Kaffeesatzleser und andere Regierungsberater

Prophezeiungen sind etwas wunderbares: Sie versprechen Gutes und Schlechtes aber vor allem geben sie dem Empfänger – so er an sie glaubt – das Gefühl, etwas über die Zukunft zu erfahren. Das wiederum schafft ein gewisses Gefühl der Sicherheit. Alles nur esoterische Spinnerei? Nein, Politik.

Man nennt das den Barnum-Effekt. Florian Freistetter hat in seinem – von mir an dieser Stelle schon oft gerühmten – Blog „Astrodicticum Simplexeinen Artikel über die aus den Prophezeiungen des Michel de Nostredame, besser bekannt als „Nostradamus“ interpretierten Voraussagen einer Autorin Namens Valerie Hewitt geschrieben, der recht lesenswert ist, auch wenn er nicht der erste ist, der darüber schreibt.

Im Grunde handelt es sich bei diesem Zeug ja nur um den üblichen Esoterik – Unsinn, den man getrost ignorieren könnte und über den sich aufregen eigentlich nur lohnt, wenn Freunde in die Sogwirkung dieser Gelddruck-Maschine geraten.

Glauben Sie, dass es Regierungen gibt, die noch auf Wahrsager vertrauen? Oh ja, die gibt es. Und sie sind nicht ausschließlich Spinner: Die deutsche Bundesregierung zum Beispiel. Meinen Sie, ich spinne? Keineswegs.

Kennen Sie den „Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung„? Wahrscheinlich, im Pressejargon wird gerne von den „5 Wirtschaftsweisen“ gesprochen. Der gibt jährlich – von Ihnen mitfinanziert – ein Gutachten über das abgelaufene Jahr heraus und stellt Prognosen für das kommende Jahr an. Diese Prognosen, von denen in den Medien in aller Regel nur die prognostizierte Wachstumsrate für die Wirtschaft zitiert wird, stellen eine Grundlage des wirtschaftspolitischen Handelns der Bundesregierung dar. Und das seit 1963 – das Gesetz stammt vom 14.8.1963 und ist unter Adenauer vorbereitet und umgesetzt worden.

Natürlich sind die nicht die einzigen – aber diejenigen, die am häufigsten und am ausführlichsten immer wieder zitiert werden, mitunter gar so, als verkündeten sie das Wort Gottes.

Dabei liegen die „Weisen“ praktisch immer falsch – denn die von ihnen gemachte und von den Medien als unumstößliche Vorhersage soufflierte Prognose trifft ja auf einen darauf reagierenden Markt.

Sagen die Wirtschaftsweisen ein Wachstum von „nur 0,6%“ vorher wirkt das ungemein präzise und muss ja stimmen – hinterher wird das dann korrigiert (Immer mit dem Zusatz: „Wirtschaftsweise korrigieren Wachstumsprognose nach unten/oben„) und tatsächlich liegen die niemals richtig. Zwar sagen sie meistens einen Trend korrekt voraus, aber auch das klappt nicht immer.

Beispielsweise sagten sie für das Jahr 2009 ein Wachstum des BIP von 0,2% voraus. Das ist recht wenig, tatsächlich sank das BIP 2009 aber um volle 5,1%. Die FAZ hat das mal in einer Infografik für die Jahre 2004 bis 2012 zusammengestellt.

Was mich immer wieder amüsiert: Die gleichen Medien, die gerne kritisieren, dass die Prognosen völliger Quatsch seien (FAZ und SZ sind jetzt hier nur zwei Beispiele), machen aber auch gerne genau mit diesen Prognosen ihre Zeitung auf – Schlagzeilen über Wahrsager sind das Motto.

Und natürlich sollen Sie das auch lesen – denn mit solchen Prognosen wird gerne gewunken wenn es um Ihren real sinkenden Bruttolohn geht und Sie gerne mehr hätten – oder wenigstens real das Gleiche wie im Jahr zuvor – und außerdem gibt Ihre Regierung im Jahr dafür rund 2,1 Millionen Euro aus.

