Man müsste sich freuen, aber…

Der Vorstoß der CDU zum Thema Mindestlohn hat kollektiv überrascht. Sowohl Ursula von der Leyen als auch Angela Merkel sprechen plötzlich wie die „verrrückten Linken“ (Sprich: Alle anderen, abgesehen von der FdP vielleicht) von vorhandenen und kommenden Problemen wie Altersarmut, Menschenwürde und Grundversorgung. Dieser Erkenntnissprung wäre ein Grund zu Freude wenn nicht…

… wenn nicht doch wieder Union draufstünde. So begeistert die Zeit (wie andere) auch berichtet und sowohl SPD wie auch Gewerkschaften sich vorsichtig positiv äußern, so wenig Analyse scheint für diesen Vorstoß gegeben. Wie das Deutschlandradio hier und hier berichtet äußert sich der allseits so beliebte Christian Lindner wunderschön mit den Worten: „Wir verstehen das nicht und müssen es auch nicht verstehen“. Auch der Hundt der Nation ist natürlich sauer, aber auch er warnt gleich vor Arbeitsplatzverlusten und so weiter.

Aber einer, der da mal analysiert? Nö.

Was genau fordert denn der Antrag der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft von der Union?

Ich zitiere: „Wir wollen eine durch die Tarifpartner bestimmte und damit marktwirtschaftlich organisierte Lohnuntergrenze und keinen politischen Mindestlohn.“ Das bedeutet, daß sich die Tarifpartner auf eine Lohnuntergrenze einigen sollen und zwar in den Branchen, in denen es derzeit keine Tarifverträge gibt. Und warum gibt es keine? Na weils in der Regel in diesen Branchen an Tarifpartnern mangelt.

Auch wenn es inzwischen sogar für Zeitarbeiter gelungen ist, einen Mindestlohn einzuführen (der tatsächlich lächerlich niedrig ist), so gibt es nach wie vor gerade im „Niedriglohnsektor“ eine gigantische Menge an Aufstockern. Diese Aufstocker sind letztendlich kaschierte Arbeitslose, denn sie werden nicht in der Statistik geführt (woführ sich die Regierung ja immer wieder schön bejubelt), stehen aber trotz eines Arbeitsplatzes um die Stütze vom Staat an. Dazu gibts dann aus den neoliberalen Kreisen der Bevölkerung immer noch zynische Kommentare der Kategorie „Die sollen sich halt eine besser bezahlte Arbeit suchen, der Markt regelt das“ Nett, gell?

Der Antrag nun fordert konkret, daß überall dort, wo die Beschäftigten in Betrieben arbeiten, die sich nicht an die Tarifpartner gebunden fühlen, eine Gesetzgebung greifen muß. Nach wie vor wollen sie die Tarifautonomie unangetastet lassen, sondern nur dort handeln „wo die Tarifautonomie nicht mehr greift“.

Was ist positiv an diesem Vorstoß?

Eine Reihe von Dingen fallen positiv auf und das muß auch ehrlich benannt werden:

  • die CDU erkennt damit endlich an, daß sich die Spielregeln des Martktes eben verzerrt haben weil Dumpinglöhne möglich sind
  • Die CDU begreift, daß der niedriglohnsektor schweineteuer ist und noch teurer wird sobald diese Menschen alt sind
  • Die Festlegung auf eine Lohnuntergrenze ist die Erkenntnis der CDU, daß die Arbeitgeber und zwar einseitig seit den 90er Jahren aus den Tarifverträgen herausgehüpft sind. Nicht alle, aber eine große Mehrheit.

Und was ist negativ?

Mehreres. So zeitgemäß der Vorstoß ist, so absurd sind einige Elemente auch:

  • Die Höhe am Mindestlohn für Zeitarbeiter zu orientieren ist eine interessante Idee, auch wenn die Höhe tatsächlich sehr gering ist. Aber zeitgleich wird gefordert daß Zeitarbeiter letztlich den gleichen Lohn für die gleiche Arbeit erhalten sollen. Sprich: Die Erkenntnis, daß Zeitarbeiter schlecht bezahlt sind wird mit der Forderung, andere auch so zu bezahlen verknüpft…
  • Die grundsätzliche Hinwendung an die Tarifpartner ist eine typische CDU-Sache, der gesetzliche Mindestlohn wird aber nach wie vor abgelehnt. Die Gewerkschaften fordern 8,50€ was im europäischen Vergleich eher moderat ist und der wirklich wichtige Unterschied ist die Tatsache, daß ein gesetzlicher Mindestlohn gefordert wird. Es ist nämlich durchaus so, daß zum Einen nicht alle Gewerkschaften wirklich im Sinne ihrer Mitglieder streiten und zum Anderen sind die Gewerkschaften eben nicht überall vertreten. Solange der Gesetzgeber nicht eingreift wird sich aber nichts wirklich ändern.

