Zahl der Suizide im Westen steigt an

Wie die Sueddeutsche berichtet steigt nach Vermutung einiger Forscher die Zahl der Suizide bedingt durch die Wirtschaftskrise an. Ein ziemlich böser Kommentar.

Ich verstehe jetzt das Problem nicht so recht.

Wenn ich die CD/SU und die FdP/AfD richtig verstanden habe, ist es das Ziel jedweden Regierungshandelns im Kapitalismus, die Zahl der Arbeitslosen zu senken. Wenn durch gesellschaftliche Strukturen (kein Arbeitsplatz = kein gesellschaftlicher Wert) und politisches Handeln (Arbeitslos = Schmarotzer, deren Kinder ebenfalls unwerte Existenzen) auf diese Art die Suizide ansteigen und damit die Zahl der unproduktiven Menschen senken, dann kann das doch nur im Sinne der kapitalgesellschaftlichen Wert- und Weltordnung sein. Vielleicht sollte man über staatlich subventionierte Angebote nach dem Stil von Dr. Kusch nachdenken um das Wachstumspotenzial zu verbessern. Würde sogar ein paar Arbeitsplätze schaffen, privatisiert man das könnte man sogar Aktionäre beglücken. Gut, man müsste vorher das Hamburger Verwaltungsgericht abschaffen, das ziemlich sozialistische Einstellungen zu haben scheint (Zitat: „die sozial unwertige Kommerzialisierung des Sterbens durch Beihilfe zum Suizid gegen Entgelt“).

Man könnte sogar – das wäre quasi Flexibilität schaffen – die Maschinen auch für die arbeitende Bevölkerung zur Verfügung stellen, die wegen Überlastung oder noch nicht ganz abgeschaffter Nebenbeschäftigungen (Beziehungen, Familie, Alkohol) ebenfalls das Angebot nutzen wollen. Im Ergebnis könnten Arbeitsplätze neu besetzt werden, die Zahl der nicht Beschäftigten sinkt weiter.
Einziger Nachteil: Die Leute fallen dann als Konsumenten weg. Daher müsste ein Restvermögen quasi als „Schonvermögen“ gerecht auf die produktive (=wertvolle) Bevölkerung aufgeteilt werden, damit es in Konsumgüter umgesetzt werden kann.

Wer den Beitrag für Ironie hält, hat den Herren Westerwelle, Schäuble oder Henkel sowie Frau Merkel noch nie genau zugehört.

Advertisements

Fundstück der Woche (34. KW): Störsender #9

Exklusiv: Wie die Psychiartrie als Waffe benutzt wird. Mollath ist einer der schillerndsten in einem Meer von Einzelfällen. Wer den Banken und den Steuerdieben, die bei ihnen das Geld vor dem Fiskus verstecken, zu nahe kommt, wird entweder bestochen oder aus dem Weg geräumt. Der ehemalige Steuerfahnder des Landes Hessen wurde aus dem Weg geräumt, weil er eine Beförderung ausschlug. Eine Beförderung, die ihm zuteil gekommen wäre, wenn er seine Arbeit als Steuerfahnder NICHT gemacht hätte, sondern über seine Erkenntnisse geschwiegen hätte. Klingt verrückt? Ist es auch. Aber ganz normal in dem Land.

Mittlerweile versucht die HVB sogar ihre Kunden zu psychiatrisieren. Schmenger schildert diesen Fall erstmals einem Medium in diesem Sommerinterview von stoersender.tv.

Die Links zu dieser Folge:
http://rudolf-schmenger.de/
http://www.wirtschaftsverbrechen.de/
http://www.gabv.org/
http://www.attac.de/aktuell/bankwechsel

AUFRUF!
(Bitte an alle Mollath-Unterstützer und die Medien weiterleiten)
Solidaritäts-Demo für Gustl Mollath und gegen Menschenrechtsverletzungen durch Missbrauch von Wirtschaftsmacht
„Mehr Wirtschaftsdemokratie statt Kritiker in die Psychiatrie!“
am Freitag den 2. August – 16 Uhr bis maximal 18 Uhr
vor dem Justizministerium in München
Justizpalast am Karlsplatz – Prielmayerstraße 7