Tja, so ist das mit den Menschen – die Zeit der Herrscher, die von Menschen beraten werden, die aus dem Flug der Vögel das Regierungshandeln vorhersagen, ist eben noch nicht so ganz vorüber. Wir sind eben doch ein konservativer Haufen.

P.S.: Im Übrigen sind das nicht die einzigen seltsamen Prognosen, die so durch unsere Presselandschaft geistern und die immer wieder wie Wahrheiten behandelt werden. Nehmen Sie die Berechnung des ifo-Geschäftsklima-Indexes zum Beispiel (Hier klicken für das „Geschäftsklima“). Das Ergebnis ist irgendeine Kommazahl, die natürlich total nach Wissenschaft aussieht. Der Index selbt berechnet sich  dann etwas anders (Hier klicken) und gibt dann irgendeinen Wert aus, der gefühlt sechs Wochen durch alle Medien geistert.

Der aber nichts aussagt.

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Bahn-Streik, na und?

Ich bin so wie fast jeder Arbeitnehmer im Land Bahnkunde und davon abhängig, mit dem Zug zur Arbeit zu kommen. Naja, S-Bahn. Ich habe Alternativen (Bus, U-Bahn), zugegeben. Aber nicht für alles. Meine Lehrtätigkeit erledige ich mit dem Zug, sei es für die Flüchtlinge in Zorneding oder für meine Schüler. Und wissen Sie was? Ich habe trotzdem kein Problem.

Klar, lästig ist es eben schon. Aber so weit scheint es gekommen zu sein: „Lästig“ ist es, wenn Menschen Ihre Grundrechte wahrnehmen. „Lästig sein“ ist das Maß aller Dinge. Hoppla!

Woher kommt denn der mediale Gegenwind – den ich nebenbei bei Bahnreisenden verhältnismäßig selten spüre – geradezu der geballte Haß auf den Gewerkschaftsboß? Gerade die konservative Presse schüttet Wut und sehr interessante Rechenbeispiele über uns Lesern aus in der Hoffnung, daß sich jeder von uns persönlich geschädigt fühlen möge.

Fühlen Sie sich geschädigt? Ich meine jetzt nicht im Hinblick darauf, daß Sie Ihre Fahrt zur Arbeit ein bißchem umplanen oder sogar einfach einen ungeplanten Urlaubstag nehmen müssen, sondern tatsächlich geschädigt, also persönlich oder finanziell?

Ja, sehen Sie sich schon, oder? Es geht um die Fahrkarte: Sie bekommen nämlich nur als Zugreisender den Fahrpreis erstattet, wenn Sie nicht fahren können, nicht aber als Nahverkehrskunde. Als ein solcher erhalten Sie pro Fahrt 1,50 € erstattet. Bei 2 Fahrten am Tag (Hin zur Arbeit und wieder zurück) und das für 5 Tage sind das immerhin 15 Euro. Das Ticket ist teurer, stimmt. Die Differenz ist tatsächlich Ihr persönlicher Schaden. Ich würde für diese Woche keine Wochenkarte kaufen, bei einer Monatskarte würde ich es geltend machen. Da könnte, je nach dem welche Sie brauchen, eventuell ein Viertel wieder drin sein.

Aber eigentlich geht es gar nicht um mich als Kunde…

Seltsamer Weise ist das aber gar nicht die häufigste Kritik, die man so hört. Die häufigste geht so:

Kein Mensch will das Streikrecht in Frage stellen. Aber vielleicht sollte man allmählich die Verhältnismäßigkeit in Frage stellen. Wenn ein Streik eine ganze Volkswirtschaft gefährden kann . . . Alles hat Grenzen, auch das Streikrecht.

Die spannende Frage lautet dann aber: Wo machen wir diese Grenze fest? und – wichtiger fast, will mir scheinen – wer legt die fest?
Wenn Arbeitnehmer streiken entsteht dem Unternehmen ein finanzieller Schaden. Das wiederum ist stets ein Schaden für die ganze Volkswirtschaft; Denn bestreikt werden in aller Regel eher sehr große Unternehmen – und da bemerkt man das auch auf Volkswirtschaftlicher Ebene.
Wann also ist der Schaden für die Volkswirtschaft (interessanter Begriff an der Stelle, übrigens) zu groß, was ist die Grenze? Wenn man bei Lidl nicht mehr um 19:30 Uhr einkaufen gehen kann? Wenn mein Zug nicht fährt? Wenn mein Paket erst übermorgen kommt? Oder wie?