Wie ist das zu bewerten?

Das gehört zu den interessantesten Elementen. Zunächst einmal muß man sich darüber im Klaren sein, daß der Vorschlag nicht neu ist, er stammt eigentlich aus dem Mai 2011. Auch muß man sich klarmachen, daß die allseits beliebte Behauptung, daß sich durch Mindestlöhne Arbeitsplätze vernichten lassen, einfach nicht stimmt.

Dennoch lässt die Hinwendung der Kanzlerin zu dem Thema erahnen, wie es um die Regierung bestellt ist:

  1. Merkel bereitet wohl die nächste Große Koalition vor. Ihr ist klar, daß Schwarz-Gelb nur dann 2013 überleben kann, wenn sie bis dahin den Kriegsfall ausrufen kann.
  2. Der generelle Linksruck der CDU (Atomausstieg, Abschaffung der Wehrpflicht, Frauenquotendebatte) ist interessant und zeigt, daß die Partei ziemlich Angst hat, die gesellschaftlichen Realitäten gänzlich aus den Augen zu verlieren. Würde man die CDU als politischen Arm der Kirche verstehen so wäre das Verkennen der Wirklichkeit ja noch nachvollziehbar, aber eigentlich wirkt die CDU durch den Aktionismus nur noch hilfloser.
  3. Merkel verärgerte zuerst die CSU (Steuersenkungsdebatte) und nun die FdP. Das ist seltsam – zumal sie in letzter Zeit auch beginnt, gerade bei europäischen Fragen mit der Opposition zu regieren. Dagegen spricht nichts, aber man muß sich schon fragen wohin die Kanzlerin ihre CDU da führt. Ist das eigentlich noch ein vernünftiges, parlamentarisches System, wenn die Regierung zerstritten ist und eine Regierungspartei dann mit der Opposition regiert?

Übrigens: Der BDA reagierte besonders lecker: „Die Produktivität der Köchin, des Wachmanns oder der Pflegerin lasse schlicht keine höheren Entgelte zu, argumentiert der BDA. Wenn denen das nicht zum Leben reiche, müsse eben die Gemeinschaft der Steuerzahler einspringen und den Lohn aufstocken.“ Da fällt es schwer, den Begriff mit dem A am Anfang und mit dem Loch am Ende nicht zu verwenden.

Interessant…

In den „finsteren Tagen“ der Großen Koalition hatte sich die Medienwelt mit einer gewissen Freude auf die SPD eingeschossen. Egal ob es konservative Zeitungen waren wie die FAZ oder gar irgend ein Brechreizblatt wie die Passauer, auch liberale und gar eher linksgerichtete Zeitungen gaben sich kräftig Mühe, die SPD aus der Regierung zu schreiben und das mit überwältigendem Erfolg.

Beobachtet man nun gerade als „Sozi“ die Medienlandschaft, so stellt man wenig überraschend fest, daß sich eigentlich nicht viel geändert hat mit einem Unterschied: nach wie vor werden die konservativen SPD’ler rund um den Seeheimer Kreis und vor allem die Netzwerker eifrig hoffiert.

Ein sehr interessantes Nebenspiel stellten die Tagesthemen gestern dar: Steinmeier, ein wichtiges Element der Troika von Gabriel, Steinbrück und ihm selbst wurde interessant und geradezu persönlich (aber wenig inhaltlich!)  befragt während zuvor bereits bei Jauch die SPD in Form von Steinbrück hoffiert wurde – man hatte sogar extra Helmut Schmidt zum Bauchpinseln bestellt. Es stellt sich die Frage, was genau wollen uns unsere Herren und Damen Massenmedien denn sagen – und in wessen Auftrag?

