Eine alte Sau (Folge II): Talkshow 1992

In den vergangenen Tagen dieser Republik hörte man ja oft von der Tatsache, daß unser Fernesehen schlecht sei. Ein Blick ins Fernsehprogramm belegt das auch ausführlich. Das liegt nicht nur (sondern auch) an der Einführung des Privatfernsehens, das hat allerdings auch viel mit den Protagonisten zu tun.

Im Jahr 1992 war eine gewisse Angela Merkel Ministerin für Frauen und Jugend der CDU-Regierung. Karin Struck hingegen war damals bereits fast zur Katholischen Abtreibungsgegnerin geworden, nachdem sie als Marxistin angefangen hatte. Im Grunde also ähnliche Biographien, von der Sozialistin (Struck war im SDS, Merkel in der FDJ) zur Christin (Struck wurde katholisch, Merkel blieb evangelisch) und am 3.7.1992 sollten die beiden nun in der NDR-Talkshow aufeinandertreffen. Selbige war eine Sendung mit einer langen und wechselvollen Geschichte aber was hier geschah war dann doch ziemlich einzigartig. Sehen Sie selbst:

Wütend, und sich im emotionalen Überschwang völlig selbst demontierend preschte Frau Struck damals aus der Sendung, bewarf das Publikum mit einem Weinglas und machte sich damit völlig unmöglich.

Wäre ich ein Konservativer oder ein „politisch Inkorrekter“ so müßte sich jetzt wieder sagen „Christen unter sich“ bzw. „So sind sie halt, die Christen“. Sage ich aber nicht weil es nicht stimmen würde.

Dennoch sollte man sich diesen Vorgang mal wieder ins Gedächtnis zurückrufen, alleine weil es im deutschen „Fernseh“ zwar eine Reihe interessanter Abgänge aus Talkshows gegeben hat, keines aber einen solchen Skandal produzierte. Ich erinnere nur mal an:

Tja, das Fernsehen. Nur noch für Hunde geeignet.

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Fundstück der Woche (26. KW): Früher hieß es einfach Bart.

Hagen Rether hatte 2010 einen wirklich netten Einfall: Einfach mal mit Vollbart. Erinnern Sie sich? Das sah zum Beispiel so aus:

Im sonst eher unbrauchbaren „Satire-Gipfel“ von Matthias Riechling rasierte er sich.

Dabei zerlegt er unsere Gesellschaft in gewohnt scharfer Weise und bringt den Durchschnittskonservativen zum Heulen.

Alte Säue II: Der Mond, mein Computer, seine Frau und ich

Man wühlt sich ja manchmal so durch seine Vergangenheit. Dabei stieß ich auf einen Artikel, den ich irgendwann zwischen 2001 und 2002 bei der Sueddeutschen veröffentlich habe – damals bei der Jugendseite, die es gar nicht mehr so gibt. Ich denke, ich stand stark unter dem Eindruck des Songs der Toten Hosen und noch mehr unter dem literarischen Eindruck des Kabaretts zu der Zeit. Es ist kein echtes Plagiat, aber nahe dran. Keine Ahnung ob ich das überhaupt veröffentlichen darf.

Aber immerhin habe ich den Text geschrieben, fand ihn beim Durchlesen stark überarbeitenswert aber gut und veröffentliche ihn hier dennoch einfach nochmal in der damaligen Fassung. Liebe Sueddeutsche, wenn das gegen irgendeine Rechtsabsprache von mir als jugendlichem Autor seinerzeit und Euch als mächtiges Verlagshaus seinerzeit verstösst – schreibt mich per Mail an. Dann finden wir da schon eine Einigung. Ich bezweifle nämlich stark daß der Absatz von Zeitungen von 2002 oder 2001 stark zurückgeht, bloß weil gerade mein Text gratis verfügbar ist.

Also:

Der Mond, mein Computer, seine Frau und ich.