Es sprechen:
Dr. Wilhelm Schlötterer (Autor des Ende Juli erscheinenden Buches „Wahn und Willkür“ über die übergreifenden Hintergründe des Unrechts an Gustl Mollath)
Prof. Dr. Hans See (Gründer und Ehrenvorsitzender von Business Crime Control e.V. über den Zusammenhang von Wirtschaftsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen)
Prof. Dr. Peter Paul Gantzer (MDL) Mitglied des Mollath-Untersuchungsausschusses für die SPD-Fraktion
Dr. Martin Runge (MdL) Fraktionsvorsitzender und wirtschaftspolitischer Sprecher der GRÜNEN im Bayerischen Landtag

Erklärung von Prof. Dr. Hans See:
Es reicht: Mehr als 7 Jahre ist Gustl Mollath nun schon in der geschlossenen Psychiatrie. Die Rechtsgrundlage ist brüchig wie dünnes Eis. Der fürchterliche Verdacht steht im Raum, dass der wahre Grund in Mollaths – allerdings vergeblichen – Versuch zu finden ist, dass er Geldwäschedelikte der Bayrischen HypoVereinsbank aufzudecken drohte. Durch für viele unbegreifliche Entscheidungen von Staatsanwälten und Gerichten sowie durch existenzvernichtende psychiatrische Gutachten, die ihn als gemeingefährlich einstuften, verschwand er in die geschlossene Psychiatrie. Und mit ihm der im Raum stehende Vorwurf, die HypoVereinsbank betreibe wirtschaftskriminelle Praktiken. Der Bank selbst war bekannt, dass der Vorwurf stimmt. Sie hat ihn aber jahrelang unter Verschluss gehalten. Ein Nachfassen der Staatsanwaltschaft oder eine Selbstanzeige der Bank hätten genügt, Mollath aus den Fängen der Psychiatrie zu befreien. Mehr Demokratie in Wirtschaftsunternehmen hätte sogar diese illegalen Geschäftspraktiken und damit die Folgen verhindern können.

BCC fordert:
Freilassung Gustl Mollaths noch vor der Bayrischen Landtagswahl, volle Rehabilitation und Entschädigung dieses Mannes, eine Psychiatrie- und Rechtsreform, die solche Fälle künftig unmöglich machen, und die Beendigung der Weisungsgebundenheit von Staatsanwälten.
Die 1991 zur Aufklärung über die Sozialstaats- und Demokratie- und Umweltfeindlichkeit von Wirtschaftsverbrechen gegründete Bürger- und Menschrechtsorganisation Business Crime Control e.V., hat diese Demo angemeldet, bittet aber alle Unterstützer Gustl Mollaths, diese Demo auch als die Ihre zu betrachten, über Internet zu mobilisieren und an der Demo teilzunehmen.
BCC unterstützte vorbehaltlos die angekündigte Kundgebung Am Kornmarkt in Nürnberg, die am 27. Juli 2013 unter dem Motto stattfand:
„EMPÖRT EUCH! – RECHT UND FREIHEIT FÜR GUSTL MOLLATH“
Es kann gar nicht genug öffentliche Kundgebungen für Gustl Mollath und gegen jene Kräfte geben, die diese menschliche und politische Katastrophe zu verantworten haben.

Fundstück der Woche (10.KW): Das FBI und der Insiderhandel

Daß die Amerikaner und seine Geheimdienste in Europa nicht nur in „linken“ Kreisen einen eher schlechten Ruf genießen hat viel mit Vietnam und dem Irak zu tun. Aber nicht nur. Nicht erst seit der Krise der Finanzwelt gilt vor allem die amerikanische Form des Kapitalismus als besonders schädlich. Ihn zu beschädigen und im Idealfall zu beseitigen haben einst beispielsweise die Kommunisten geschworen, aber nie geschafft. Tatsächlich mehren sich die Anzeichen, daß es der Kapitalismus wohl selbst schaffen wird, sich zu beseitigen – mit ähnlich dramatischen Folgen für die Leute, die das Pech haben in einem der Länder zu leben in denen er herrscht. Fragen Sie mal einen Griechen Ihres Vertrauens.