Abgesehen davon, daß ich von Steinbrück, nachdem ich ihn persönlich ein, zwei Mal erlebt habe, relativ große Stücke als Menschen halte, verbindet mich eigentlich nicht sehr viel mit ihm. Im Gegenteil – politisch sehe ich viele Dinge ein wenig anders als er, aber das ist ja das Schöne an der SPD, man darf auch eine eigene Meinung haben und diese diskutieren.

Ein bißchen irritiert mich aber schon, wie der Hype um Steinbrück getrieben wird – geradezu ausgerufen wird er als „logischer“ Kandidat. Ähnliches passierte hier in Bayern wo ausgrechnet Christian Ude nun Chef werden soll. Auch auf Ude halte ich persönlich große Stücke – der Mann hat viel Humor und ein angenehmes, intellektuelles Wesen – aber mir passt diese Haltung nicht, daß es unbedingt der sein muß „mit dem man Erfolg haben (könnte)“. Politik hat viel mit Inhalten zu tun und was ist in Bayern denn grad der Brenner – jedenfalls in Oberbayern? Genau: Die dritte Startbahn für den Münchner Flughafen. Ich will das hier noch nicht diskutieren aber soviel dazu: Sowohl die Bayern- wie auch die BundesSPD haben sich ziemlich klar dagegen ausgeprochen. Die, die das wollen sind neben der CSU vor allem die Betreiber des Münmchner Flughafens – und das sind ziemlich üble Outsourcer und Lohndumper. Auch würde München zum Drehkreuz ausgebaut, also gar nicht mehr Fluggäste aus der Region ziehen sondern nur Umsteiger bedienen. Mehr Flugverkehr für weniger Arbeitsplätze aber – und das ist wohl der Punkt – mehr Tourismuswerbung, mehr Gewerbesteuer, mehr Umsatz für die, die schon haben.
Die SPD hatte einen Parteitagsbeschluß gefasst der sich gegen diese Startbahn aussprach – auch im Hinblick auf die kleineren Flughäfen in Bayern (von denen m.E. nach zumindest Hof ohnehin so überflüssig wie ein Kropf ist aber sei’s drum). Nun, dank einem seeehr vorzeitigen Presserummel rund um Ude, hüpft die BayernSPD sobal der Journalist winkt. Ab in die Manege!

Und genau den selben Unsinn droht – nicht zum ersten Mal – die BundesSPD nun auch zu machen. Springen Steinmeier und Gabriel noch immer auf jede hochgezogene Augenbraue des tiefgezogegen Mundwinkels, sprich: sobald irgendwo ein Rot-Rot droht packt die CDU die Ypsilantifalle aus und die BundesSPD überschlägt sich in der Beteuerung, keinesfalls mit irgendwelchen „Spinnern“ koalieren zu wollen, so soll nun auch die Partei auf Befehl von Presse und der diese bezahlende via Anzeigen unterstützende Finanzwirtschaft hüpfen.

Natürlich ist alle Programmatik, alle Prinzipienreiterei wie ich sie hier in meiner kleinen Ecke des Internets treiben kann eine schöne Sache, reden wir also mal Realpolitisch Tacheles und vor allem mal in Zahlen. Damit die SPD den Kanzler stellen kann müssen drei Dinge eintreten:

  • Die SPD muß stärkste Kraft noch vor der CDU/CSU werden. Das ist, nach Stand der Dinge, unrealistisch. Da fehlen 5% nur alleine in den Umfragen – und angesichts der Tatsache, daß die SPD noch  nicht wieder als Partei der Menschen, sondern als „Genosse der Bosse“ wahrgenommen wird, wird ihr da nicht drüberhelfen. Warum CDU light wählen wenn ich CDU haben kann?
  • CDU/CSU und Grüne dürfen nicht auf eine gemeinsame Mehrheit kommen. Sollte das geschehen ist das eine ziemlich wahrscheinliche Koalition, auch wenn sich bislang alle öffentlich davor sträuben. Tatsächlich ist der durchschnittliche Grünenwähler mit dem der FdP gar nicht so verschieden, lediglich die Politisierung ist bei den Grünen höher und dementsprechend ein vierlerorts vorhandenes Problembewußtsein.
  • Die FdP muß doch die 5% knacken und die Piraten dürfen nicht zu stark werden. Ohne Witz: fliegt die FdP raus könnten die Piraten eher versehentlich Steigbügelhalter für eine Große Koalition oder Schwarz-Grün werden, käme die FdP wieder rein wäre sogar trotz allem eine Schwarzgelbe Fortsetzung denkbar., schlicht weil andere Mehrheiten fehlen.

