ISDS – Die Sache mit den Schiedsgerichten in 206 Sekunden

Neben der letzten Anstalt – unbedingt gucken! – klärt auch dieses Video sehr nett über die eigentlichen Probleme des TTIP auf:

Interessant oder? Wenn Sie sich nicht mißbrauchen lassen wollen, dann zeichnen Sie bei Campact mit.

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Energiewende auf Bayerisch

Das Magazin Kontraste brachte vergangenen Donnerstag einen hochinteressanten Beitrag über die gespaltene Zunge der CSU zu spaltbarem Material.  Zitat: „Was die bayerische Regierung verschweigt: Sie hat die Atomstrom-Ausweitung in Gundremmingen längst befürwortet. Wie KONTRASTE herausfand schickten die Bayern im Juni 2012 einen Genehmigungsentwurf an das Bundesumweltministerium. Gestützt auf Gutachten des TÜV Süd, die Kontraste vorliegen. Im Anschreiben mahnt das CSU-Ministerium ‚eine zügige Durchführung der bundesaufsichtlichen Prüfungen‘ an.“

Na, das ist dooch mal interessant. Nachzulesen ist die Sendung hier.

Dem kann man fast nur noch die Biermösl Blosn entgegenhalten. Mit Ihrer Neuinterpretation des alten Volksliedes „Sabinchen war ein Frauenzimmer“ haben sie es eigentlich schön auf den Punkt gebracht.

Sabinchen

Sabinchen war ein Frauenzimmer, gar fromm und tugendhaft.
Sie diente seit der Mittleren Reife bei einer Dienstherrschaft.
Da kam aus Gundremmingen ein junger Mann daher,
|: der wollte so gerne Sabinchen besitzen
Und war ein Ingenieur. : |

„Sabinchen“, sprach er, „schönes Mädchen, die Maienluft weht lau.
Kommst du mit mir nach Gundremmingen und wirst du meine Frau?
Ich hab einen sicheren Posten, und einen schlauen Kopf,
|: ich trag untertags einen Sicherheitsanzug
und drück nur den Sicherheitsknopf.“ : |

Nach soviel Sicherheitsversprechen, da wurde Sabinchen weich.
Er schenkte ihr eine Sicherheitsnadel und sie sich ihm sogleich.
Und bald darauf war Hochzeit, mit Hochzeitsmahl und Kerch‘,
|: dann zogen sie beide in seine Wohnung
gleich hinter dem Kernkraftwerk. : |

Doch schon nach drei, vier Monat, oh Schrecken, da wurde Sabinchen krank.
Am ganzen Körper warn rote Flecken und auch der Blutdruck sank.
Die Zähne und die Haare fielen ihr alle aus,
|: und nach nicht einmal ganz zwei Jahren
trug man sie aus dem Haus. : |

Ihr Mädchen und ihr jungen Frauen, dies soll euch zur Lehre sein:
Laßts euch auf einen Kernkraftburschen nur ja, nur ja nicht ein!
Schenkt eure schönen Augen und euren roten Mund
|: doch lieber uns, den Kernkraftgegnern,
dann bleibts ihr wenigstns gsund! : |

Wer CSU wählt, ist eben selber schuld… 😉

Vom üblen Linken und konservativen Gedankenverbindungen

In den vergangenen Tagen unserer Republik gab es eine Reihe von Ereignissen, bei denen Menschen auf die Straße gingen um zu demonstrieren. Erinnern Sie sich, was für Leute das waren? Naja, alles Rabauken, Linke, Grüne, Irre.

Quasi Menschen wie Du und ich könnte man sagen. Tatsächlich wurden die Proteste von sehr unterschiedlichen Gruppen getragen, sowohl die Anti-Atomkraft-Bewegung als auch die Protestbewegung rund um Stuttgart 21 rekrutiert sich sehr aus der Mitte der Gesellschaft und nicht von einem linken oder rechten Rand wie beispielsweise die Maikrawalle oder die Wunsiedelmärsche.

Das hindert einen echten Konservativen allerdings nicht daran, möglichst viel was „irgendwie gegen“ ihn ist, in einen Topf zu werfen um Vorurteile kneten zu können. Schließlich sind Atomkraftgegner ja irgendwie für die Islamisierung Europas. Glauben Sie nicht? Dann sollten Sie keinesfalls mehr CSU wählen:

Ja, Alexander „Drohbind“ Dobrind sagt hier wirklich „Diejenigen, die gestern gegen Kernenergie, heute gegen Stuttgart 21 demonstrieren, agitieren, die müssen sich dann auch nicht wundern, wenn sie übermorgen irgendwann ein Minarett im Garten stehen haben, meine Damen und Herren!

Hmja. Verstehe. Sind AKW’s also so eine Art Strahlenschutz gegen den Islam oder wie? Als Generalsekretär der CSU ist Herr Dobrind zudem noch diplomierter Soziologe. Ich frage mich, was das Patent gekostet haben mag…

Was man lernen könnte

Im medialen Alltag dieser Republik gab es vor kurzem ein Ereignis, welches in einer ganz besonderen Form die Diskussion über die Energieerzeugung angeheizt hat: Das Erbeben in Japan und der daraufhin erfolgte Schaden am Atomkraftwerk Fukushima, der noch nicht einmal ansatzweise abzusehen ist. Abzusehen war dagegen was hierzulande folgte.