Nun hat das FBI einen kurzen Werbefilm herausgebracht, der mit Michael Douglas in der Hauptrolle vor allem vor den schädlichen Folgen des Insiderhandels warnt – eine der am schwierigsten zu bekämpfenden Form der Korruption im Finanzwesen. Abgesehen davon, daß das Handeln dieser Insiderhändler zum Teil andere Menschen das Leben kostet (zum Beispiel durch die unnötige Zerstörung von Krediten und damit dem so finanziertem Besitz) ist die Bekämpfung hauptsächlich dem Erhalt des Systems gewidmet.

Das muß man nicht unbedingt gutheißen – wohl aber die Bekämpfung dieses korrupten Gesindels. Und das überzeugt mich dann doch, das Video hier zu verlinken.

Witzig: Spiegel online kann auch lustig

Spiegel Online, ein Portal zur Verbreitung von Schreckensmeldungen und Boulevardthemen hat auch einen Satirebereich. SPAM, so heißt er, brachte heute aber tatsächlich mal was brauchbares zustande:

***  Zitat aus der Quelle ***

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. So müssten wir alle leben, ginge es nach der LINKEN.

  • 1. Eine kleine Kaste von Bonzen hätte das ganze Geld.
  • 2. Die Züge wären überfüllt, schmutzig, unpünktlich oder fielen aus.
  • 3. Es würde sinnloser Quatsch produziert, den kein Mensch braucht (Rasierapparate mit 5 Klingen, Bücher, für die man Strom braucht usw.).
  • 4. Die Arbeiter wären die Angeschmierten und müssten das Maul halten.
  • 5. Schon die Kinder würden erbarmungslos indoktriniert, und wer aus dem falschen Elternhaus käme, hätte keine Chance.
  • 6. Die Umwelt wäre im Eimer.
  • 7. Das Fernsehen wäre sterbenslangweilig und hauptsächlich dazu da, die Leute ruhigzustellen.
  • 8. Die akademische Freiheit stünde bloß auf dem Papier, auf den Unis würde nur gepaukt und nicht studiert.
  • 9. An die Spitze des Staates gelangten zuverlässig die Machtgierigen, Anpasser und Unfähigen.
  • 10. In den Zeitungen stünden nur Lügen und Unsinn („So wird bei Hartz IV abgezockt“, „Bühne frei für die Superhandys“).

Ich fand’s treffend.

Was man von Schwarz-Gelb hat

Im politischen Alltag der parlamentarischen Monarchie Englands gab es ein Ereignis im beinahe abgelaufenen Jahr 2010, das England an den Rest Kerneuropas angeglichen hat: Der Rücktritt von Premierminister Gordon Brown.