Niemand will die FdP wieder im Parlament. Eigentlich nie wieder. Alleine die widerwärtige Arroganz von Christian Linder beim Kommentar zum Jauch’schen Politikhampeln war prägnant: „Wenn Peer Steinbrück stärker die Nähe von Helmut Schmidt als von Sigmar Gabriel sucht, dann enthüllt das die Identitätskrise der SPD“, sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner am Sonntag in Berlin. „Steinbrück und Schmidt loben noch eine Agenda-Politik, die die Gabriel-SPD schon längst auf Parteitagen wieder abgewickelt hat.“ So wie Helmut Schmidt als Bundeskanzler seinerzeit die Unterstützung der eigenen Partei verloren habe, so stehe überdies Peer Steinbrück heute noch nicht einmal vor einer möglichen Kandidatur für das Programm der SPD. „Das ist die Figuren-Konstellation einer griechischen Tragödie.“ Lindern empfahl Steinbrück, er solle in seiner Partei lieber für seine politische Linie kämpfen, statt „als Buchautor die Republik zu bereisen und den Vorwahlkampf Barack Obamas mit provinzielleren Mitteln kopieren“.“ Und das von der Partei, die bei der erstbesten Gelegenheit Heckenschütze spielte und Helmut Schmidt politisch in den Rücken schoss. Na Prost Mahlzeit.

Aber selbst wenn die FdP nicht reinkommt könnte es für Rot-Grün dennoch schwer werden – gerade wegen der Piraten. Sie könnten damit Merkel unbeabsichtigt zu einer dritten Kanzlerschaft verhelfen. Zumindest so lange sich Steinbrück (oder wer auch immer aus der SPD) weigert, eine Koalition mit der Linken einzugehen.

Und vielleicht ist das auch genau das Ziel: Austauschbarkeit bei den Kandidaten, Uniformität bei den Inhalten. Sollte die SPD wider Erwarten den nächsten Kanzler stellen werden wir von der Anstandsseite – also von den echten Sozialdemokraten – aber gehörig mitreden!

Lieblingsspiel – Dead Island

Zugegeben, ich mag Zombiefilme. Und ich wollte schon immer mal in einem mitspielen, dank Deep Silver geht das jetzt sogar. Und zwar richtig. Aber: Das Spiel ist wirklich nur für Erwachsene!

Ein bißchen verwundert hatte mich, daß die BPJM noch nicht dazugekommen ist, das Spiel aus den deutschen Läden zu holen (Siehe Nachträge). Ich kann mich nicht erinnern, jemals etwas so heftiges auf meinem Monitor gehabt zu haben, selbst Left 4 Dead (Das eigentlich stinklangweilig ist) war nicht so exzessiv brutal. Auch andere Spiele mit Horrorelementen (wie Doom zum Beispiel) waren nicht so deftig.

Hatte man es in Doom noch hin und wieder mit Zombies, hauptsächlich aber mit Monstern zu tun, die den ″Buh-Effekt″ ausnutzen bis er langweilig und vorhersehbar wird, kennt Dead Island nur eine Gruselvariante: Den Bluteffekt. Und zwar an Menschen und an Zombies. Manche der Überlebenden, auf die man trifft, versuchen die Situation auszunutzen (insbesondere Kriminelle und ein lokaler Rebellenführer) und wollen daher vom Spieler erschossen werden, ansonsten ist die Insel übersät mit den lebenden Leichen seiner Bewohner.

Am Anfang steht die Apokalypse
Aber vielleicht von Anfang an. Man beginnt in einem Hotelzimmer nach einer Party, die man nur als Intro erlebt hat. Als einer von vier Charakteren erwacht man am nächsten Morgen und das Hotel ist von Schreien erfüllt. Also begibt man sich hinaus und wird nach kurzer Zeit von Zombies gejagt….

