhung damals (2006) bewilligt – um 62%. Ganz ohne Streik!

Nun ist es aber scheinbar aus mit dem Verständnis, auch weil es bei dem Streik um erheblich mehr geht. Nämlich um Macht. Will man aber den Ruf als Gewerkschaftsfreundliche Zeitung wahren (Sofern es nicht um die eigenen Drucker geht), muß man sich mit Überschriften ein bißchen was überlegen.

Dabei kommt dann gerne mal raus: „Stehe völlig dahinter, auch wenn ich betroffen bin!“ Nun, mal sehen. Im Video werden ein paar Personen befragt. Die sind in dieser Reihenfolge:

  • besorgt (Vater der nach NRW will), „eine Katastrophe“
  • kein Verständnis (Frau die andere Schichtler für bescheidener hält)
  • steht dahinter (Mann der betroffen ist, aber zu den Lokführern hält)
  • ist sauer (immerwährende Loks, äh, Streiks)
  • kein Verständnis (Mann der sich persönlich bestreikt fühlt)
  • Verständnis (Jeder darf mal streiken, warum nicht die auch?)
  • kein Verständnis (will nicht mit so viel Plebs in Notzügen fahren)

Wir fassen zusammen: Zwei Reisende finden das okay, vier nicht. Macht 1/3 der Befragten. Ist nicht gerade repräsentativ, aber was soll’s? Die Überschrift ist es nämlich auch nicht.

So macht man Stimmung. das geht auch mit Bildern. Was ich über die Befragten denke mache ich mal mit einem Screenshot aus dem Video deutlich, Sie dürfen raten:

Screenshot SZ.de😉

Vergaloppiert, Sueddeutsche?

Manchmal ist ja Fußball durchaus eine das Herz bewegende Sache. Beispielsweise wenn eine Underdog-Mannschaft einen Favoriten schlägt. Oder ein „Wir“-Gefühl entsteht, weil ein Mann einen Ball gut bewegt hat und zufällig den gleichen Paß in der Tasche hat wie man selbst.

Manchmal geht das Ganze aber in eine ziemlich absurde Heldenverehrung über. Dieser Text der Sueddeutschen Zeitung zum Beispiel – geradezu erschreckend.

Mal ganz davon abgesehen, daß ich Neuer auch für einen ausgezeichneten Torwart halte… was will uns der Autor Kneer mit diesem Schriftkonvolut voller schiefer Bilder sagen?
Daß die deutsche Nationalmannschaft gute Torwarte hatte und noch immer einen hat? Hm, das hätte es auch in einem Satz getan.

Aber diese Metaphernsammlung voller – teilweise, hm, sagen wir: seltsamer – Vergleiche und Bilder, von Torwarten als Übermenschen (sind die anderen dann Unter- na, Sie wissen schon) und als „blonde Siegfrieds„, von „korrosionsbeständig“ ist da immer die Rede und dem Autoren scheinen Männer aus Kruppstahl nicht mehr genug, Titan ist eben heute das was Kruppstahl früher war. Kneer würde ja auch den Teufel tun und noch ein „zäh wie Leder“ oder gar ein „flink wie Windhunde“ dazusetzen. (Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, daß ihm der Ursprung dieses geflügelten Wortes bekannt ist.)

Ganz zu schweigen von Begriffen wie „historischem Verdienst“ und „Macht ausstrahlen“ – bei einem Sportfest

Also, so rein sprachlich fällt einem hier auch ein „Sportlicher“ Vergleich ein: Stürmer.

Ein Scherz demaskiert….

Die Flut, die noch immer Teile Deutschlands im Griff hat (mittlerweile aber wieder in den Randspalten der Medien gelandet ist und vermutlich erst kurz vor der Wahl wieder auftauchen wird), ist zwar am sinken, aber das „Wir“- Gefühl, das teilweise erzeugt wurde, als wirklich alle lobenswert zusammenhalfen, treibt halt immer noch Menschen auf die Barrikaden.

Dazu zählt auch eine – wie ich stark vermute – Satireaktion, bei der einige Leute über die offizielle AntiFa Seite einen Aufruf zur Deichbeschädigung (Was bereits eine Straftat ist!) und zum befüllen des „Freibades Deutschland“ enthielt. Garniert war die ganze Sache mit dem Bild einiger vermeintlicher Linksautonomer, die eine Eimerkette zu einem Deich bildeten.