Es ist ja nun nicht so, daß die Wirtschaft des Landes deswegen zusammenbrechen würde. Ganz im Gegenteil. Vielleicht stockt es grad mal ein bißchen. Aber mal ehrlich: Da werden gerne Zahlen in den Raum geworfen und so richtig weiß keiner, wo die eigentlich herkommen. „Ökonomen“ „schätzen“, daß der Streik bislang „die deutsche Wirtschaft“ „bis zu 500 Millionen“ gekostet haben soll.

Wer sind denn diese „Ökonomen“? Der große Streik 2007/2008 hat angeblich um die 500 Millionen Euro gekostet – und zwar „die deutsche Wirtschaft„. Schon damals war hinterher klar, daß die große Panikmache von täglich dreistelligen Millionenkosten ziemlicher Unsinn war. Das dürfte heute auch nicht anders sein, und trotzdem werden – gerade bei bestimmten Zeitungen – gerne nicht namentlich genannte „Ökonomen“ zitiert, die uns wieder die gleiche Panik zu amchen versuchen.

Andere, wie das Institut der deutschen Wirtschaft, werden wenigstens hin und wieder genannt und sprechen von „bis zu 100 Millionen Euro am Tag„, die das an Kosten verursachen soll. Andere zitieren „zwischen 50 und 100 Millionen„. Okay, nehmen wir das mal einfach an und gehen von 100 Millionen aus. Das bedeutet, „die deutsche Wirtschaft“ setzt pro Tag etwa 100 Millionen Euro mit der Bahn um. Insgesamt natürlich bedeutend mehr. Und da ja immer alle zitierten Experten im Zitat hochgradig nebulös bleiben, woher denn die Zahlen kommen und worauf sie sich beziehen, gehe ich jetzt einfach mal davon aus, die meinen das Bruttoinlandsprodukt. Das betrug in Deutschland 2014 immerhin 2.903,8 Milliarden Euro. Oder 2,9 Billionen Euro. Suchen Sie sich’s aus. Davon – nach Rechnung der Experten, wie sie uns von Seiten der Presse erklärt werden – stammen 36,5 Milliarden Euro durch den Bahnumsatz.

Das ist garantiert alles Quatsch, lassen Sie sich von mir nicht kirre machen. Mir geht es drum, daß Sie aufhören den Zahlen, die da in den Raum geworfen werden, zu glauben sondern diese mal hinterfragen. Denn alleine, indem man die Angaben und die Art der Präsentation in den Medien vorrechnet, wird einem eigentlich der Unsinn schon deutlich.

Also, wenn wir von den genannten Zahlen ausgehen, kostet ein Bahnstreik der Dauer von 30 Tagen (Immerhin ein Monat!) also 3 Milliarden Euro, was 0,1 % unseres Bruttoinlandsproduktes ausmacht. Bei den 10 Tagen in diesem Jahr bis jetzt (angenommen, dabei bleibt es und das BIP wäre gleich) wären es also 0,03% des BIP. Seltsamer Weise ist das nicht die Schlagzeile in der BILD-Zeitung.

Die Zahlen sind, ich betone das nochmal, Unsinn. Es ist simple Rechenspiele die Ihnen zeigen sollen, daß die Angaben über Kosten eines Streiks insbesondere im Vorfeld einfach keinen Sinn ergeben, wohl aber zur Meinungsmache genutzt werden können. Dazu bedient man sich manchmal sogar einer geschickten Fehlinterpretation und macht aus den 500 Millionen Kosten insgesamt einfach mal 500 Millionen am Tag. Geht auch. Oder aber so wie die Shz: Da werden aus den 500 Millionen oder den 100 Millionen oder wie auch immer plötzlich 500 Milliarden – und 100 Milliarden täglich.