Nun mag man zu Brown oder der Labour Party stehen wie man möchte, mit ihrem Abtreten erhielt das Land eine neue politische Führung die man durchaus mit der deutschen vergleichen könnte: Eine schwarz-gelbe Regierung. Die Tories und die Liberal Democratic Party bilden nun in England einen schönen neuen Konservativ-Liberalen Kern. Das wäre soweit eigentlich nicht schlimm aber wie es sich zeigt fällt solchen Regierungen in der Regel immer nur eines ein: Steuern beibehalten oder senken und dafür Gebühren und Abgaben hochdrehen.
Die häufigste konservative Kritik an sozialdemokratischen Vorhaben besteht darin, daß „die Roten“ immer nur die Steuern erhöhen wollen. Vermögenssteuer, Erbschaftssteuer, das sind die Folterinstrumente der marxistischen Inquisition und der Wähler, zumindest der konservative Wähler, schluckt das auch brav. Ich verweise hier jetzt mal nicht darauf, daß die größte Steuersenkung deutscher Geschichte von Rot-Grün durchgeführt wurde. Aber ich möchte dem sehr entgegenhalten, daß massive Steuersenkungen in der Regel zu Umverteilungen der Steuermittel in die Sozialsysteme erfordern und daraus resultiert am Ende nur eines: Steigende Gebühren. Zum Beispiel für Krankenkassen und Plegeversicherungen. Oder, und da kommen wir auf England zurück, bei Studiengebühren.
In England, immerhin das Mutterland des Kapitalismus, waren Studiengebühren schon lange Gang und Gäbe. Die Gebühren waren auch schon immer extrem hoch, so verlangte das englische System bislang 3.000£ pro Studienjahr was umgerechnet etwa 4.500 Euro darstellt. Für Ausländische Studierende wird das auch noch immer verlangt. Aber Inländer dürfen neuerdings bis zu 10.700 £ blechen und da hakt es dann ganz aus.
England hat ein interessantes Studienförderungssystem eingerichtet, den „student loan“. Das funktioniert so: Der britische Staat bezahlt die Studiengebühren und dazu noch einige weitere Kosten je nach dem, ähnlich wie bei unserem Bafög. Allerdings schuldet man als Student am Ende die volle Summe und nicht nur die Hälfte. Dafür greift eine soziale Sperrklausel: Wer weniger als 15.000£ im Jahr verdient muß nichts zurückbezahlen und nach 15 Jahren wird die Schuld als untilgbar gelöscht. Dann muß gar nichts zurückbezahlt werden.
So etwas ist natürlich nicht liberal sondern sozial, sprich purer Sozialismus, wie Westerwelle sagen würde. In Deutschland bekommt man den nebenbei verzinsten Studienkredit bei einer bevorzugten Bank, nicht beim Staat, und darf dann etwa das Anderthalbfache dessen zurückzahlen, was man eigentlich „verbraucht“ hat. Sinn und Zweck des deutschen Bildungskreditsystems ist es somit, niedere Einkommensschichten von der höheren Bildung systematisch abzuschrecken, denn wer startet schon gerne ins Berufsleben mit einem roten Warnblinklicht der Schufa auf der Stirn?
Kaum hat England eine Schwarzgelbe Regierung, schon wird das System angepasst: Die Schulden steigen ins unermessliche. Wer seinen Master macht braucht im Schnitt vier bis fünf Jahre, um fertig zu werden. Das sind ohne Unterhaltskosten schon 36.000£ bis 45.000£ Schulden, also eine Bringschuld von bis zu 60.000€, mit der die jungen Menschen dann einen Job finden („Sind Sie verschuldet?“) und eine Familie gründen („Kredit für Ihr Kind ist nicht möglich, sie sind nicht kreditwürdig“) sollen.
Das ist nicht nur regelrecht unanständig weil auch noch die staatlichen Zuschüsse an die Universitäten um bis zu 80% gesenkt werden sollen, es ist auch noch ziemlich dumm. Die so genannte Elite Europas nimmt sich die Chance auf ein gewaltiges geistiges Potential das dann von außen eingeflogen werden muß. Die englische Elite bevorzugt bei der Gelegenheit auch noch dieses ausländische Potential statt den eigenen Leuten und da muß man sich mal schon fragen, inwieweit die konservative Geisteshaltung gemischt mit einer liberalen Raubtierhaltung eigentlich noch dem eigenen Volk zu dienen wünscht.
Ich hege den Verdacht, liberaler Konservativismus ist gegen das Volk, gegen den Bürger.
Vielleicht erklärt das die vielen, vielen, vielen Proteste der Menschen gegen ihre „bürgerlichen“ Regierungen.

Fundstück der Woche (47. KW): Wirtschaftsform Marktwirtschaft einfach erklärt

Volker Pispers erklärt in wenigen schönen Worten, wie Kapitalismus Freie Marktwirtschaft funktioniert.

 

Quo Vadis, JJ Abrams?

In den vergangenen Tagen unserer Republik gab es ein Ereignis, das einen großen Teil der Filmwelt erstaunt zurückgelassen hat. Entsetzt zurückgelassen hat es die Freunde einer Zukunftsvision die bislang eine Zukunft zu gestalten suchte, in der das Ideal einer humanistisch gesinnten Gesellschaft erreicht wurde. Erstaunt hat es jene Mitmenschen, die sich eigentlich gedacht haben, daß das kreative Filmeschaffen im Westen frei sein sollte von Propaganda. Was natürlich ein Irrtum ist.

Die Rede ist nicht von einem deutschen Film sondern von Star Trek – The JJ Abrams Generation.