Gerade letzteres zeigt die Ernsthaftigkeit dieser Nummer an. Die liegt wohl irgendwo bei Null, mal ganz abgesehen davon, daß es schon an barbarische Blödheit grenzen würde, so einen Unsinn zu veranstalten. Nichtsdestoweniger klappte die mutmaßlich eigentliche Intention der Satiriker: Das Netz quillt über mit Haßparolen, Mordaufrufen und – natürlich – ausländerfeindlichen Parolen. Dankbar griffen vermeintlich seriöse Medien wie selbst die FAZ die Gelegenheit beim Schopfe, mal wieder über „die Gefahr von Links“ zu schwadronieren – im Vorfeld der Bundestagswahlen ein gutes Hilfsmanöver, um dem einfachen Konservativen, der zwischen Grünen und Anarchisten keinen Unterschied begreifen kann, eine Motivation zu geben.

Und die Leute springen drauf an – nicht alle, aber viele, wie man manchen Kommentaren durchaus entnehmen kann. Der folgende Kommentator hat vor lauter Schaum vor dem Mund schon gleich vergessen, wozu die Antwortfunktion eines Forums dient…

FAZ-KommentarSeltsam, nicht? Es wird aber noch besser. Um Tumbrl-Blog „Hochwassermob“ sind die besten Stilblüten des deutschen Mitmenschentums versammelt, das sich da so wunderbar im Geiste der christlichen Nächstenliebe zeigt. Da wird munter dazu aufgefordert, doch alle zu erschießen und damit die Deiche zu stopfen, Zwangsarbeiterlager einzurichten, KZs wieder zu eröffnen oder auch den Nichtdeutschen für ihr Nichterscheinen gedankt. Gut, aus der Zone sind sie ja auch rausgeprügelt worden, nicht wahr? Ja, gut, okay, stimmt nicht. Manche mußten auch mit den Füßen voran aus dem Osten gerettet werden….

Nun kann man über Geschmacksfragen selten streiten – sicherlich zeugt ein solcher Aufruf von eher schlechtem Geschmack – aber Katastrophen und schlimme Zustände haben schon immer Komiker dieser Art angezogen. Ich bin mir ziemlich sicher, daß der eine oder andere unter den jetzt empörten auch einen 9/11-Witz der Kategorie „American Airlines fliegt sie jetzt direkt ins Büro“ oder auch „New York hat viele Einwohner. Etwa acht Millionen und ein paar Zerquetschte“ erzählt haben. Ich wette, das würden diese Leute auch nicht auf Ground Zero tun. Oder nehmen Sie bei der Kandidatenrunde zu den Berliner Wahlen letztens die Antwort von Martin Sonneborn von der Partei die PARTEI auf die Frage: „Glauben Sie, daß die Angehörigen der Opfer der Mauerschützen Ihre Forderung [die Mauer wieder aufzubauen] witzig finden?“: „Nein. Es reicht ja, wenn wir das witzig finden.“

Man kann sich nun drüber streiten ob so etwas witzig ist oder nicht, Tatsache ist, so etwas ist menschlich und ganz normal. Das gibt und gab es bei jeder Katastrophe. Daß die Truppe, die diesen Unsinn fabriziert hat, bei der Gelegenheit auch bewußt das anarchistische Vokabular verwendet hat, hatte vermutlich den Grund, daß sie erproben wollten, inwieweit Staat und Medien darauf reagieren.

Das hat ja auch prompt geklappt. Daß die Gehirnamputierten von „PI-news“ darauf reagieren würden und das für voll nehmen war logisch, sogar ein Video haben sie auf Youtube hochgeladen. Ob in dem Zusammenhang die Formulierung „Breaking News“ ein Scherz war, weiß ich nicht, aber witzig ist er auf jeden Fall und hätte gut als Überschrift des „Bekennerschreibens“ gepasst.

Indymedia hat inzwischen nochmals eine Klarstellung gepostet – es ist und bleibt einfach ein infantiler Hoax, sonst nichts. Aber weil da irgendwie „links“ draufsteht sind die Innenminister sofort in den Alarmzustand versetzt worden. Das Dokumentationsarchiv hat dankenswerter Weise aufgeschrieben, daß es sich hierbei sogar um einen PR-Gag aus der rechten Szene handeln könnte. Nichtsdestoweniger fallen sich konservative Politiker und angeblich seriöse Medien in die Arme über dieses Geschenk, daß es „Deich-Chaoten“ gibt, die eine linke Verschwörung zur Vernichtung Deutschlands planen. Langsam aber sicher glaube ich, Hugo Müller-Vogg hat mit seiner alarmistischen Panikmache nicht alleine einen an der Waffel – die sind alle so….