Das ist beeindruckend. Bei 100 Milliarden Euro Umsatz am Tag könnte die Bahn alleine Die Eurozone retten. Das schafft nichtmal die Deutsche Bank, ist aber bislang (12:00 Uhr) keinem aufgefallen…

Geld verdienen mit dem Bahnstreik

Nebenbei, noch eine Randbemerkung: Nicht nur die Konkurrenten der Bahn im Bus- und Zugbereich freuen sich, auch die Bahn selbst. Jetzt kommt wieder eine Milchmädchenrechnung, aber interessant finde ich die Idee schon:

Angeblich beträgt beim Preis einer Fahrkarte, insbesondere bei Monatstickets, der Anteil der Personalkosten etwa 70% des Preises. So ganz glaube ich das nicht, aber okay. Wenn jetzt von diesen Tickets nicht alle erstettet werden müssen – aber auch kein gehalt gezahlt werden muß…. könnte sich so ein Streik lohnen, denn es gibt Geld, ohne daß geleistet werden muß.

Naja. Wie gesagt, Milchmädchenrechnung. Ist natürlich Unsinn. Aber eingehen wird die Bahn schon nicht, keine Angst. Entspannen Sie sich. Es ist höhere Gewalt. Gehen Sie einfach mal wieder ein Stück zu Fuß.

ISDS – Die Sache mit den Schiedsgerichten in 206 Sekunden

Neben der letzten Anstalt – unbedingt gucken! – klärt auch dieses Video sehr nett über die eigentlichen Probleme des TTIP auf:

Interessant oder? Wenn Sie sich nicht mißbrauchen lassen wollen, dann zeichnen Sie bei Campact mit.

Wie vermeidet man eigentlich… Müller?

Man sollte ja grundsätzlich der Firma Molkerei Alois Müller GmbH & Co. KG („Müllermilch“) keine Produkte abkaufen. Nicht nur, weil Müller gentechnisch verändertes Futter für die Milchkühe nachgewiesen wurde (Seit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes 2010 darf man sogar „Gen-Milch“ sagen, obwohl das faktisch falsch ist), sondern vor allem weil Müller mit Hilfe von Steuergeldern Arbeitsplätze vernichtet hat.

Echt? Es gibt da so einen im Netz seit Jahren kursierenden Text, der Theo Müller eine Menge unterstellt, auch eine – wohl eher auszuschließende – Nähe zur NPD. Müller ist in der CSU (logisch) und hat sein natürliches Habitat im allgegenwärtigen bayerischen Spezltum gefunden. Allerdings ist es richtig, daß Müller mit Hilfe von EU-Subventionen (und damit mit Ihrem Steuergeld!) Arbeitsplätze vernichtet hat. Zudem hat er die Kleinaktionäre von Sachsenmilch beim Kauf gleich mal über den Tisch gezogen. Das war alles völlig legal, es mangelte da halt nur an Anstand.

Apropos Anstand: Kaum einer wird sich daran erinnern, wie sich Müller im Kampf um den Milchpreis engagiert hatte: Die organisierten Bauern, die im Rahmen der Milcherzeugergemeinschaften für einen besseren Milchpreis stritten wurden von Müller einfach nicht mehr bedient; Müller schickte sogar einen Brief an die Bauern mit einer Austrittserklärrung aus den MEG und erklärte ihnen, daß Müller künftig die Milch von in den MEG organisierten Bauern nur für 11 cent/Liter weniger abnehmen würde. Erinnert an frühes unternehmerisches Handeln bei der Bekämpfung der Idee von Gewerkschaften. Demonstrationen von Seiten der Bauern waren natürlich auch unerwünscht.

Am Standort Leppersdorf (der mit der Subventionsgeschichte) sitzt die „Sachsenmilch“, auch ein Teil von Müller. Dort wollte Müller eine Müllverbrennungsanlage zur Stromerzeugung für den Eigenbedarf bauen, was die Bewohner aber gar nicht lustig fanden und per Bürgerentscheid abgelehnt haben. Müller als christsozialer Unternehmer sah den demokratisch bekundeten Bürgerwillen und verschob daraufhin die geplante Anlage um fünf oder sechs Meter und schon war es ein „anderer Standort“, der nicht vom Bürgerentscheid berührt war. Unternehmerisches Handeln passt eben nicht immer zur Demokratie. Also gab es einen neuen Anlauf zum Bürgerentscheid, diesmal beendete die Firma allerdings die Planungen für das Kraftwerk, wahrscheinlich weil klar war, wie das ausgehen würde. Dank ausgiebiger Freundschaften der Firma zur Landesdirektion Sachsen ist inzwischen trotzdem ein Kraftwerk genehmigt, allerdings immerhin ein Gaskraftwerk.