Gestern Nacht passierte etwas seltsames. Ich genoß gerade bei einer letzten Zigarre des Tages die Nachtluft und betrachtete die Sterne, als ich eine Stimme hörte. Verwundert sah ich mich um, aber ich sah niemanden. Ich wurde nervös, versuchte mich mit der Betrachtung der Sterne wieder zu beruhigen, doch da sprach die Stimme wieder zu mir: „Weißt Du, was Du tust?“, fragte sie mich.
Es war der Mond, der Mond hatte zu mir gesprochen. Nur hatte ich keine Lust, dem Mond zu antworten. Ich fand das unfair. Ich stand da draußen, hatte endlich meine Ruhe und meinen Frieden und konnte die Sterne ansehen, und dann kommt der Mond daher und fragt mich, ob ich wußte, was ich tat!
Natürlich wußte ich das. Ich sah mir die Sterne an. Nicht genug, der Mond fing zu plappern an und zog plötzlich über den Himmel, stellte sich vor die Sterne und störte mich weiter. Egal wo ich hinsah, der Mond hüpfte immer wieder in mein Blickfeld.
Da wurde ich wütend und ging wieder rein, setzte mich vor meinen Computer und schaltete den ein, um mich abzulenken. Doch was soll ich sagen? Kaum hatte ich mich richtig darauf eingestellt, fing plötzlich der Computer an: „Hallo..“, sagte er. Ich erstarrte und sah auf den Bildschirm, doch da war nur noch immer das BIOS – Startprogramm unterwegs, also konnte es nicht Windows sein. „Weißt Du, was Du tust?“, fragte mich daraufhin der Computer. Ich dachte mir: „Was ist denn jetzt nur los? Jetzt fängt der PC auch noch an!“ Da dachte ich mir: „Ich gehe lieber jetzt schlafen und erhole mich von euch allen“. Auch der PC war heute gemein zu mir.
Als ich endlich lag, da wußte ich plötzlich, daß ich beobachtet wurde. Ich spürte es, also setzte ich mich auf und sah zum PC hinüber. Doch der zwinkerte mir nur zu und sah dann demonstrativ weg.
Ich legte mich wieder hin versuchte an nichts zu denken, doch PC und Mond beschäftigten mich noch immer, an Einschlafen war also nicht zu denken. Diese gemeinen Hunde!
Auf einmal spürte ich wieder, daß ich beobachtet wurde. Irgendwer sah mir gerade beim Einschlafen und Nichtsdenken zu. Der Mond konnte es nicht sein, der war draußen. Der Computer sah noch immer demonstrativ hinaus (wahrscheinlich zum Mond, der Hund, aber wenigstens schwieg er!).
Da war es plötzlich klar. Ich sah hinunter zu den innig verschlungenen Kabeln und zu den Ringen, welche die Kabel zierten. Man muß wissen: Mein Computer hat die Stereoanlage geheiratet, schon vor ein paar Jahren. Und die Frauen, die starren bestimmt gerne. Ich sah zu der Stereoanlage und was ist? Natürlich, die Stereoanlage fragte mich, ob ich weiß, was ich da tue.
Das schien mir irgendwie zu einer interessanten Frage zu mutieren. Der Mond hatte nur Blödsinn im Kopf gehabt, er war ständig ins herum sausen und Plappern verfallen. Mein Computer wollte mich offenbar auf etwas aufmerksam machen, und seine Frau, die Stereoanlage, die war wie alle Weiberleut‘: Sie machte eifrig mit und ging dabei ebenso eifrig auf den Keks.
Also fragte ich mich, was die beiden wohl meinen konnten. Was konnten mir Mond und Computer sagen wollen? Was tat ich eigentlich wirklich?
Irgendwie nichts.
Also hakte ich nach. Was hätte ich tun müssen, damit mich weder Mond, noch Computer und natürlich die Stereoanlage ansprachen? Hausaufgaben? Kann nicht sein, heute war einer der wenigen Tage, an denen ich mich mit einer Art besessenem Enthusiasmus auf diese Aufgaben gestürzt hatte.
Weil im Moment hing irgendwie die für mich vorstellbare Welt von einigen wenigen Fächern, aber immerhin von stolzen drei Stück ab. Und ich hatte doch wirklich in jedem Fach meine Hausaufgaben gemacht, immer wieder bescheuerte Sätze übersetzt, mathematische Graphen, die nie wieder auftauchen werden, gezeichnet und dazu mir eine Reaktion ausgedacht, was ich mache, wenn ich in Mathe statt theoretisch praktisch durchkommen können würde.
Umkippen, zum Beispiel.
Aber warum fragen mich alle dann, ob ich weiß, was ich tue? Ich habe es noch immer nicht so ganz begriffen, aber ich kam damals neulich auf einen ganz anderen Gedanken. Ich plante nämlich nicht.
Was wollte ich eigentlich in Zukunft machen? Schriftsteller werden, klar, und natürlich die Welt verändern, sie verbessern. Why not? Nur – das kommt einem toll vor, ich kann davon nicht leben. Ich brauche also einen Job. Aber Polizist, zunächst angedacht, ist manchmal auch nicht so toll. Warum also nicht die Überweisen fragen, diejenigen, die es besser wissen? Da fragte ich den Mond, was ich machen soll, doch der tollte nur am Himmel herum, für etwas anderes als Herumhängen war der nicht zu gebrauchen. Ich fragte meinen Computer: „So sage mir, was soll ich tun?“, aber der konnte auch nichts antworten.
Wie immer im Leben, sind die Frauen die Weisesten. Ich fragte also die Stereoanlage, was ich denn tun soll, was aus mir werden soll, und sie antwortete ganz cool: „Glücklich!“
Da sagte ich zu ihr: „Ich vergebe euch, denn ihr wißt nicht, was ihr da tut!“

Also, wie war das jetzt nochmal..?

Preisrätsel des Monats: Wer mir diesen Satz erklären kann, nimmt an der Verlosung für einen Duden Teil.

