FIFA-WM. Und Mord.

Was ist der Preis der Fußball-WM? Ist es nur die Korruption? Ist es die Zusammenarbeit mit Diktatoren, mit Menschenschindern? Oder ist es mehr? Ist es gar Mord? Staatlich sanktionierter und von Teilen der Bevölkerung enthusiastisch begrüßter Massenmord? An Kindern? Ja – und nein.

In Brasilien sind Erschießungen von Straßenkindern durch die Polizei nichts ungewöhnliches – die Viertel, in denen die Touristen sich herumtreiben sollen „sauber“ sein. Oftmals reagiert die lokale Bevölkerung eher erfreut als schockiert, wenn die Polizei zehn Kinder jagt und abknallt – Straßenkinder gelten nicht viel. Rund 2.000 Kinder werden laut Amnesty International jedes Jahr so ermordet.

Im Rahmen der WM taucht dieses Thema nun Gott sei Dank wieder im Bewußtsein der Menschen auf – und die Bilder, die übermittelt werden sind furchtbar, wenn auch oftmals falsch und aus dem Zusammenhang gerissen. Die Favelas (und schon hier sollte man stutzig werden, dort leben eher Familien, keine Straßenkinder, denn dort lohnt sich das Betteln nicht) sollen systematisch gesäubert werden – besonders jetzt, weil natürlich keine Straßenkinder die Fan- und Feierlaune verderben sollen. Das behauptet jedenfalls der dänische Journalist Mikkel Keldorf Jensen, der seine Erfahrungen dokumentiert und der Welt zeigen möchte.

Ob da wirklich Kinder für den Fußball ermordet werden oder ob es „nur“ eine – schon seit Jahrzehnten existierende Praxis ist, vermag ich von hier aus nicht zu sagen. Jensen selbst kann keine Beweise vorlegen, aber Zeugen und Quellen. Nicht alles, was er behauptet, ist allerdings belegbar.

Tatsache ist – In Brasilien werden Kinder täglich ermordet und das schon sehr lange. Von den sogenannten Todesschwadronen. Im Spiegel gab es 1991 sogar schon einen Bericht darüber (Den hab ich hier verlinkt), die Zeit schrieb 1993 davon. Hat hierzulande nur eigentlich niemanden interessiert.

Tatsache ist – die Meldungen über Jensens Bericht erscheinen kaum in den „seriösen“ Medien, wohl aber auf einer Menge Cyberwar- und Infokrieger-Blogs und sollten daher mit viel Vorsicht gesehen werden. Vieles ist leider ziemlich daneben. Zudem spielen jetzt auch so ganz seltsame Quellen mit, wie die „Deutschen WirtschaftsNachrichten„, die man ebenfalls mit Vorsicht genießen sollte.

Tatsache ist – die FIFA hat sicherlich nicht die Ermordung von Kindern angeordnet! Verschwörungstheorien hin oder her. Nein.

Tatsache ist aber auch – der FIFA ist, ebenso wie den meisten Fans, völlig egal, unter welchen Rahmenbedingungen eigentlich die WM zustandekommt. Ob in Brasilien oder Katar, daß da Arbeiter sterben, Menschen zwangsumgesiedelt werden oder schlicht das Ereignis nicht haben wollen interessiert eigentlich keinen.

Tatsache ist – es kommt derzeit zu teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der brasilianischen Polizei sowie dem Militär (!).

Weist man aber auf Mißstände hin, hat man es schwer. Das war bei den olympischen Spielen (die ich mir nicht angesehen habe) so, und das ist es noch mehr bei einer Fußball-WM. Denn eigentlich will es keiner wissen.

Ein Linktipp am Ende, falls Sie doch ein bißchen mehr wissen wollen:

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Wie versprochen: der vierte Teil…

ist ab jetzt online. Sie können ihn hier direkt oder auf der Übersichtsseite downloaden.

Endlich – Dead Island Komplettlösung Teil III

Lange hat es gedauert – aber jetzt nach einem zweiwöchigen Urlaub kann ich ihnen endlich den dritten Teil meiner Komplettlösung von Dead Island vorlegen. Alle Suchgegenstände, alle Quests und sämtliche besonderen Orte sind hier konzentriert widergegeben. Das Dokument umfasst stolze 80 Seiten und steht ihnen als pdf (Dead Island Loesung Akt III) zur Verfügung Viel Spaß!

