Preissteigerung beim MVV

Wie jedes Jahr beschert uns zu Weihnachten der MVV mit einer Preiserhöhung für die Fahrkarten. Jeweils zum 15. Dezember eines jeden Jahres werden die Preise „angepasst“ und die Arbeitnehmer dürfen ein bißchen mehr Ihres Einkommens dafür verwenden, es überhaupt erwirtschaften zu können.

Ich habe mir erlaubt, mich mal mit den Preisen auseinanderzusetzen und eine Reihe von Fahrkarten ausgewählt, deren Preissteigerung ich im Vergleich zum Vorjahr in dieser Tabelle (pdf) darstelle.

Prozentual gesehen trifft es am härtesten die Käufer von Kurzstreckenkarten mit über 7%, real handelt es sich dabei allerdings nur um 10 Cent Steigerung. Die Tageskarte XXL erweist sich wieder einmal als diejenige mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis und steigt mit 2,47% auch am geringsten an. Richtig hart trifft es die Pechvögel, die mit dem MVV von weit draußen in die Innenstadt zum Arbeiten fahren müssen – Steigerungen um 4,00€ bis zu 7,00 € sind da zu erwarten. Durchschnittlich steigen die Monatskarten der Pendler, welche die IsarCard im Abo haben um 3,44% oder 4,34 Euro.

Interessant finde ich bei solchen Preisentwicklungen grundsätzlich, einmal die Inflationsrate daneben zu stellen, wie ich das vor Zeiten mal mit dem BayernTicket der Deutschen Bahn gemacht habe. Denn die Begründung für die Erhöhung lautet beim MVV eigentlich immer gleich:

Angemessen steigende Fahrgeldeinnahmen sind bei steigenden Kosten und attraktivem Leistungsangebot für den Nahverkehr unverzichtbar. Die Alternative wären wachsende Defizite, Angebotskürzungen oder die Absenkung von Qualitätsstandards. Die Preissteigerung ist somit unabdingbar, um ein attraktives Leistungsangebot zu gewährleisten und weiter zu verbessern sowie gestiegenen Kosten – beispielsweise im Energie- und Personalbereich – auszugleichen.

Hmja. Schuld sind also die Energiekosten (Also die Ökos und so) und die Arbeitnehmer (wegen frecher Lohnforderungen). Die Steigerung der Preise im Jahr 2014, gemeinhin Inflation genannt, betrug bislang etwa 1,04% – man rechnet wohl mit so 1,5% insgesamt. Das müssen diese Steigerungen sein, die eine Erhöhung um durchschnittlich Dreieinhalb Prozent rechtfertigen, oder?

Vielleicht liegt es an den Energiepreisen, die steigen bekanntlich ja wirklich. Das kann man beim statistischen Bundesamt nachlesen (wer sich nicht durchwühlen will: S. 15 z.B.). 2014 sind die Energiepreise gar nicht so heftig gestiegen bislang. Zudem bezieht der MVV ja seine Energie sauber von den Stadtwerken München, hat recht Energieeffiziente U-Bahnen und erwirtschaftet satte Gewinne für die Stadt (siehe hier, S. 36).

Trotzdem schreibt er rote Zahlen – Nahverkehr ist ein Zuschußgeschäft und war es schon immer. Diese Zuschüsse werden ohnehin über die Steuern bezahlt – warum also nicht den Nahverkehr attraktiv günstig machen und dafür mehr Steuergelder hineinfließen lassen? Haben wir nicht ein Interesse daran, den völlig aberwitzigen Autoverkehr auf ein Minimum zu reduzieren?

Für 5,20 € komme ich derzeit von Zorneding nach München in die Innenstadt. Das sind etwa 20 Kilometer Strecke. Für das gleiche Geld kann ich Berlin zwei Mal durchqueren – das wären dann  90 Kilometer. Also mehr als die vierfache Strecke. Irgendwas stimmt hier in München nicht.

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„Hier stand die Fairness gegenüber den Reisenden im Vordergrund“

Unsere liebe Bahn hat zum kommenden Juni eine neue Preis-, äh, -anpassung vor und davon betroffen ist unter anderem das bei vielen Reisenden beliebte Bayern-Ticket. Mehr durch Zufall habe ich das mitbekommen und mir dann doch einmal durchrechnen wollen, was genau der Reisende eigentlich davon hat – oder eben nicht.

Zunächst einmal muß man sagen, daß das Bayern-Ticket in seiner bisherigen Konfiguration ein Relikt ist – in NRW und auch in vielen anderen bundesländern funktionieren die Ländertickets schon nach anderen Modi. Das einfache am Bayernticket war, daß man es kaufen konnte (fing 1997 mal bei 35DM an) und sich dann Mitreisende gesucht hat, die mit einem das Ticket geteilt haben. Neben dem Effekt, daß man so weniger für die Fahrt zahlte lernte man so auch manchmal recht interessante Zeitgenossen kennen.

