Lastknightniks Woche (7/2013)

Wie (fast) jeden Freitag eine kurze Nachschau über die fünf m.E. nach wichtigsten oder interessantesten Geschichten der Woche zur Nachlese.

Montag: Papst Josef „Benedikt“ Ratzinger tritt zurück. Gab im Netz viel Anlaß zu Satire, selbst bei mir.

Dienstag: Nordkorea lässt nach dem Vatikan die zweite Bombe der Woche platzen; diesmal allerdings eine Atombombe.

Mittwoch: der politische Aschermittwoch in Vilshofen.

Donnerstag: Schwul? Dann darf man in Bayern nach dem Willen der Banken keine Gaststätte auchmachen. Man kommt sich vor wie in Rußland.

Freitag: Leiharbeiter bei Amazon. Ein erschütternder Bericht des HR über die Kasernierung von Angestellten, unmenschliche Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung von Menschen. Siehe dazu (auch zur „Reaktion“ von Amazon) die Nachdenkseiten.

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Wir waren Papst – Fragen ohne Antworten

Tja, da überschlagen sich die Meldungen – seit dem 13. Jahrhundert ist kein Papst mehr zurückgetreten, aus dem Amt wurde man normalerweise getragen. Angesichts der heutigen, veränderten Welt gegenüber dem 13. Jahrhundert (also, zumindest außerhalb der Kirche), stellen sich natürlich ein paar wichtige Fragen:

  • Wieviel Rente bekommt so ein Papst? Hat er als deutscher Papst eigentlich in die Rentenkasse eingezahlt? Hm… wenn ich richtig informiert bin, zahlt der Steuerzahler das Pensionsgehalt von verrenteten Priestern. Wenn der Papst jetzt im sonnigen Rom bleibt – Titelt die Bild-Zeitung dann mit dem Rentenbetrüger Italien-Josef?
  • Mußte der Papst wegen der deutschen Bundesregierung zurücktreten? Wegen Ermittlungen in Hannover? Vielleicht weil er abgeschrieben haben soll oder weil ihm Frau Merkel das Vertrauen ausgesprochen hatte?
  • Im März steigt dann wieder weißer Rauch auf – nur wen verbrennen die dann?
  • Zur Wahl des neuen Papstes sind ausdrücklich Laien als Kandidaten zugelassen, sie müssen nur männlich und katholisch sein. Ist Vermin Supreme katholisch?
  • Es wählen ja nicht alle Katholiken, sondern nur die Schlüsselträger, sprich: Die Kardinäle. Das ist in etwa so, als wenn bei uns nur die Behördenchefs wählen dürften. Wegen der Kompetenz.
  • Immerhin, Kardinal Josef Ratzinger hat dann wieder mehr Zeit für die Familie, wie der Postillon titelt…
  • stellt das eigentlich nun eine Rückkehr zu Praktiken des 13. Jahrhunderts dar, liebe Kirche?
  • Hat der Papst jetzt eigentlich auch einen Vertrag mit der Gazprom?
  • Sollte wegen der Gleichberechtigung und der europäischen Richtlinie gegen Diskriminierung der nächste Papst nicht eine weibliche, homosexuelle Muslima werden?
  • Warum verkündet die Kirche das im Fasching? Insbesondere, wo es doch scheinbar seit Freitag bekannt ist?
  • Immerhin: Eine weitere berufliche Karriere scheidet ja nicht aus; Das Dschungelcamp wird sicher auch 2014 fortgesetzt…. dann wahrscheinlich mit Grimmepreis.
  • Wird die Nachfolge über die Macht entschieden?

Ganz ehrlich…. die ganzen besorgten Kommentare von Katholiken, die den Tenor haben: „So ein Amt kann man in dem Alter eben nicht mehr voll erfüllen..:“ grenzen doch an Realsatire, oder?

Eine richtige Entscheidung

Anette Shavan ist zurückgetreten. Das war eine richtige Entscheidung, alleine schon weil so weiterer Schaden vom Amt der Bundesbildungsministerin genommen wird. Der Schaden für die Union und die Kanzlerin allerdings bleiben.

Das zweite Merkel’sche Kabinett hat jetzt, abgesehen von ihr selbst, nur noch wenige Minister, die auf ihrem ursprünglichen Posten sitzen: Schäuble als Finanzminister, Leutheusser-Schnarrenberger als Justizministerin Aigner als Landwirtschafts- und Verbraucherschutzministerin Peter Ramsauer als Verkehrsminister und Niebel als Entwicklungshilfeminister. (Naja, und Pofalla als Kanzleramtsminister)

Zwar ist Westerwelle noch immer Außenminister, aber nicht mehr Vizekanzler. Ansonsten sind die Wechsel schon ziemlich massiv: Franz-Josef Jung trat im November 2009 zurück, damit Guttenberg nicht beschädigt wird. Ersetzt wurde der Arbeitsminister durch die bisherige Familienministerin Ursula von der Leyen, deren Nachfolge trat die Extremismusexpertin der Union, Kristina Schröder an. Im März 2011 mußte Guttenberg trotzdem zurücktreten, wegen einer Plagiatsaffäre. Dessen Nachfolge trat der bisherige Innenminister Thomas de Maziére an, der wiederum von Hans-Peter Friedrich beerbt wurde. Im Mai 2011 trat Rainer Brüderle als Wirtschaftsminister zurück (im Zuge von Westerwelles Sturz, der zwar die FdP nicht mehr nach außen vertreten sollte, wohl aber Deutschland) und wurde durch Philip Rösler ersetzt, der das Gesundheitsministerium an Daniel Bahr abgab. Rösler wurde bei der Gelegenheit auch Vizekanzler. Im Mai 2012 chasste Merkel ihren Umweltminister Röttgen, weil dieser die Landtagswahlen in NRW in den Sand gesetzt hatte, ihn ersetzte Peter Altmeier. Nun ist Anette Schavan zurückgetreten, wieder wegen einer Plagiatsaffäre. Sie wird ersetzt durch Johanna Wanka.

Nicht erwähnt habe ich hierbei die Vernichtung gleich zweier Bundespräsidenten, die sind natürlich auch keine Kabinettsmitglieder.

Die Zahl der Kabinettsumbildungen ist zwar nicht ohne Beispiel, aber schon deutlich. Die christliche Union mußte zwei ihrer Minister wegen mutmaßlichen wissenschaftlichen Betruges absägen, die FdP verspielte wegen ihrer menschenverachtenden Grundhaltung jedwedes Ansehen und fiel vor allem durch peinliche Personalpolitik auf. Das Kabinett Merkel steht letztendlich wie ein Haufen werteloser Gesellen da, der nur an Macht und Machterhalt interessiert ist. Dem Ruf des Politikers allgemein und den beteiligten Parteien im Besondern hat das schwer geschadet.

Was bleibt ist eine Regierung, die ihrer mittleren Silbe eindeutig die größte Bedeutung zumisst. Wird mehr als Zeit, sie abzulösen.