Auch im Umgang mit Körperverletzung ist Theo Müller nicht gerade zimperlich, freute er sich doch darüber, daß man Greenpeace-Demonstranten bei Minusgraden vor seinem Werk naßgespritzt hat und ging selbst auch schon einmal auf Demonstranten und Reporter los. Natürlich zahlte er dann ein bißchen Geld an karitative Einrichtungen (nicht etwa an die Opfer), damit das Verfahren eingestellt wird. Daß der Mann seine Steuern nicht bei uns zahlen möchte und deswegen in die Schweiz geflüchtet ist, muß man nun nicht extra erwähnen, oder?

Fazit: Kaufe nicht bei Müller

Nur wie vermeidet man es, der Firma sein Geld zu überlassen, wenn auf der Verpackung gar nicht „Müller“ draufsteht? Ein schönes Beispiel sind die Produkte der (bis 2000 staatlichen) Molkerei Weihenstephan. Auf deren Unternehmensseite findet sich nicht der kleinste Hinweis darauf, daß die Firma in Wahrheit der Unternehmensgruppe Theo Müller gehört.

Auch bei der Sachsenmilch („Pink macht glücklich“, *kicher*) in Leppersdorf steht nicht, daß es Müllermilch ist. Vielleicht liegt es am Datenschutz laut Impressum: „Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, den Belangen des Datenschutzes so umfassend wie möglich Rechnung zu tragen.“, steht da. Sogar die Beteiligung von Müller wird geschützt. Immerhin, auf der Unternehmenswebsite mit dotcom dahinter findet sich unter Stellenangebote ein Querverweis auf die Muellergroup.

Da kann man sich Informieren, was man nicht einkaufen sollte. Ich zähle auf:

1. Milchprodukte:

2. Andere:

Es gibt weitere Unternehmensteile, zum Einen die internationalen wie in Großbritannien (Müller UK und Müller Wiseman Dairis), Italien (Müller Italien), Holland (Almhof), Tschechien (Mlékárna Pragolaktos) oder Polen (Lisner), zum Anderen natürlich die Bestandteile, die für den Be- und Vertrieb der Müllerprodukte nötig sind wie OptiPack (Verpackungen), Culina (Logistik), Fahrzeugtechnik Aretsried (Wartung) und Müllerservice (Management). Gerade letztere wird man als Endkunde aber praktisch gar nicht antreffen, erstere bei Reisen – und bei uns auch im Supermarkt! – vielleicht schon.

Das war nun eher einfach. Der komplizierte Teil ist es, die Eigenmarken der Supermärkte zu identifizieren, die in Wahrheit Müller, bzw. TMA-Molkerei-Produkte sind. Das steht – oh Wunder – nicht auf der Unternehmensseite von Müller. Hier ist man auf Hilfe wie die Seite Wer-zu-Wem angewiesen, die versucht, eine vollständige Liste aufzuführen. Ich beziehe mich daher bei den folgenden Angaben auf diese Seite und hoffe, daß die das einigermaßen aktuell halten.

Aldi:
Milch Milsani (Aldi Nord) (Sachsenmilch)
Desserts Ursi (Aldi Nord) (Sachsenmilch)
Joghurt milfina (Aldi Nord) (Sachsenmilch)
Cremadiso Joghurt (Aldi Nord) (Sachsenmilch)
Desira Milchreis (Aldi Süd) (Sachsenmilch)
Ofterdinger Fleischsalat (Aldi Nord) (Homann Feinkost)
Wonnemeyer Fleischsalat (Aldi Süd) (Homann Feinkost)
Delikato Tomaten Ketchup (Aldi Nord) (Homann Feinkost)
Zigeunersalat (Aldi Nord) (Homann Feinkost)