Nun muß ich vorausschicken daß ich Star Trek im Grunde immer gerne gesehen habe aber nie ein „Trekki“ war – ich bin weder mit Latexohren herumgelaufen, noch nenne ich mein Klapphandy Kommunikator oder Tricorder. Ich habe keine persönliche Bindung an die Figuren und trage keinen Föderationsschlafanzug im Kino.

Hingegen genoß ich an Serie (zumindest TOS und TNG) und Film (Zumindest die ersten 9) den Widerspruch des zu lebenden Ideals und der Wirklichkeit, die sich besonders an den beiden Captains Kirk und Picard darstellte.

Gene Roddenberry war Star Trek zeitlebens zu materialistisch, zu militärisch – schon TOS entwickelt ab der zweiten Staffel oftmals militärische Lösungswege. Zudem kann man den Verlust von Roddenberrys Einfluß auf TNG sehr deutlich erkennen, da es ab der Dritten Staffel deutlich actionreicher zugeht aber im Kern ist die Welt von Star Trek immer von Menschenrecht, von Mitgefühl, Toleranz und Achtung vor der Schöpfung die Rede und die Schwierigkeiten, die in der praktischen Umsetzung dessen auftreten können. Vereinfacht ausgedrückt exzerpiert Star Trek das schöne Problem, das der schwache Schüler hat – kann das miteinander reden wirklich stärker und erfolgreicher sein als die Faust der Stärkeren?

So zeigt die brillante TOS-Folge „Horta rettet ihre Kinder“ wie eine Kreatur auf Silikonbasis von Bergleuten übersehen wird und ihre Eier als „Siliciumknollen“ fehlinterpretiert und geerntet werden woraufhin die Kreatur zu töten beginnt. Suchen die Bergleute eine militärische Lösung und wollen Horta töten, so erkennen Kirk und Spock die eigentliche Verteidigungsabsicht der Mutter und suchen eine Lösung von der alle profitieren. Ein Gegenmodell entwirft die TOS-Folge „Kampf um Organia„, bei dem Föderation und Klingonen kriegslüstern erscheinen und von den entwicklungstechnisch überlegenen Organier (?) wie von strengen Eltern quasi zur Ordnung gerufen werden müssen. Eingeschränkt in ihren Handlungswelten erkennt Kirk seinen Irrweg, den er als Cowboy im Weltraum einnimmt, und tatsächlich beginnt die Figur hier nachdenklicher zu werden. Was an seiner Gegnerschaft zu den Klingonen nichts ändert aber dazu später ein wenig mehr.

Das Roddenberry’sche Ideal erfüllt sich meines Erachtens nach in der Figur des Captain Picard der als moralische Instanz die Wege seines Schiffes und seiner Crew lenkt, fehlbar aber mit den besten Absichten, klug und doch nur an der Grenze der Weisheit und sehr nachdenklich. Picards Handeln wird immer von den Grundsätzen seiner Wertewelt bedingt und treibt ihn letztlich sogar ein paar Mal gegen die Föderation der Planeten.

Die Filme schließlich entwerfen in den Teilen II-IV die Figur Kirk und zeigen ihn in seinen menschlichen Schwächen. Mit Vernunft kämpft er gegen Khan, mit Unvernunft gegen die Klingonen und das kostet letztlich seinen Sohn das Leben. Star Trek II: Der Zorn des Khan ist der wahrscheinlich brillanteste Star Trek Film und gab der Serie seine entscheidende Richtung. Action ist Element aber im Kern steht die Frage nach dem Lebensrecht und vor allem die Frage nach der Berechtigung auf die Fähigkeiten Projektes „Genesis“. McCoy äußert dies in einem klugen Satz: „Mein Gott, was für eine schöpferische Kraft!“ Spock, Logiker als Vulkanier, löst die Frage nach dem Lebensrecht logisch in dem er sich für das Schiff opfert und den Menschen damit eine moralische Lektion erteilt – besonders Kirk, der zuvor so schön erklärte „Ich glaube nicht an ausweglose Situationen.“

Dieser neue Kirk wächst in Film VI, Das unentdeckte Land, über sich hinaus. Die Klingonen wollen (oder müssen) Frieden schließen und Kirk bricht mit seinem persönlichen Empfinden zum Wohl der Föderation – er verhindert einen Krieg und kommentiert das in gewisser Hinsicht lapidar. Streitet er sich Anfang noch mit Spock über die Klingonen (Spock: „Sie werden sterben.“ Kirk: „Lasst sie sterben!“) so stellt er sich in seiner Rede vor dem Föderationsrat der Erkenntnis, daß er vielleicht nicht mehr in die Zeit passt. Die Zeit geht weiter und wir werden alt.