Andere Überlebende retten den Spieler zunächst und ab jetzt ist es ein Open-World Rollenspiel mit den üblichen Regeln: Erfülle Aufträge für Charaktere und bekomme Belohnungen, Parallel entwickle die Hauptgeschichte weiter. Diese führt den Spieler zunächst durch das traumhaft schöne Ferienresort und dann in die Stadt, wo er sich hauptsächlich damit beschäftigt, die Überlebenden zu retten und ihnen sichere Zonen zu verschaffen, wo sie leben können. Etwas schräg wird das Ganze in der Stadt, wo sich Überlebende in einer Kirche versammelt haben und man von der Ordensschwester Helen als Belohnung einige ziemlich unchristliche Waffen bekommt. Der Weg der Hauptquest führt den Spieler schließlich in den Dschungel und ein Labor, geführt von einer geheimnisvollen Stimme auf der Suche nach einem Heilmittel. Am Schluß wird der Spieler (oder die Spielergruppe, im Koop sind bis zu vier Spieler möglich) per Hubschrauber von der Insel entkommen – und alle Mühe war umsonst, denn das Militär macht Banoi mit einer Atombombe platt. Na toll.

Dann kam das Schnetzeln
Im Gegensatz zu anderen Open-World Rollenspielen ist der Charakter zum Einen nicht frei zusammenstellbar, zum Anderen geht es hauptsächlich ums Zombie zerfleischen. Dazu benutzt man alles, was in Griffweite liegt, also Stahlrohre, Paddel, Holzbretter und eine unüberschaubare Anzahl von Hieb-, Stich-, Wurf- und Schußwaffen.

Dabei ist die Grafik ein besonders hinterlistiger Feind: Gerade zu Anfang, wenn man sich an die offensichtlich auf Konsole getrimmte Steuerung noch nicht gewöhnt hat und mit einem Holzpaddel losgeschickt wird, sind die z.T. wirklich drastischen Bluteffekte recht schockierend und ablenkend. Im späteren Verlauf benutzt man allerlei Hackebeile, Äxte, Macheten und Säbel um die Untoten in handliche Portionen zu schneiden, Schußwaffen gibt es nur wenige im Spiel und sie sind auch eher für menschliche Gegner gedacht, da man damit die stärkeren Zombies kaum ausreichend verletzen kann.

Ja, verletzen: Die Nahkampfwaffen verursachen alle einen realistisch bis übertrieben dargestellten Schaden, also wundern Sie sich nicht, wenn auf einen Mausklick plötzlich Gliedmaßen fliegen. Garniert wird das Ganze mit einer Reihe wirklich ekelerregender Zombies wie dem Selbstmörder, der sich in Spielernähe in einer Blut- und Schleimfontäne selbst in die Luft jagt.

Dahinter steckt ein in Rollenspielen übliches Trefferpunktesystem das die Gegner der Stufe des Spielers (die wiederum aus Erfahrungspunkten generiert werden und sich in Fertigkeiten verbauen lassen) anpasst was ein bißchen schade ist, weil so keine ″besonders gefährlichen″ Zonen auf den Spieler warten. Stattdessen ist gefährlich oder nicht einzig und alleine davon abhängig, wieviele Zombies sich dort herumtreiben. Und das hat man schnell heraus, weil sie immer wieder am gleichen Punkt spawnen, sobald der Spieler ihn nur weit genug hinter sich gelassen hat. Den Strand also von Zombies zu befreien ist nicht möglich.

Irgendwann hat man aber die Spawnpunkte herausbekommen und das Spiel verliert viel von seinem Horror, weil das Überraschungselement fehlt.

Gute Plots, schwacher Plot
Die Story von Dead Island ist so kreativ wie ein Meter Landstraße: Standardkost für Zombiefilmkenner, denn natürlich ist das Militär irgendwie schuld und ein Voodoo-Kult der Eingeborenen spielt auch noch mit. Denen begegnet man später und darf dann hier den klassischen Buschmann – Stamm erleben, inklusive Bewährungsprüfung und stolzem Medizinmann. Wenn das ein Film wäre, würde so mancher Kritiker hier Rassismus vermuten.