Die Konditionen und Preise haben sich mehrfach geändert, so ist 2003 das Bayern-Ticket Single zum Beispiel eingeführt worden (Hat damals, glaube ich, 15€ gekostet) und nun haben wir folgende Preise erreicht:
Bayern-Ticket: 29€; Bayern-Ticket Single: 21€
Das sind für das Bayern-Ticket im Zeitraum von 15 Jahren eine Steigerung (17.89€ –> 29€) von 62%, für das Single im Zeitraum von 9 Jahren eine Steigerung (15€ –> 21€) von immerhin 40%. Bischen höher als die Inflation seit 1997, gell?

Nun also gibt es ein neues System: Man muß vorher wissen, wieviele mitfahren. Das kann sich also rechnen, aber nun muß ich vor lösen des Tickets wissen, ob ich die fünf Leute zusammenbringe; Last-Minute-Geschäfte gehen nun nicht mehr. Die Preise haben sich wie folgt verändert:

Zeitraum 1 Person 2 Personen 3 Personen 4 Personen 5 Personen
Preis Mai 2012 21€ 14,50€ 9,67€ 7,25€ 5,80€
Ticketpreis 21€ 29€ 29€ 29€ 29€
Preis Juni 2012 22€ 13€ 10€ 8,50 7,60€
Ticketpreis 22€ 26€ 30€ 34€ 38€

Eine zum Teil recht heftige Steigerung, im Falle der 2 Personen ist es aber zum Beispiel günstiger geworden. Bei Gruppen hingegen zahlen die Leute 17,24% (4 Personen) bzw. 31% (5 Personen) pro Kopf mehr, das ist schon ziemlich kräftig. Die Bahn hat dazu folgendes Statement auf ihrer Homepage veröffentlicht:

Preiserhöhung oder neue Preissystematik? Wie schlüsselt sich der Preis für das neue Bayern-Ticket auf?
Aufgrund gestiegener Personal- und Energiekosten mussten wir nach 18 Monaten jetzt den Basispreis für das Bayern-Ticket erhöhen – um 1 Euro je Ticket. Die neue Preissystematik allerdings ist davon abgekoppelt zu sehen. Durch sie sind keinerlei Mehreinnahmen geplant, hier stand die Fairness gegenüber den Reisenden im Vordergrund.

Hm…. glaube ich nicht, jedenfalls nicht wenn man mal tatsächlich mitrechnet. Das neue System sorgt in gewisseer Hinsicht für Fairness: Wer keine 5 Reisenden zusammentrommeln kann oder nicht daran glaubt probiert es künftig mit dem 2 Personen-Ticket, aber letztendlich sind die Gruppen hier die am heftigsten betroffenen im Vergleich zu den bequemer zu verwaltenden Einzelreisenden.
Spontanes Umentscheiden ist dann auch nicht mehr drin, auch kann man nicht mal eben noch jemanden „dazubuchen“, auch wenn die Bahn damit wirbt daß jede Person zusätzlich nur noch 4€ bezahlt – das findet natürlich nicht statt, vor allem später nicht. Kinder dürfen auch nur – und das finde ich wirklich witzig – mit dem Bayernticket kostenlos mitfahren wenn es nur zwei Erwachsene sind. Drei Erwachsene und 2 Kinder müssen das volle Ticket für 38€ kaufen (Anstatt das Ticket für drei Personen z.B.). Laut Bahn klingt das so:

Zusammenfassend gilt die Faustregel: Bis zu 2 Erwachsene dürfen Kinder des Reisenden, dessen Name auf dem Ticket steht, kostenfrei mitnehmen. Sobald mehr als zwei Erwachsene mit dem Ticket reisen, ist die „Familienregelung“ preislich ungünstiger. Der beste Preis ergibt sich dann, wenn die Kinder als Mitfahrer bei der Preisberechnung gezählt werden.

„Preislich ungünstiger“ ist es natürlich nur für die Bahn, nicht etwa für den Kunden. Die Variante mit drei Erwachsenen und zwei Kindern kostet dann nämlich entweder 48€ (zwei Bayerntickets, eine Single, eines für zwei Personen) oder 38€ (ein Ticket für 5 Personen) aber eben nicht 30€ (ein Ticket für 3 Personen).

Insgesamt eine fairere Regelung – für 2 Personen-Gruppen. Um die geht es ja auch laut Bahn:

Warum ist das neue Bayern-Ticket jetzt fairer?
Die Größe der Gruppe bestimmt ab sofort den Ticket-Preis. 2 Personen haben nun nicht mehr das Gefühl, für 3 „leere Plätze“ auf ihrem Ticket mitzubezahlen.