Oh, einen habe ich noch, zum Abschluß. Den fand ich so treffend, den muß ich ihnen einfach zeigen. Er entstammt auch der Hochwassermobseite, diesmal von Seite 3:

schreibweise… ist „Schreibweiße“ nicht das Pendant der Druckschwärze..? 😀


Nachtrag: Wie die Sueddeutsche heute berichtet, greifen Verschwörungstheorien über absichtliche Dammsprengungen um sich. Man versteht es nicht…

Die Welt der Gegendarstellungen

Im letzten Spiegel (22/2013) erschien passend zur Titelgeschichte ein Artikel von Sven Becker über eine Sexarbeiterin, die als Carmen in Berlin einen unabhängigen Escort-Service anbietet. Dieser Artikel war nach Ansicht der betroffenen Frau derart daneben, daß sie sich zu einer Gegendarstellung hinreißen ließ, die es sogar in den Bildblog schaffte.

Nun lese ich den Spiegel wegen seiner enttäuschenden Unterordnung unter den neoliberalen Zeitgeist nur noch sehr selten, aber diese Gegendarstellung hatte mich dann doch dermaßen beschäftigt, daß ich den betreffenden Artikel gelesen habe.

Wie Carmen vermutet hatte, hat Sven Becker auch tatsächlich seinerseits eine Gegendarstellung im Spiegelblog veröffentlicht und beide Artikel tragen unter sich recht lebhafte Diskussionsbeiträge, die aber den sympatischen Zug der Sachlichkeit tragen. (Ein paar gestörte Trolle aus der christlichen Ecke versuchen zwar auch mitzupielen, werden aber artig ignoriert)

Das Politikfeld „Prostitution in Deutschland“ gehört zu jenen, mit denen ich mich bislang überhaupt noch nicht beschäftigt habe. Über das Thema weiß ich lediglich was über Medien vermittelt wird und gelegentlich in Unterhaltungsmedien wie Filmen oder Romanen.

Diesen Rückstand fange ich nun an, aufzuholen und erfreulicher Weise findet man dank der Links bei Carmen auch eine Menge über die Positionen verschiedener Verbände der Betroffenen sowie der Piratenpartei. Das Thema ist schwierig weil vieles tabuisiert ist und nach wie vor die Gesellschaft Prostitution öffentlich verdammt, während sie zeitgleich wie zu jeder anderen Zeit in der Geschichte der Menschheit völlig selbstverständlich praktiziert wird.

Was an den beiden Gegendarstellungen recht interessant ist, das ist zum Einen, daß Carmen Herrn Becker im Schreibstil m.E. nach um einige Jahre voraus ist – sie schreibt geschliffen und belesen, man merkt einfach ob sich jemand mit Literatur befasst oder nicht. Herrn Beckers Stil ist dagegen deutlich flacher, und das obwohl er damit sein Brot verdient. Ich finde das bemerkenswert.

Das aber eigentlich bemerkenswerte ist der Stil der Präsentation, den der Spiegel hier gewählt hat. Im Grunde wehren sich das Magazin und namentlich Herr Becker sowie Herr Reißmann gegen vermeintliche Falschbehauptungen, wobei hier nachgewiesener Maßen (Lesen Sie mal die Kommentare, insbesonder unter Carmens Beitrag den Kommentar von Kraven, 49. Beitrag) keine Tatsachen umgedreht worden sind – man muß den Text halt nur genau lesen. Das ist im Onlinezeitalter vielleicht ungewöhnlich aber noch schreiben Menschen mitunter richtig gute Sätze, die man genau und bis zum Ende lesen muß, um sie zu verstehen. Daher auch mein Stilkommentar im obrigen Absatz. Es scheint, Herr Becker hat da eine nicht ganz ausreichende Lesekompetenz.