Die Nebenplots sind allerdings sehr gut gemacht und erzählen alle eine kleine mehr oder minder dramatische Geschichte. Manche sind ziemlich traurig, andere zynisch und an schwarzem Humor haben es die Entwickler nicht fehlen lassen: So kann der Spieler beispielsweise in einer Hütte einen auf dem Bett festgeschnallten und fast unbekleideten weiblichen Zombie vorfinden, auf den eine Kamera gerichtet ist. Ein Coitus Interruptus, sozusagen. Daß man nach diesem Fund den Bauplan ″genagelt″ bekommt, grenzt dann schon an Satire. Andere Plots sind allerdings wirklich dramatisch, so trifft der Spieler beispielsweise ein Ehepaar, wobei der Mann gebissen wurde und nun in seinen letzten Zügen den Spieler losschickt, seine Frau vor ihm zu beschützen.

Logisch ist das Ganze nicht immer, so sucht man für manche Figuren Nahrung zusammen statt sie einfach zu den sicheren Bereichen zu bringen oder besorgt andere Hilfsmittel. Die Figuren schicken den (oder die) Spieler deswegen, weil seine Figur immun gegen die Seuche ist, angeblich weil er Blutgruppe 0 hat (mal eben die häufigste Blutgruppe, trotzdem nur vier auf der Insel?).

Realismus?
Die Grafik alleine sorgt für ein ziemlich hautnahes Erlebnis. Auch wenn sich die Modelle der Zombies nach einer gewissen Zeit dezent wiederholen, so gibt es wenigstens auf jeder Karte eine angepasste Auswahl. Am Strand also eher Urlauber, im Slum in der Stadt die Bewohner, im Gefängnis Gefangene und Polizisten. Das Zerhacken der Gegner (übrigens auch der menschlichen, nicht nur der verwandelten!) führt zu einer Abnutzung der Waffen was manchmal ein bißchen nervig ist weil sich gerade die effektiven Waffen wie Hackmesser und dergleichen unglaublich schnell abnutzen.

Allerdings darf man die meisten wieder reparieren und kann sie sogar upgraden (was sie stärker macht) und modifizieren (also andere Sachen draus bauen). Dafür benutzt man zum Einen alle möglichen Bauteile, die in Abfallkörben und Koffern und so weiter über die Welt verteilt sind (und auch immer wieder spawnen; ein unentleerbarer Abfalleimer quasi), und zum Anderen Dollar. Ja, richtig: Harte, amerikanische Dollar werden dafür benötigt, den Grund überlasst das Spiel der Spekulation. Diese Dollar kann man auch bei Händler eintauschen gegen andere Waffen, Munition oder Bauteile wobei nicht vorgesehen ist, daß man dabei um den Preis feilscht.

Die Modifikationen lassen auch ein bißchen an dem angestrebten Realismus fehlen: Ist so etwas wie eine Deobombe durchaus noch vorstellbar, so dürfte ein zur Rot- bis Weißglut erhitztes Messer zwar schön warm sein, aber beim ersten Schlag auch kaputtgehen (Mal ganz ohne das Problem, daß die von einer scheinbar unerschöpflichen Batterie ausgehenden Kabel mit Klebeband auf der Klinge befestigt sind). Elektrischer Schaden kann Gegner eine Weile in den Blitzen tanzen lassen, ohne daß man ihn noch berührt mit der Waffe. Und über modifizierte Pistolen und Gewehre, die mit einem Schuß die Kugel auch gleich noch elektrisch aufladen für den Effekt wollen wir mal lieber gar nicht reden….

Als Heilung dient das aus Shootern bekannte Medikit (Hier setzt sich der Spieler, ich meine die Spielfigur eine Spritze die… naja, heilt) sowie herumliegendes Obst, Snacks und Energydrinks. Welche Zielgruppe da gemeint ist, dürfte wohl klar sein. Man ist über den Mangel an Logik aber spätestens in der Kanalisation dankbar, wenn man die Getränkedosen aus dem Abwasser aufklaubt und an den Mund ansetzt….

Gut, es ist ein Spiel und soll auch eines sein. Aber die mitunter hahnebüchene Mischung aus bemühtem Realismus und völligem Unsinn läuft an einigen Stellen eben komplett aus dem Ruder. Spaß macht es trotzdem.

Erwachseneninhalte mit Jugendstil
Die Mischung von brutalen, sicherlich jugendgefährdenden Inhalten mit geradezu auf jugendliche Spieler zugeschnittenen Elementen ist allerdings an manchen Stellen ein bißchen beunruhigend. Natürlich ist das Spiel wohl bald der Hit im Kinderzimmer, aber manchmal fragt man sich schon was das soll.