Das er sich jedoch anpassen kann markiert sein letzter Logbucheinrag: „Persönliches Logbuch des Captains, Sternzeit 9529,1. Dies ist die letzte Reise des Raumschiffs Enterprise unter meinem Kommando. Dieses Schiff und seine Geschichte werden bald in die Obhut einer anderen Mannschaft übergeben. Ihnen und ihren Nachkommen vertrauen wir unsere Zukunft an. Sie werden die Reisen fortsetzen, die wir begonnen haben und mutig zu all den unentdeckten Ländern vorstoßen, wo noch kein Mensch, wo noch niemand zuvor gewesen ist.

Picard, der die Geschichte übernimmt, bekommt im Laufe der Filme einen starken Charakter, die größte Prüfung zweifellos in Star Trek VIII: Der erste Kontakt. Sein eigentlicher „Nemesis“, die Borg, bringen Picard so weit, daß er zumindest kurzfristig seine Prinzipien aufgibt und Rache zum Handlungsmotiv erhebt – ein Irrtum der Besatzungsmitglieder das Leben kostet und ihn letztlich die Schuld der Rache lehrt. Schon der vorherige Film markiert einen Wendepunkt für die Figur, denn Picards Bruder stirbt anfangs und bürdet Picard damit die Pflicht auf, die Familie fortzuführen. Ein interessantes Konzept über das man reden kann aber die Figur identifiziert sich nun als „Der letzte der Picards“.

Star Trek IX, ein eher actionbetonter Streifen, exerziert die oberste Direktive durch und führt mit einem interessanten Seitenhieb auf Teil II zurück: Hieß es in einer dramatischen Szene in Teil II: ″Spock: ‘Seien Sie nicht traurig, Admiral. Seien Sie logisch. Die Bedürfnisse Vieler sind wichtiger…‘ Kirk: ‘…als die von Wenigen…‘ Spock: ‘…oder eines Einzelnen. Ich war und werde es immer sein – Ihr Freund. Leben Sie lang und in Frieden.‘″, so gilt das für die neue Generation nicht – diese Ansicht wird für falsch gehalten: ″Dougherty: ‘Jean-Luc, nur 600 Menschen leben da unten. Wenn wir die regenerativen Eigenschaften dieser Strahlung nutzen könnten, wäre das eine Hilfe für Milliarden.‘″

Ein Paradigmenwechsel? Mitnichten. Was Spock für sich selbst entscheidet, nämlich das eigene Wohl steht weit unter dem Wohl Vieler, entscheidet hier eine äußere Macht für die Ba‘ku: die Föderation. Also gab es wohl keinen echten Paradigmenwechsel in der Geschichte von Star Trek, von kleineren Änderungen mal abgesehen.

Aber!

Nun nun kommt das Aber und die Erklärung warum ich diesen Text verfasse den Du, werter Leser, mit etwas Glück bis hier verfolgt hast: Der Regisseur der Erfolgsserie Lost hat mit dem elften Star Trek Kinofilm endlich das erreicht, was vorher keiner erreichen konnte, wie ein Rezensent bei Amazon sehr gut erkannte: „[…] endlich ist Star Trek so, wie es sich alle coolen Leute gewünscht haben: Weg mit diesem idealistischen Aufklärertum, dem Rationalismus und Humanismus. Her mit Gefasel von Bestimmung, das spart Erklärungen. Der folgenschwere Fehler, die Inspiration für den allerersten Star-Trek-Film (1979) aus Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum statt aus Krieg der Sterne zu ziehen, darf 30 Jahre später endlich als getilgt angesehen werden. Feuerwerk statt Drama, willkürliche Monsterattacken statt menschliche Dilemmata, denn wir leben ja im 21. Jahrhundert; die Menschheit hat sich weiterentwickelt und weiß, dass Intelligenz in Drehbüchern nichts verloren hat. Möge der Krach mit dir sein..!