Herr Becker wehrt sich nicht gegen den Vorwurf der tendenziösen Schreibe (mit den Worten: „Mit der restlichen Kritik von Carmen an meinem Text kann ich leben, auch wenn ich sie nicht teile.“), was ich im höchsten Maß beachtenswert finde. Scheint also tatsächlich so zu sein und genau darum zu gehen. Und tatsächlich: Betrachtet man die Seite mal ohne Werbung, bietet sich folgende Aufmachung der Gegendarstellung von Herrn Becker:

SpiegelblogInteressant, nicht wahr? Als Artikelbild wird weder der Autor, noch meinethalben ein Foto des strittigen Artikels oder aber des Artikels, um den es hier geht gebracht, sondern ein Screenshot von der Homepage von Carmen. Die Wirkung auf den Leser, zusammen mit der Überschrift „Bei der Wahrheit bleiben“ ist großartig gemacht, wenn auch alles andere als subtil. „Hure, bleib dem dem waste kannst!“, schreit mir der Spiegel hier hochseriös entgegen und setzt noch eines drauf: Die Subüberschrift ist mittlerweile entfernt, taucht aber noch oben in der Betreffzeile auf:

Spiegelblog 2„Eine Escort-Dame macht Politik: Bei der Wahrheit bleiben.“ Das ist faktisch nicht falsch, aber man sollte sich das schlicht mal auf der Zunge zergehen lassen.

Von daher hat sich für mich wieder einmal bestätigt, daß der Spiegel von einst nicht mehr existiert sondern längst zu einem tendenziösen Medium geworden ist, das sich ebenso wie ein Großteil der restlichen Journaille längst einer gewissen Gesellschaftsklasse andient in der Hoffnung, durch eilfertige Hofberichterstattung ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Da dienen die investigativen Geschichten, die sich manchmal ins Blatt verirren, wohl eher der Ruferhaltung. Schade.

Nachtrag: Einige Blogbeiträge zum Thema (Mit dank an die Hinweisgeber):

Manchmal ist es zum Lachen

Normalerweise schreibe ich ja nicht über das Blatt. Aber diesmal konnte ich es mir nicht verkneifen. Es gibt wohl kaum ein anderes Medium, welches sich derart penetrant mit dem Schüren von Ängsten bei Eltern beschäftigt, wie das Springer-Vorzeigeprodukt.

Bild und Facebook: Das ist eine Hassliebe, ähnlich wie generell das ganze böse Internet und die Bildzeitung als Verfechter der guten Sache. Man betrachte mal kurz folgende Schlagzeilen:

  • Facebook-Party auf Sylt eskaliert (21.5.2013)
  • Jugendlicher feiert Geburtstag: Randale bei Facebook-Party (31.3.2013)
  • Haus nach «Facebook»-Party verwüstet (11.2.2013)
  • Facebook-Party kostet 218 000 Euro (9.2.2013)
  • Trotz Warnungen! Jugendliche verwüsten Haus bei Facebook-Party (12.12.2012)
  • Erlangen verbietet Facebook-Party
  • Randale verhindert! Dresdner Polizei löst Facebook-Party auf

Insgesamt 150 Treffer bietet alleine der Begriff „Facebook-Party“ bei Bild.de. Was ein Zufall. Besonders das Verbot der vermeintlichen Krawall-Party (auch wieder so ein Begriff!) in Dresden liefert zig Artikel. Das machen natürlich auch andere unseriöse und seriösere Medien ganz gern. Je nach Kundschaft kann auch das Besäufnis von 60 Personen schon mal als „Facebook-Party“ gelten, auch wenn man das grad in Bayern sonst Volksfest nennt.

Der MDR brachte gestern, am 27.5., eine Meldung über „geschockte Eltern“. Sowas ist natürlich noch nie dagewesen, die 60er und 70er Jahre sind für das vorbildliche Verhalten ihrer Jugend ja schon öfter ausgezeichnet worden. Das sind heute oftmals dann die „geschockten Eltern“, aber wir wollen ja nicht nachtragend sein. Das werden wir lieber dann, wenn diese Generation, die uns ja immer erzählt hat, daß man vom fremden Mann keine Schokolade nehmen darf, auf eine Kaffeefahrt mitfahren…

Soweit so langweilig. Wo wollte ich eigentlich hin? Ach ja, die Aufbereitung bei Bild. Die funktioniert so:

Überschrift: Drama und entsetzen!

Überschrift: Drama und Entsetzen!

Unterschrift: Auch schon dabei?

Unterschrift: Auch schon dabei?