Schon die Auswahl der Charaktere entstammt einer offenbar recht kurzen Denkpause: Purna, die ruhige Anführerin, Logan, der verkrachte Exsportler, Xian Mei, die aus einem Manga gehüpfte Supergeheimagentin für China und der krachende Schock : Sam B. Der Rapper. (Oder muß man das dann ″Rappa″ schreiben?)

Die Figuren sind so albern wie auch teilweise moralisch fragwürdig. Purna beispielsweise hat laut ihrer Vorgeschichte einen Kinderschänder erschossen und deswegen ihren Job als Polizistin verloren. Nicht etwa, weil der betreffende bewaffnet war, sondern weil er zu mächtig war, als daß sie ihn hätte einsperren können. Solcherlei Geschichte mag einen verdammt guten Film ergeben (oder eben auch nicht), aber zweifelsohne ist so eine Geschichte in den Händen eines Jugendlichen unheimlich. Immerhin findet man hier recht unverfälscht eine typische rechtsextreme Position wieder.

Sam B., der anscheinend auch den Titelsong spricht, wird, da gehe ich jede Wette ein, die beliebteste Figur werden. Er ist so cool daß eine Eisschicht den Bildschirm überzieht und dabei so pubertär dämlich ausgestaltet, so voll mit Klischees, daß man sich schon fragt was das soll. Xian Mei erinnert schon schwer von ihrer ganzen Zeichnung her an die ganzen chinesischen und/oder japanischen Filme mit Mangacharakter, ist ebenfalls eine klischeebeladene Figur, spielt sich aber recht graziös. Logan schließlich ist als Figur blaß und kommt eigentlich gar nicht zur Geltung, was schade ist, hat er doch am meisten Entwicklungspotenzial.

Irgendwie passt das aber zum kleinen Unfall, den Deep Silver bei der Entwicklung hatte: Es gibt eine Fähigkeit der Figur Purna, die heißt ″Geschlechterkampf″. Purna bekommt dann mehr Erfahrungspunkte, wenn sie männliche Zombies tötet. So weit, so sinnlos. Ursprünglich hieß die Fertigkeit allerdings „FeministWhorePurna“, und das ist dann mehr als nur geschmacklos, fügt sich aber nahtlos in das stupide Rapperweltbild der Figuren ein.

Spielbarkeit? Konsolenwelt!
Es ist ein Steam-Spiel, und es ist auf Konsole getrimmt. Das mag für Konsolenspiele super sein, am PC mündet das in die bescheuerte Speicherpunktewelt und nervt aufgrund der hakeligen Steuerung an vielen Stellen.

Das Spiel steuert sich zwar im Kampf flüssig, aber die Figur tauscht wahnsinnig gerne das Inventar gegen Alkohol ein: Sammelt man Alkohol (wird in verschiedenen Quests benötigt), so rutscht der gerne an die Stelle der aktiven Waffe. Merkt man das nicht und wird angegriffen trinkt die Figur erstmal einen guten Schluck und ist dann für einige Sekunden unspielbar. So etwas endet gerne im Tod der Spielfigur.

Das Speicherpunktesystem ist auch so eine Krankheit. Nicht nur, daß man als Spieler gezwungen ist, ″nur noch bis zum nächsten Kontrollpunkt″ zu spielen, stirbt die Figur wird sie auch zum nächsten Speicherpunkt gebeamt. Das kann dazu führen, daß man plötzlich an ganz anderen Stellen wieder auftaucht (nach einigen Sekunden ″Ruhepause″, die meistens mit sinnvollen Tipps wie ″Explosionen können töten″ gestaltet sind): Nervig wenn man dadurch Sammelgegenstände nicht findet, weil man drüber hinweg gestorben wurde.

Die Grafik ist eine imposante Veranstaltung: Die Inselwelt ist wunderschön im Resort und herrlich dreckig in den Slums, lediglich die Dschungelkarte wirkt ein bißchen zu bemüht. Manche der Animationen wirken ein wenig albern und gelegentliche Clippingfehler lassen Zombies manchmal durch eine Brüstung fallen, aber das stört den Spielverlauf nicht ernsthaft.