Nicht daß ich etwas gegen Star Wars hätte, eher im Gegenteil. Aber das eine ist ein Märchen im Weltraum, das andere ist Science-Fiction im engeren Sinne und hat folglich wenig von Bestimmung und dergleichen zu reden.

Das Publikum liebt es – Star Trek ist massentauglich geworden und schwimmt mit auf der Welle hohler Filme die uns die Welt in so schön einfache Schemata gießen und alles, was nicht verständlich erscheint zum religiösen Zustand erhebt.

Nun haben Filme, auch Science-Fiction Filme (!), schon immer (oder jedenfalls gern) die Welt im aktuellen Zustand abgebildet. Star Trek VI ist im Grunde von der Hintergrundgeschichte her nichts anderes als eine Aufarbeitung des Endes des kalten Krieges. Aber eine hoffnungsvolle Aufarbeitung.

Was bleibt bei JJ Abrams? Der Film vermeidet jedwede Aussage. Alles geht unter im allgegenwärtigen Actiongedöns und keiner merkt während des Films, was eigentlich passiert. Das erinnert tatsächlich sehr an den aktuellen Weltzustand. Nero, der durch die Zeit zurückgereist ist, hat die Geschichte verändert und der alte Spock zuckt die Achseln und sagt sich: „Naja, Vulcan ist platt, Familie ist tot aber hey, wir können ja mal was neues ausprobieren!“ anstatt sich hinzustellen und zu versuchen diese Änderung rückgängig zu machen. Wäre zwar auch schonmal dagewesen (Stargate: Continuum) aber wenigstens für eine solche Figur realistischer.

Abrams hat angekündigt, daß er weitere Filme in diesem Stil drehen möchte. Vermutlich wird daher der Star Trek Kanon früher oder später diese „alternative Zeitlinie“ übernehmen und alles alte belächeln und sagen: „Wollt ihr wirklich, daß sich nie was ändert?“

Der Vorwurf ist ein sehr schöner weil er so einfach zu erheben ist. Neu ist gut weil modern. Das „wie“ darf nicht infrage gestellt werden und das „daß“ infrage zu stellen grenzt an Majestätsbeleidigung. Nur keine Fragen stellen.

Ein Rezensent bei Amazon fasste das sehr schön zusammen; „Eigentlich wäre Star Trek JJ nicht der Rede wert ob seiner Banalität. Aber dann sprechen Millionen von Fans und sog. normale Menschen von einer Art Geniestreich. Einem frischen, jungen Star Trek. Doch das einzige, was dieser, naschön, Film bietet, ist: Er lenkt nach Jahrzehnten der Epigonen die Aufmerksamkeit zurück auf die originale Star-Trek-Crew, mit der der Kult begann. Nie zuvor wirkten diese alten miefigen Fernsehspiele vor billiger Pappkulisse so hoch-klassisch, intellektuell aufreibend und emotional ergreifend.

Ich für meinen Teil warte ein bisschen auf eine Verbindung zu beispielsweise 300, also irgend eine heldenmütig aufopfernde Germanengarde die die Föderation vor den anstürmenden [beliebiges böses Volk einsetzen] errettet und sich dabei opfert. Das kam auch gut an und kaum einer merkte in welche Ideologie er da verstrickt wurde. Manchmal fragt man sich schon ob das Filmeschaffen der Gegenwart so eine Art Testlauf ist für Methoden der nachhaltigen Manipulation. Das Ersetzen eines humanistischen Ideals der menschlichen Selbstverbesserung durch ein Ideal der „totalen Selbstverteidigung“ und ein zumindest fragwürdiges Konzept von „Ehre“ scheint schonmal gut anzukommen. Zumindest wenn’s dabei ordentlich rummst.

Vielleicht werden die nächsten Regierungserklärungen auch mit Explosionen begleitet. Dann guckt’s auch einer…