😉

Was mich eigentlich so fasziniert ist, daß es dieser „Zeitung“ gelingt, den Lesern den Link zu verkaufen, derartiges hätte es noch nie gegeben und sei letztendlich die Schuld von diesem neumodischen Facebook. Das dann mit Facebook-Werbung zu kombinieren ist eben lustig…

P.S.: Weils mir grad erst jetzt aufgefallen ist: Im Folgeartikel ist natürlich auch eine Klickstrecke mit schrecklichen Bildern zu sehen. Und die 15-Jährige (!), die dazu eingeladen hatte. Unverpixelt. Es lebe der Pranger.

Nein, ich mache ihn nicht aus

Eine konzentrierte Aktion mehrerer Online-Angebote von Magazinen und Zeitungen klappte mir gestern morgen überraschend einen Hinweis auf, der nicht nur überall gleich aussah und formuliert war, sondern der auch so ein bißchen an die Bettelhinweise Finanzierungsaufrufe bei Wikipedia erinnerte.

Ich benutze einen Adblocker. Das mache ich hauptsächlich deswegen, weil mich aggressive Werbung nervt und weil ich die Werbung ohnehin nicht beachte, weil ich einen Inhalt lesen will. Einer der Gründe, warum ich Focus nicht mehr aufrufe, selbst wenn mich der Inhalt interessiert, ist der, daß die Focus-Website mich dann geradezu aggressiv zum Facebookfreund machen will: Ein Popup-Fenster ploppt auf und möchte erst einmal beiseite geklickt werden, penetranter (und peinlicher!) geht es nicht. Grad, daß sie mir nicht noch einen Brief schreiben. Das machen manchmal Leute, zum Beipiel um Twitter-Kontakte zu finden.

Focus nervt

Werbung ist aber nicht nur dann besonders nervtötend, wenn sie als Popup aufploppt und mich am Lesen hindern will. Richtig furchtbar wird das Ganze, wenn sie auch noch Videos abspielt oder mich plötzlich mit irgendwelchen Melodien vollquäkt. Ganz zu schweigen davon daß solche Seiten das immer dann tun, wenn ich vergessen habe die Lautsprecher auszuschalten und mein Chef grad im Raum steht.

Besonders witzig finde ich Werbung, die irgendeine Flash-Anwendung im Dauerlauf abspielt und dabei die CPU so richtig voll beansprucht. Man hat dann gerne 7 Tabs offen und sucht verzweifelt in der Lärmkulisse nach dem Urheber, während der Rechner immer langsamer und man letztlich gezwungen wird, Flash manuell abzuschießen.
Dabei ist mir noch etwas aufgefallen: Seit ich den Adblocker nutze laden die Seiten schneller. Einfach weil der ganze Müll, den ich ohnehin nicht will, nicht mehr geladen werden muß.

Auch mag ich neben einem Text eigentlich ungern blinkende Hormonspiegel aufgeregt um meine Aufmerksamkeit betteln sehen – es stört beim Lesen. Kein Problem habe ich mit dezenter Werbung am Rand, was aber nicht heißt, daß ich sie beachten würde. Damit ich sie beachte ist die Werbung mitunter reichhaltiger als der Inhalt, wie dieser Unfall hier schön zeigt.

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Sie liegen im englischen Garten und lesen eine Zeitung/Zeitschrift Ihrer Wahl. Kurz darauf fahren um Sie herum drei LKW auf, deren Seitenflächen ein großformatiges Video abspielen, zeitgleich beschallen sie Sie mit 8000 Watt, damit Sie es auch hören. Natürlich drei verschiedene. Radfahrer kommen vorbei und legen Ihnen ungefragt ein Foto ihres Produktes vor die Augen. Hinter Ihnen spielt eine Kapelle einen Jingle ein, der im Krach aber untergeht, weswegen sie näher rückt und darum bittet, „geklickt“ zu werden.
Seien Sie mal ehrlich, liebe Online-Journalisten: Möchten Sie ihre Lebens- und Lesezeit so verbringen?

Grundsätzlicher Denkfehler der Medienwelt
Vielleicht liegt aber der grundsätzliche Denkfehler tatsächlich schon im Printbereich. Lesen Sie Anzeigen in Zeitungen oder Zeitschriften? Also ich höchstens die ganz Großformatigen, um herauszufinden ob sich da vielleicht noch irgendein Artikel versteckt. Manchmal wird die Werbung deswegen als Artikel getarnt, auch wenn das nach den Richtlinien des Pressekodex eigentlich unzulässig ist. Interessiert aber keinen, wenn es um Kohle geht.