Natürlich bedeutet Steam zweierlei: Immer online sein müssen, was ich für völlig daneben halte und ich nebenbei auch gar nicht erfahre, was der Steam-Client eigentlich so für Daten mit dem Server austauscht, und keine Verkaufbarkeit der Produkte, weil man sein Spiel nicht weiterverkaufen darf, falls es einem doch nicht (oder nicht mehr) gefällt. Freiheit des Internets…
Steam garniert nebenbei das Spielerlebnis mit Herausforderungen wie „Menschenfreundlich. Voraussetzung: Töte 50 menschliche Feinde.“ oder auch „Waffen töten nicht, aber helfen. Voraussetzung: Töte 250 Zombies mit Feuerwaffen.“ beziehungsweise, auch pikant, „Nur’ne Fleischwunde. Voraussetzung: Trenne 100 Körperteile ab.“. Soso.

Fazit
Die Zombieschnetzelei macht durchaus Spaß, ist auf die Dauer aber ein wenig eintönig. Spätestens der Dschungel- und der Gefängnisabschnitt sind außer durch die hohe Zombiedichte eigentlich nur noch öder – von ewigen erzwungenen Laufstrecken mal ganz zu schweigen. Die Story verliert sich auch völlig im konfusen und lässt am Ende den Spieler mit einem glasigen Auge und einem geistigen Schulterzucken im Regen stehen.

Im Koop-Modus macht das Spiel auch Spaß, allerdings empfand ich die meisten Mitspieler irgendwie als zu jung und auch zu gelangweilt. Statt in die gerade am Anfang wirklich gelungen gemachte Atmosphäre einzutauchen laufen die einfach nur hackend los und klappern die Questorte ab. Das hatte schon fast Arbeitscharakter.

Ich bin mal gespannt, ob das Spiel auf dem Index landet oder gar beschlagnahmt wird. Wenn ich mir überlege, was für durchaus gute Filme bei uns schon verboten wurden, würde es mich nicht wundern. Muß ich dann eigentlich den Artikel wieder aus dem Netz nehmen, auch wenn ich diesmal weder Video- noch Bildmaterial eingebaut habe?

Links:
Da ich das Spiel recht ausgiebig durchgespielt habe, habe ich mir erlaubt, eine Komplettlösung zu basteln. Sie ist als pdf druckbar, die Ränder sind angepasst, so daß man sie recht gut binden kann.

  • Teil I (Vorwort, Allgemeines, Akt I) als pdf (wird überarbeitet)
  • Teil II (Akt II und III) als pdf (wird überarbeitet)
  • Teil III (Akt IV) als pdf (wird überarbeitet)

Nachtrag:
18. November 2011: Hmm… das könnte Ärger geben: Die BPJM hat das Spiel offensichtlich auf die Liste B gesetzt. Das heißt, daß man es für strafrechtlich bedenklich hält. Sollte sich das bewahrheiten (muß erst ein Gericht entscheiden) müsste das Spiel in Deutschland beschlagnahmt werden. Ich nehme vorsichtshalber mal lieber die Komplettlösung aus dem Netz, da sind dann doch zuviele Bilder drin…

1. Februar 2012: Anscheinend hat die BPJM das Spiel von Liste B entfernt, damit gilt es nicht als strafrechtlich bedenklich, sondern ″nur″ als ″jugendgefährdend″. (hier die Entscheidung) Keine Ahnung, ob ich den Artikel hier stehen lassen darf. Naja, wenn jemand was dagegen hat, möge er doch bitte einfach schreiben, ich richte mich gerne nach dem Gesetz – man müsste das nur mal ein bißchen klarer formulieren.

Fundstück der Woche (KW 43): Der Ursprung des Begriffes Spam

Jeder, wirklich jeder kennt Spam-Mails. Und jeder hasst sie. Aber warum heißt Spam eigentlich Spam? Woher kommt der Begriff?

SPAM war dereinst die Bezeichnung für eine bestimmte Sorte Dosenfleisch (SPiced hAM), die besonders im zweiten Weltkrieg in Großbritannien omnipräsent gewesen ist. Diese Omnipräsenz wurde dann zunächst im Usenet dazu benutzt, auch die Omnipräsenz von Textbotschaften so zu bezeichnen. Die vermutlich Spam-hafteste Anwendung des Begriffes Spam ist allerdings sicherlich Monty Python’s Flying Circus geschuldet, wie der folgende Beitrag verdeutlicht:


dank dieses schönen Sketches hat sich der Begriff Spam für Werbemails etabliert.