Lidl:
Pianola Joghurt (Sachsenmilch)
KingFrais Grießdessert (Sachsenmilch)
Milbona Buttermilch (Sachsenmilch)
Lisner Feine Sahne-Heringsfilets (Nadler)
Vitakrone Thunfischsalat (Homann)

Edeka:
Heringsfilets Gut & Günstig (Nadler)

Kaufland:
K-Classic Sahne Milchreis (Sachsenmilch)

Rewe:
Salatdressing Sylter Art (Rewe) (Homann)
Ja! Fleischsalat (Homann)

Die hier genannten sind allerdings sicher nur ein kleiner Ausschnitt; Nadler und Homann habe ich zum Beispiel auch bei Tengelmann schon gesehen, deren Eigenmarken „Star Marke“ und „Attraktiv und Preiswert“ haben auch Firmen hinter sich, die man mit Hilfe von Büchern gut entschlüsseln kann – vielleicht komme ich mal dazu, auch die endlich zu lesen. Bei Lidl kann man sich grob daran orientieren, grundsätzlich keine Waren der Marke „Milbona“, bei Aldi keine der Marke „Milsani“ zu kaufen. Weiterhelfen kann bei anderen Produkten die Veterinärkontrollnummer, die mit denen der Stammhäuser Sachsenmilch (SN 016) und Alois Müller (BY 718) übereinstimmen. Immerhin, diese Marken konnte ich (mit Hilfe der EWG Prüfziffernliste)  identifizieren bislang:

  • Almsana
  • Biac
  • Duo’R
  • Der Käsermeister
  • elite
  • Grazil
  • Mibell
  • Naturis
  • Norasan
  • Pianola
  • TIP.

Was ich in dieser Woche sicherlich noch machen werde ist, eine ungefähre Aufstellung zusammenzusuchen, welcher Supermarkt da eigentlich wem gehört; Das ist auch ein bißchen kompliziert.

Aber wir wollen ja nicht abschweifen; Ziel des Artikels war es ja, den Menschen, die versuchen ein bißchen verantworetungsbewußt einzukaufen und Unternehmergeistern wie Theo Müller aus dem Weg zu gehen, einen kleinen Leitfaden zusammenzustellen.

Freiheit beim Einkaufen? Mitnichten.

Natürlich haben wir auf den ersten Blick einen freien Markt; Wenn Sie bestimmte Produkte kaufen wollen weil sie Ihnen schmecken ist das Ihr gutes Recht. Wenn Sie allerdings manche Firmen wegen ihrer Methoden aussparen wollen, haben Sie schon bedeutend schlechtere Karten, weil die Firmen nicht gezwungen sind, draufzuschreiben was wirklich drin ist.

Wer versucht, verantwortungsbewußt und vielleicht auch nachdenklich einzukaufen wird von dem beinahe unentwirrbaren Geflecht auf dem Markt daran gehindert – nicht nur was die Eigenmarken angeht, sondern auch bei „richtigen“ Marken – denn wem gerade welche Firma gehört ist zwar öffentlich nachvollziehbar, aber so komplex und variabel, daß praktisch keine Chance besteht. Das ist keine Freiheit, sondern das Gegenteil.

Daran müsste die Politik eigentlich dringend etwas ändern. Die Freiheit braucht nämlich eine Vorbedingung: Infomation. Wahlfreiheit kann ich als Konsument nur haben, wenn ich auch informiert werde wo was drin ist. So wie Demokratie auch nicht ohne Bildung und unabhängige Information auskommt.

Ich würde die Leserschaft dieses Artikels darum bitten, mir weitere Beispiele für „Müller drin – nicht drauf“ zu schicken – am besten an Lastknightnik (at) googlemail.com. Vielleicht schaffen wir ja mal eine vollständige Liste. Helfen können einem Seiten wie der food monitor, allerdings muß man da bezahlen um an alle Infos ‚ranzukommen.

