Fundstück der Woche (31. KW): Störsender.tv #7

Wer sich nun wundert, wo denn 5&6 sind, das sind die beiden Teile der Benefizgala gewesen.

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Fundstück der Woche (30. KW): Benefizgala von Störsender.tv

Noch nie standen diese Schwergewichte des politischen Kabaretts gemeinsam auf der Bühne – und nun tun sie es um den Afghanischen Frauenverein und die Grünhelme zu unterstützen! Sehr sehenswert!

50 Folgen Neues aus der Anstalt

Als am 23. Januar 2007 Dieter Hildebrandt „den Staffelstab nach 28 Jahren Satirefreiem ZDF“ an Urban Priol und Georg Schramm übergab, brach beim Deutschen Kabarett tatsächlich eine neue Ära an. Denn gleichzeitig ließ die ARD den zum sogenannten „Satiregipfel“ verkommenen Scheibenwischer ins Leere laufen bis 2009 selbst Riechling das Handtuch warf und Dieter Nuhr dann seit 2011 dem ganzen einen konservativen Anstrich geben durfte.

Übrig bleibt „Neues aus der Anstalt“, das frech, boshaft und mit vielen Wahrheiten gespickt einen Blick auf unsere Politlandschaft wirft und dabei vor praktisch gar keinem Tabubruch mehr zurückschreckt. Ich weiß noch, wie sie in einer Sendung 2007 oder 2008 das Bild des Vorstandsvorsitzenden der HSH-Nordbank, Dirk Jens Nonnenmacher einblendeten und Priol und Schramm davorstanden und das mit den Worten „Ich weiß auch ned, warum solche Arschlöcher immer genau so aussehen, wie man sich se vorstellt“, kommentierten. Das hatte mich wirklich überrascht, derartiges in einem öffentlich-rechtlichen Sender, noch dazu einem, bei dem die Politik in Gestalt von Roland Koch ziemlich viel Einfluß hat, zu hören.

Nach der 36. Folge stieg Georg Schramm aus der Sendung aus, um sich wieder mehr der Bühne zuzuwenden, Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig stieg dafür ein. Das brach der Sendung nicht ganz, aber fast das Rückgrat, denn Pelzig ist trotz allen Scharfblicks eben kein Schramm. Dennoch fing sich die Sendung nach ein paar mißglückten Zwischenstationen wieder und inzwischen haben Priol und Pelzig als Figuren ein ähnliches Verhältnis zueinander aufgebaut wie seinerzeit Priol und Dombrowski. Ein nicht unerheblicher Teil der Sendung wird von den vor Haßliebe sprühenden Dialogen getragen, wenn die beiden Hauptakteuere aneinandergeraten. Ging es früher zum Teil recht geschliffen zu („Ich muß noch den Patientensprecher und den Champagner kaltstellen“) hat es heute mehr Biß und einen Hang zur Komödie („Pelzig, kommen Sie her! Gehen Sie mir aus den Augen!“).

Interessant ist die Auswahl der Gäste. Besuchten zwischen Folge 1 und Folge 36 noch eher selten Comedians die Sendung (Ingo Appelt war so ein furchtbares Beispiel) und dafür eine sehr breite Reihe auch von Nicht-Politkabarettisten, aber Gesellschaftskabarettisten wie Helmut Schleich und Monika Gruber, so schien mit Folge 40 die Anstalt ihren Schwung zu verlieren: Nur zwei Gäste in Folge 40 und Folge 45-49 baute dann mit Badesalz, Ingo Appelt und Hans Lindberg in 2011, und Camela de Feo sowie Michael Mittermeier in 2012 irgendwie gerne Comedy ein. Besonders der Auftritt von Appelt war mehr zum Fremdschämen und über Camela de Feo… also die hatte schon bessere Auftritte hingelegt.

Die Folge 50 war aber dann spitze: deutlich besser als die beiden vorhergehenden Sendungen 2012. Da freut man sich schon, wenns mal wieder drei g’standene Kabarettisten sind.
Monika Gruber wäre schön gewesen, hat aber scheinbar abgesagt und wird sicher mal wieder kommen – es muß nicht immer Politkabarett sein und die Auftritte von „der Gruberin“ waren in der Anstalt bislang jedenfalls deutlich bissiger, geschliffener und gekonnter, als der Quark den der allseits beliebte Mittermeier zum Beispiel dort ablieferte.
Über Steimles Auftritt, der schon seit einiger Zeit nicht mehr da war, hab ich mich besonders gefreut – nicht nur wegen der Ossi-Wessi Nummer die diesmal besonders schön eingesetzt wurde sondern vor allem weil Steimle als Beobachter fast an Georg Schramm herankommt.
Der wiederum fehlt irgendwie…. ein Auftritt zur Jubiläumssendung – das wäre doch was gewesen…

Fundstück der Woche (48.KW): Das Volk hat gesprochen

Nun also ist es soweit: Stuttgart 21 kommt. Am gestrigen Sonntag votierten knapp 59% der Wähler für den Bahnhof, womit die Grünen nun in einer interessanten Zwickmühle sind.

Zunächst einmal zwei Videos dazu:





Tja, nun also ist es soweit: Die Gegner, die mit heftigen Protesten versucht haben, das Projekt zu kippen haben verloren. Knapp ein Jahr nach den heftigen Zusammenstößen zwischen Schülern und Staatsmacht (worüber ich mir lange und mehrfach Gedanken gemacht hatte) sowie der historischen Niederlage der vermeintlichen Besitzer des Ländles, nach Eklats wie der Preisauszeichnung für Georg Schramm, der den versammelten Eliten mal endlich die Meinung geigte, ist nun eine Volksabstimmung ziemlich eindeutig ausgefallen.