Zu den Dingen die mich am meisten anwidern zählt zweifelsohne die Haltung, daß der Zweck die Mittel heiligt. Ein derartiges Denken sorgt dafür, daß Terroristen ihre Taten rechtfertigen und diese Haltung steckt letztendlich auch hinter der neuen NATO-Doktrin, eine solche Denkweise steckt hinter der Kritik an der Kritik an Religionen und Kirchen und eine solche Denkweise kann man auch an Menschen feststellen, die Katastrophen als willkommene Unterstützung ihrer Argumente verstehen.

Ich tu mir wirklich schwer mit Menschen denen eine klammheimliche Freude an einer Katastrophe wie der in Japan anzumerken ist weil sie so ein weiteres Beispiel für die Unsicherheit und Unsauberkeit der atomaren Energieversorgung bekommen. Dieses latente Jubilieren daß die öffentliche Meinung noch mehr gegen Atomkraft nun schwenken wird ist für mich der Mißbrauch einer Tragödie und das Instrumentalisieren von Menschenleben und von der Trauer Angehöriger.

Nur, damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bin absolut gegen Atomkraft. Ich möchte an dieser Stelle nun nicht zehntausende von Argumenten für und wieder aufzählen ich will nur sagen, daß ich die Stromerzeugung aus Uran persönlich für ebenso überflüssig wie problematisch halte. Da kann man meiner Ansicht sein oder auch nicht. Jedenfalls begrüße ich den ersten Schritt der „gefühlten Vorsitzenden des deutschen Atomforums“ (Priol), auch wenn das sowohl Aktionismus, als auch ein mit Hintertürchen versehener Versuch, den Wähler hinter’s Licht zu führen ist.

Eine Alternative allerdings halte ich für ganz besonders brauchbar: Geothermie.

Ein geothermisches Kraftwerk arbeitet, vereinfacht gesagt, mit der Hitze im Erdinneren und nutzt diese zur Erzeugung von Strom und auch von Warmwasser.

Neben der Umweltfreundlichkeit reizt mich vor allem daran die Tatsache, daß Geothermie dezentral organisiert werden kann – wenn sich zwei oder drei Gemeinden zusammenschließen und ein solches kleines Kraftwerk errichten können sie sich unabhängig von Großkonzernen wie Eon oder Vattenfall machen. Das wiederum kommt dem Geldbeutel der Bürger zugute, denn das betreffende Geothermische Kraftwerk würde (zum Beispiel über eine Betreibergesellschaft) letztlich den Gemeinden gehören und damit den Bürgern.

Ähnlich wie lokale Biogasanlagen bietet die dezentrale Energieversorgung außerdem den großen Vorteil, die Abhängigkeit von einzelnen Großkraftwerken zu reduzieren – wenn ein Kraftwerk ausfällt ist das Ausfallvolumen sehr viel kleiner was die Erhaltung der Versorgung billiger und einfacher macht.

Unsere derzeitige Energieversorgung ist primär auf fossile und atomare Quellen angewiesen – beides ist extrem CO2-lastig und beides baut auf einen immer kleiner werdenden Vorrat an Ressourcen, was den betreffenden Firmen natürlich egal ist. Windenergie ist lokal ebenso eine brillante Lösung wie die immer effektiver werdende Solarenergie (die längst nicht mehr davon abhängig ist, daß „die Sonne scheint“ wie ihre meist uninformierten Gegner gerne einwerfen), die am Meer ebenso erstmal unbegrenzt verfügbare Gezeitenkraft (Hätte Großbritannien nicht das Pech eine Schwarzgelbe Regierung zu haben könnten sie Vorreiter dieser Technologie werden aber brauchbaren Fortschritt mit liberal-konservativ? Nur über die Leichen der Finanziers solcher Parteien!) und – wo einsetzbar ohne größere Schäden zu verursachen – Wasserkraft.

Gemeinsam mit der Geothermie wäre es möglich die Energieversorgung des Westens in halbwegs annehmbarer Geschwindigkeit auf saubere Lösungen umzustellen. Natürlich geht so etwas nicht innerhalb eines Jahrzehnts. Aber die Kombination aus staatlich geförderten Maßnahmen für alternative Energieformen und dem gesetzlich geregelten Ausstieg aus der Problemenergieerzeugung hätte vollkommen von alleine den Markt anspringen lassen – und das ganz ohne die von den ängstlichen „Freiheitswächtern“ befürchteten „sozialistischen Verordnungen“.

Tatsächlich hatte das stattgefunden – die Förderung von Solartechnologie (zu einem Bruchteil der Kosten die beispielsweise die Atomkraft den Steuerzahler kostet) und von Windkraft in Kombination mit dem Atomausstieg hat Deutschland mal so ganz nebenbei zum Weltmarktführer für diese Technologien gemacht. In einem Land, daß dank der CDU die Entwicklung des IT-Zeitalters verpennt hat und dementsprechend eigentlich hinter dem Rest der Welt ein wenig hinterher hinkt eine ziemlich wichtige Sache. Mittlerweile haben wir uns wieder einholen lassen, was, naja, „latent ungeschickt“ ist. Tatsächlich wird versucht, in Ländern der Dritten Welt derartige Modelle umzusetzen mit recht achtbarem Erfolg. Das wäre im Westen eigentlich ebenfalls machbar.

Aber die „Keine-Experimente-Partei“ bleibt ihrem Dogma treu: Neue Entwicklungen werden in den 60er Jahren gemacht und sonst nirgends. Bleibt zu hoffen daß der deutsche Michel dem irgendwann entwächst.