Endlich – Dead Island Komplettlösung Teil II

Lange hat es gedauert – aber jetzt kann ich ihnen endlich den zweiten Teil meiner Komplettlösung von Dead Island vorlegen. Alle Suchgegenstände, alle Quests und sämtliche besonderen Orte sind hier konzentriert widergegeben. Das Dokument umfasst stolze 92 Seiten und steht ihnen als pdf zur Verfügung. Viel Spaß!

Fundstück der Woche (4. KW): Sportliche Computerspiele

Seit der Erfindung der Wii ist es ja üblich, Menschen mit den unglaublichsten Verrenkungen vor einem Fernseher zu erleben. Früher waren das diese Yoga-Sendungen, jetzt sind es eben Spiele.

Grundsätzlich ist der Gedanke ja auch nicht blöd. Manchemal geht das aber eben… schief:

Ich bin immer wieder begeistert, wie wir Technologie nutzen…

Mal den Ball schön flach halten….

Ohweh und Ach, ein Wettskandal erschüttert die Fußballwelt. Dieser, in Zeiten von Massendoping und sonstigen unsauberen Vorgängen in der Sportwelt eigentlich eher als Randnotiz gedachter Infotainement-Inhalt spiegelt sich in der Tagespresse wider.

Also ehrlich gesagt, bislang bin ich eher mäßig überrascht oder aufgeschreckt. Angenommen, in Deutschland seien wirklich 70 Spiele manipuliert gewesen und dabei seien ernsthaft 2 Millionen Euro Schmiergeld an Schiedrichter, Spieler und so weiter geflossen, dann sind das pro Spiel doch nur ein paar tausend Euro. Angesichts der Gehaltsklassen unserer Sportfunktionäre und Spieler eher lächerliche bis absurd geringe Summen.

Schon die Idee, für 8 Millionen Euro Gewinn 70 Spiele manipulieren zu müssen lässt nicht gerade auf ein gigantisches Verbrechersyndikat schließen, sondern eher auf Kleinkriminelle. Die wären mit Banküberfällen oder Versicherungsbetrug sicherlich erfolgreicher gewesen.

Auch wenn es weltweit mehr als 380 Spieler und Funktionäre sein sollen – irgendwie hätte ich von asiatischen Verbrechersyndikaten, noch dazu mit russischer Beteiligung da mehr erwartet. Nun gut, es ging hierbei wohl eher in Ausnahmefällen um hochdotierte Spiele wie jene in der Champions League oder einige Qualifikationsspiele für EM und WM.

Naja,. immerhin, die Kriminellen manipulieren jetzt Spiele, statt Drogen zu verkaufen. Ist doch auch irgendwie eine gute Nachricht.

Na endlich mal wieder das alte Thema…

Die mitunter etwas absurde Debatte um den Amoklauf von Newtown bekommt die nächste Dimension. Diesmal sollen wieder Computerspiele schuld sein, worüber sich die Waffenlobby in den USA mächtig freut, unabhängig davon, daß sie das Medium auch selber als Verkaufsstrategie benutzt.

In dem Zusammenhang kann ich nur noch einmal auf meinen Artikel verweisen, der sich mit der Furcht vor neuen Medien quer durch die Geschichte beschäftigt. Ob exzessives Computerspielen abstumpft ist bis heute nicht geklärt, ich bin mir ziemlich sicher, daß das auch von dem jeweiligen Individuum abhängt.

Ich für meinen Teil habe auch nach dem Spielen von Call of Duty nicht den Wunsch gehegt, irgendwen umzubringen. Erst recht nicht nach Strategie– oder Arcadespielen. Der reflexartige Schnellschuß, den Konservative da gerne konstruieren hat etwas von einfacher Logik: Die meisten Amokläufer spielen Shooter, also muß es da doch einen Zusammenhang geben.

Die meisten essen auch Brot oder Fleisch, gucken Fußball und träumen von Mädchen, gibt es da nicht auch vielleicht einen Zusammenhang? Nichtsdestoweniger freue ich mich jetzt schon drauf, wie sich diese Debatte erneut entspannen wird. Und ob dann vielleicht auch mal einer den Fußball verbietet.

Mit der Computerspieleindustrie über schärfere Waffengesetze und Sicherheit zu reden ist so ein bißchen, als würde man mit Matchbox für Straßenverkehrssicherheit sprechen.