Fasziniert hat mich am Wahlergebnis, daß die Gegner des Projektes lediglich in Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, Freiburg im Breisgau (Stadt), Heidelberg (Stadt), Karlsruhe (Stadt), Lörrach und Mannheim (Stadt) die Mehrheit geholt haben, weder in Stuttgart noch in einer der unmittelbar betroffenen Gemeinden.

Karte aus der Wikipedia
Das ist schon sehr eindeutig. Auch wenn es den Gegnern nicht passt, nun ist es zuende. Der Protest der Parkschützer kann zuende gehen – jetzt ist die Kostendeckelung letztlich die einzige Möglichkeit.

Aber eine Volksabstimmung muß respektiert werden – sonst ist die Demokratie gänzlich sinnlos.

Fundstück der Woche (27.KW): Eklat in Baden-Württemberg

Georg Schramm ist ja immer wieder sehenswert. Hier können Sie ihn mal nur hören – aber es lohnt sich vor allem wegen des Publikums:


Gehört? Da sind sie aber fuchsteufelswild gewesen, die Damen und Herren Elite. Haben sich doch sogleich in den sprachlichen Lokus begeben. Dazu gibt es zwei Berichte der badischen Zeitung hier und hier und einen der Stuttgarter Zeitung hier. Dazu außerdem eine Kolumne von Joe Bauer hier.

Was ein wenig verwundert: Warum war man eigentlich so erbost? Kannten die versammelten Damen und Herren der ersten Reihe das Programm und den Inhalt der Reden von Herrn Schramm nicht? Haben Sie ihm weder in der Anstalt, noch bei den Demos gegen Stuttgart 21 zugehört? Vermutlich, denn wer einen Preis gar nicht als Preis versteht, der weiß i.d.R. gar nicht warum er jemanden auszeichnen muß.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Sie betreiben dank großzügiger Schmiergeldzahlungen (Abgaben) ein Glücksspielunternehmen in einem Land, in dem Glücksspiel eigentlich verboten ist. Damit helfen Sie, all denen in diesem Land, die nichts haben, vorzugaukeln, sie könnten vielleicht eines Tages mal alles werden. Die Chancen sind gleich Null, aber alle machen mit. Das ist exakt der Grund, warum das System, das genauso aufgebaut ist, funktioniert: Weil alle glauben, daß sie aufsteigen können und weil es kaum einer schafft. Volker Pispers nannte das „Die Lüge des Kapitalismus„, aber das nur am Rande.
Nun müssen Sie, weil die Leute ja noch nicht ganz doof sind, als Teil des Systems ein gewisses Maß an Kritik ertragen. Man nennt das eine Ventilfunktion, einer solchen diente beispielsweise der berühmte Weiß Ferdl in München. Um Sympathie zu erlangen kann es aber nützlich sein, die Ventilfunktion als solche ein bißchen zu unterstützen solange sie nur Ventil bleibt und sich nichts wirklich ändert. Ansonsten wäre das natürlich kontraproduktiv.
Um zu zeigen, daß man keine Diktatur ist, sondern „Freiheit“ auch im Sinne der Meinungsfreiheit zumindest duldet, stiftet man also einen kleinen Preis (also von rund 130 Millionen Euro Gewinn etwa 16.000, das reicht völlig um großzügig zu erscheinen und vielleicht sogar als „Mäzen“ eines Tages verklärt zu werden) und vergibt ihn auch an jemanden, der manchmal scharf an einem selbst Kritik übt. Bei Hofe hieß das früher „Narrenfreiheit“

Das Ganze könnte nun super funktionieren, wenn sich der auszuzeichnende Künstler auch an die Spielregel hät – also vorsichtig und ein bißchen freundlich ist, die versammelte Mannschaft über sich selbst zwar ein bißchen gezwungen lachen lässt aber letztlich mit ihr auch gerne mal ein Bierchen trinkt – in Bayern findet sowas ja jedes Jahr statt und zwar am Nockherberg. Und schon da zeigte sich, daß man, wenn sich jemand nicht an diese Regel hält, man schnell verschnupft wird.
Dies nun ist hier auch passiert: Schramm hat sich die Chance nicht nehmen lassen der versammelten Elite mal zu sagen was er – und ein gerüttet Maß der aufgerüttelten Bevölkerung auch – von ihr hält. Und das fanden viele nun gar nicht komisch, so etwas tut man nicht. Man gab ihm in der Konsequenz auch nicht die Hand (vermutlich fehlt der Figur Dombrowski deswegen die Rechte…)

Schön ist dann aber, daß die aufgebrachten Wutbürgerlichen tatsächlich die Rückgabe des Preises forderten. Moment – Rückgabe? Eine Rückgabe kann dann erfolgen, wenn eine Seite mit den erbrachten, vertraglich geregelten Leistungen nicht zufrieden ist. Das ist eine Alternative zum Widerrufsrecht. Eine Rückgabe ist also möglich wenn ein Handel abgeschlossen wurde – und scheinbar verstanden die vorderen Reihen das so. Schramm hat nicht für den Preis gebuckelt, hat nicht die Füße der Verleihenden geleckt. Das sieht man in bestimmten Teilen der Gesellschaft anscheinend als Vertragsverletzung.