Guttenbergs Köhler

In den vergangenen Tagen unserer Republik gab es ein Ereignis, das bislang kaum Reaktionen hervorgerufen hat und das wahrscheinlich nur deshalb, weil es der richtige vorgetragen hat.
Die Rede ist diesmal von der letzten Äußerung unseres Raubritterbarons zu Guttenberg. Wie dem interessierten Leser ja sicherlich bekannt ist, wiederholt der „Platitüden-Baron“ recht gerne Äußerungen von zweifelhafter Qualität, nur daß er sie halt schön sagt. Ob das bei Michael Glos der Fall war, als Guttenberg Glos als Wirtschaftsminister ersetzte, oder nun bei Horst Köhler.
Köhler, wir erinnern uns, trat zurück nachdem ein nicht unerheblicher Teil der Republik entsetzt zurückschreckte, weil er versehentlich ein bisschen aus dem Nähkästchen plauderte. Angriffskriege seien zu rechtfertigen, wenn dabei wirtschaftliche Interessen geschützt werden. Sowas spricht man aber nicht aus, das macht man nur und redet nicht drüber. Also mußte Köhler zurücktreten mit der lächerlichen Begründung, das Amt des Bundespräsidenten werde beschädigt wenn an Äußerungen des Bundespräsidenten Kritik geübt wird.
Das hat was Päpstliches, nicht wahr?
Vollkommen zu recht hat die anständige Mehrheit der Bevölkerung irritiert reagiert, als ihr Staatsoberhaupt der Presse erklärte, daß das Erschießen junger Menschen im Namen der Bilanz schon in Ordnung sei. Köhler hat das Amt des Bundespräsidenten damit um eine weitere Facette bereichert: Bewies er bis dahin sehr schön, wie überflüssig er im Grunde ist, hat er am Ende auch noch gezeigt, daß es nach Heinrich dem Lübke noch peinlichere Präsidentenversuche geben kann. Vermissen Sie nicht auch manchmal Papa Heuss? Als Präsidenten noch Anstand hatten und ordentliche Menschen mit Lebenserfahrung waren? Was hatten wir denn da zuletzt? Herzog, der nicht rechnen konnte, Rau, der nur predigen konnte und die Presse überforderte, Köhler, der aus Westerwelles Küche hervorging und jetzt Kermit den Frosch. Zwischendurch wäre es fast ja mal noch Schäuble geworden und das wäre ein Grund gewesen seine Staatsbürgerschaft abzugeben.
Nun gab es schon öfter peinliche oder dumme Aussagen, die Politiker am Ende die Karriere gekostet haben (auch wenn ich mich ernsthaft Frage, ob ein zurücktretender Bundespräsident seine Karriere beendet oder wieder aufnimmt). Selten jedoch springt ihm einer dabei noch bei. Tat damals auch keiner.
So zogen ein paar Tage ins Land und die Sache wurde vergessen. Horst wer..? könnte sich der Deutsche schon wieder fragen
Und da taucht Guttenberg wieder auf und verteidigt Monate später den ehemaligen Präsidenten. Bestätigt die Aussagen des Mannes und erklärt das für richtig, was selbigen Präsidenten das Amt gekostet hat. Hallo?
Finden Sie es nicht auch bedenklich, daß ausgerechnet der Verteidigungs- (vulgo: Kriegs-) Minister einen Angriffskrieg zur „Verteidigung“ von wirtschaftlichen Interessen für gerechtfertigt hält? Soll uns das auf irgendwas vorbereiten?
Im Irak steht Deutschland derzeit nicht und das lediglich, weil Merkel damals noch nicht Kanzlerin war. Die wollte das nämlich damals als Oppositionschefin. Ist sogar extra nach Amerika geflogen um den amerikanischen Präsidenten Bush ihrer eigenen uneingeschränkten Solidarität zu versichern. (Was sie nicht daran hinderte, einige Zeit später dem oppositionellen Präsidentschaftskandidaten Obama zu erklären, als Nichtregierungsvertreter habe er im Ausland, sprich in Deutschland, nichts zu suchen.) Die wahrscheinliche Folge: Terroranschläge in Deutschland und damit Rechtfertigungen für weitere Angriffskriege.
Zu der Zeit war ich wehrpflichtig und tat meinen Dienst bei der Infanterie. Wäre Merkel damals Kanzlerin gewesen würde ich heute vielleicht im Irak auf Zivilisten schießen müssen. Oder selbst erschossen werden.

Für eine Handvoll Dollar.