Tatsächlich frage ich mich immer, warum Firmen eigentlich diese gigantischen Preise bei Printmedien zahlen, ich kenne niemanden, wirklich niemanden, der den Anzeigen mehr Aufmerksamkeit schenkt als jeder anderen Lesestörung. Kein Mensch guckt sich ernsthaft einen Werbeblock im Privatfernsehen an – die meisten zappen weiter oder gehen aufs Klo. Aber wenigstens kann ich das da machen – Onlineformate wollen mich aber zwingen, die Werbung zu betrachten. Und dann wird der Quatsch von einer Störung zur Zumutung.

Natürlich gucke ich auch Werbung (mangels Fernseher allerdings nicht dort) – aber eher in Katalogform. Beilagen zu Zeitschriften zum Beispiel erhalten von mir mehr Aufmerksamkeit. Wenn ich eine Aboanzeige in Briefform der FAZ in meiner Titanic finde, lese ich sie normalerweise – und bestelle hin und wieder auch ein Probeabo. Kaufanreize bei Onlineportalen, die bei mir recht gut funktionieren sind diese „Kunden haben auch schon gekauft“ oder „Das könnte Ihnen gefallen“ – auch wenn ich die damit verbundene Datensammelei nicht sonderlich mag. Prinzipiell gebe ich daher bei Portalen wo immer es möglich ist und zum Kauf nicht notwendig falsche Angaben. Falsche Vornamen sind da ein schönes Mittel – auch um herauszufinden, wohin Ihre Daten weiterverkauft werden.

Mittlerweile werden in Printmedien Anzeigen auch gerne mal mitten im Text platziert – eine Art Retrokonversion aus dem Onlinebereich. Langsam hat man uns dahin gewöhnt – angefangen hatte das mal mit als Zwischenüberschriften getarnten Zitaten, die vielleicht, aber nicht zwingend im nächsten Abschnitt kommen könnten. das war so ein bißchen wie die Werbevorschau auf den nächsten Film im Fernsehen statt des Abspannes beim letzten Film („Sehen Sie gleich..!“)

Auch das Mittendrin stört. Es stört den Lesefluß weil die Layouter mutmaßlich den Befehl bekommen haben, die Anzeige so einzuschieben, daß ein Wort getrennt werden muß – das Auge hüpft herunter, nimmt dabei die – meistens gelbe – Anzeige wahr und liest weiter, aber man hat nur kurz die Anzeige gesehen, sich nur beim Lesen stören lassen. Bis es verboten wurde hat man auch Produkteinzelbilder in Filme geschnitten.

Was wahrscheinlich kommen wird
Ich ahne schon, wohin das nun führen wird: Ich kenne Seiten, die ein PopUp Fenster aufrufen wenn man einen Adblocker an hat, welcher verhindert, daß man die Seite benutzt – so lange, bis er ausgeschaltet ist. Online-Games wir OGame beispielsweise verbieten durch ihre AGB gleich mal die Benutzung eines Adblockers; Account (und evtl. das dafür bezahlte Geld) können dann schon mal weg sein. So ist der Deutsche: Wenn er mit bitten etwas nicht erreicht sucht er keine kreative Lösung, er denkt sich eine Regel oder ein Gesetz aus und beschäftigt einen Anwalt, der es durchsetzt. Aber es geht auch anders.

Fazit
Leute, vergesst es einfach. Ihr habt mich nicht gefragt, ob ich die Werbung möchte, wollt aber, daß ich Eure Artikel lese, damit ich Euch Werbeeinnahmen verschaffe. Ihr wollt bezahlt werden, und da bin ich dafür. Treffen wir uns doch in der Mitte: Macht den Teaser kostenlos und wenn er mich interessiert, klicke ich ihn an und lese ihn. Dafür zahle ich dann eine Kleinigkeit und werde mit Werbung verschont. TAZ zahl‘ ich, versteht Ihr?
Ich halte die Micropayment – Idee eigentlich für genial und nutze sie auch. Ich werde SIe gerne benutzen, um guten Journalismus zu belohnen – und würde mich über die Möglichkeit freuen, auf diese Weise schlechten Journalismus zu bestrafen. Im Printbereich darf ich es durch Nichtkaufen ja auch.

Nachtrag:
Damit beschäftigen sich wohl auch andere wie zum Beispiel…