Der Satz lautet „Liefert nur den Hinweis, betätigt den materiellen Gegenstand ist der Standard.“ und ist teil der Vertragsbedingungen in einem Münchner Lokal – das ist auf der Speisekarte zu finden. Und liefert den Hinweis. Hä?

Deutschland, Deine Super Märkte (Teil VIII): Hysterie – Teil II

Können Sie sich noch an die Hysterie erinnern? Wegen der Gurken?

Genau, jetzt nicht mehr hysterisch, darum:

Aaaah! Mit Gurke!

Jetzt also japanischen Fukushimafisch wieder mit Gurke. Puh, gesund. Ich hab da nur ein Problem: Ich mag einfach keine Gurken. Muß ich also weiter Uran pur fressen.

Fundstück der Woche (25.KW): Vom linken Cyberkrieg

Zu den gruseligen Seiten des Internetzeitalters gehört zweifelsohne der Cyberkrieg zwischen politischen und religiösen Lagern. So veröffentlichen rechtsradikale Netzwerke mit schöner Regelmäßigkeit sogenannte „Todeslisten“ mit Adressdaten und mitunter sogar Lebensgefährten und Kindern von bekannten oder bekennenden Linken und im Gegenzug veröffentlichen Linke gerne die Adressen heimlicher Rechtsradikaler.

Im Grunde ist der Schläger auf der Straße ja uninteressant. Das ist in der Regel dumm gehaltenes Kanonenfutter für den Straßenkampf, aber nicht der eigentlich gefährliche Kader, der die Rechte in Europa so stark macht. Es sind die eigentlich gebildeten, heimlichen Rechtsradikalen die das giftige Gedankengut am Leben halten und stets weitergeben, oftmals schleichend, immer gefährlich.

Doch dagegen arbeiten, wie die TAZ berichtet, auch Hacker wie die No Name Crew. Sie veröffentlichten auf Google Maps das hier:

(c) Google

Das ist so ähnlich wie seinerzeit bei dem Hack dieses Nazisymbolversandes. Auch hier wurden die Adressdaten gehackt und letztlich veröffentlicht.

Gut finde ich dieses Vorgehen ehrlich gesagt nicht. Wer für Datenschutz ist sollte auch im Kampf gegen Rechts nicht zu solchen Mitteln greifen. Was genau hat man denn davon? Also was tun Sie, lieber Leser, nachdem Sie diese Google-Karte und diese Aktionen kennen, von denen ich mich ausdrücklich distanzieren will, genau jetzt mit der Information? Irgendwie gar nichts, oder?

Andererseits lebt der Rechtsradikale Umtrieb auch immer von der Heimlichkeit. Nicht alles wird bemerkt, nicht alles kann nachgewiesen werden und verschlungene Pfade zu nutzen ermöglicht es so manchem rechten Kameraden überhaupt erst, seinen Trieb und Haß erst auszuleben. Insofern könnte eine Veröffentlichung andere abschrecken – aber nicht heilen. Packen läßt sich das Übel so nicht.

Es gibt Gründe dafür, daß in Deutschland Spenden erst ab 10.000 Euro beim Bundestag angezeigt werden müssen – zuallererst vermutlich den, daß man mit 9.999 €-Spenden die Grenze unterlaufen kann. Warum ist diese Grenze denn nicht bei sagen wir 100€ angelegt? Das würde den Verwaltungsaufwand erhöhen, das Spenden insgesamt aber transparenter machen.

Letztlich glaube ich, daß sich die politische Linke mit solchen Aktionen selbst schadet. Wer den gesetzlichen Rahmen verlässt setzt sich selbst ins Unrecht und es gibt keine schlimmere Erfindung in der Entwicklung der Menschheit als die Haltung, daß der Zweck die Mittel rechtfertige oder „heilige“. Diese Haltung steckt letztlich hinter Terrorismus, politisch motivierter Gewalt und Krieg. Kein Ziel, keine Idee, keine Ehre, kein Ideal rechtfertigt die Anwendung unmoralischer Mittel zu ihrer Erreichung. Der Kampf gegen Rechts ist moralisch richtig – aber er muß auf der argumentativen Ebene erfolgen. Das war mal eine wichtige Erkenntnis der politischen Linken – sie kulminierte in dem genialen Satz „Für den Frieden zu töten ist wie für die Keuschheit zu ficken“ – aber seit die gewaltbereiten Spinner vom schwarzen Block als linke NPD auftreten und politisch andersdenkenden gerne mal mit Gewalt begegnen scheint nach und nach diese Erkenntnis verlorengegangen zu sein.

Gegen Nazis helfen nur Aufklärung und Anstand. Durch simples Dreinschlagen erreicht man gar nichts – oder würden Sie zum NPD-Anhänger wenn Ihnen ein Scheitel mal so richtig auf die Fresse gibt?

Deutschland, Deine Super Märkte (Teil VII): Länger kürzer haltbar

Manche Informationen sind eigentlich klar ersichtlich. Jeder versteht was gemeint ist. Aber im Zusammenhang…

Manchmal schüttelt sich die Sprache dann doch.