Das Antenne Bayern Gewinnspiel – vierte Runde

Die vierte Runde des Gewinnspiels ist erst einmal vorbei, jetzt folgt ein Bingo mit Monatsmieten. Zeit also für eine Rückschau

2013 war auch dahingehend interessant, weil Antenne nicht nur üblicher Weise die Rechnungen, die eingeschickt worden sind, bezahlt hat (Und dabei keine Vereinswoche eingelegt hatte wie vorher!), sondern gleich zwei Sonderaktionen veranstaltete. Zum einen die Geschichte mit dem Wunschurlaub (hier die Tabellen als pdf), wobei es da eine Kooperation mit einem Werbepartner gab (weswegen ich das auch vom Rest separiert habe) dessen Club-Urlaube auch verlost wurden (und das nicht zu knapp!), zum Anderen bat Antenne Bayern ab Ende Februar um ″Projekte″, die neben den normalen Rechnungen eingereicht werden konnten. Diese ″Frühlingsprojekte″ (wie eine neue Garage zu bauen oder dergleichen) erweitern das Spektrum, das eingereicht werden kann und bieten so eine Möglichkeit, den Topf schön gefüllt zu halten.
Bei der Frühlingsprojekte – Ziehung war interessant, daß Antenne Bayern in aller Regel den Betrag, der ausbezahlt wurde, nicht genannt hat, allerdings bei später gezogenen Projekten schon wieder. Auch interessant war die Kombination aus Verlosung und ″Partnervermittlung″: Suchte man für sein Projekt noch eine Firma kündigte Antenne Bayern an, diese zu vermitteln: ″Wir machen ALLES: Vom Kostenvoranschlag bis zu Fertigstellung! Verraten Sie uns ihr Frühlingsprojekt… dann checken wir die Kosten, bestellen die Handwerker und dann: Zahlt ANTENNE BAYERN die Rechnung!″

Wie lange es dauerte war auch relativ klar, guckt man in die Statistiken und hörte man den Moderatoren zu, die seit Anfang März davon sprachen, daß man sich ″bis Ostern sein Geld zurück″ holen sollte. Stets riefen die Moderatoren dazu auf, weitere Rechnungen einzureichen. Immerhin – die vier Tage nach Ostern nahm Antenne noch mit. Lustig war, daß auf der Homepage von Antenne Ziehungen für Karfreitag und Ostermontag angekündigt wurden, aber wegen der Feiertage natürlich nicht stattfanden. Anscheinend war die Homepageredaktion schon im Urlaub…

Zahlen…
Beginnen wir also mit der eigentlichen Analyse und den Zahlen (hier sind die Tabellen als pdf zum download verfügbar.) Eine 0 im Rechnungsbetrag bedeutet, daß die entsprechende Rechnung nicht bezahlt wurde; i.d.R. weil der Betroffene sich nicht gemeldet hat. In einem Fall, Freitag den 8.2.2013, letzte Ziehung, wurde der Betrag nicht genannt. Ein gebrauchter BMW 520i Kombi wird aber so um die 4.000-6.000 Euro kosten, nehme ich mal an. (Ein Beispiel hier).
Insgesamt wurden an 48 Ziehungstagen (inklusive Aktion, ohne Wunschurlaube!) exakt 192 Rechnungen gezogen. Davon wurden 22 (im Gesamtwert von 16.953,39 Euro) nicht bezahlt; die restlichen 170 Rechnungen hatten einen Wert von mindestens 91.997,50 Euro. Der Gesamtbetrag liegt bedeutend niedriger als in den vorherigen Staffeln (2011: 201.259,94 Euro, 2012-01: 190.166,93 Euro, 2012-02: 153.556,44 Euro), allerdings muß man hier auch zumindest theoretisch die Wunschurlaube mitrechnen (116.318,00 Euro), weil ansonsten die Zahl der Ziehungstage nur in Maßen vergleichbar ist. Auch fehlen eben die Frühlingsprojekte, deren Beträge nicht genannt wurden.

Das spannende ist ja in der Analyse am ehesten die Verteilung der Regierungsbezirke unter den Gezogenen (egal ob gewonnen oder nicht).
Altbayern zählte insgesamt 87 Treffer (43 in Oberbayern, 30 in Niederbayern und 14 in der Oberpfalz), Franken 67 Treffer (Oberfranken 29, Mittelfranken 19 und Unterfranken 19), Schwaben 37 Treffer und, erstmalig, eine Ziehung am 20.3.2013 traf einen Nichtbayern aus Rothenburg. Damit hat sich die statistische Verteilung innerhalb der Regierungsbezirke in etwa bestätigt.

und Geschichten.
Der von manchen Hörern vorgebrachte Verdacht, es handele sich dabei stets um besondere Rechnungen, die eine Hörerdiskussion ermöglichen, kann man so ohne weiteres nicht bestätigen, aber derartige Geschichten sind natürlich auch immer dabei. Diesmal waren es vor allem Geschichten aus dem Zwischenmenschlichen Bereich, besondere Fälle wie zuletzt sind mir nicht aufgefallen. Allerdings hab ich auch nicht immer mitgehört.

Ein paar Beispiele:

  • Eliano M. aus K. Zum Beispiel. Er bekam einen Urlaub (430,35 Euro) vom letzten Jahr bezahlt, denn da war er krank geworden. Es war geradezu zuckersüß, wie der sechsjährige bei Antenne angerufen hat
  • Eine andere Geschichte war Andreas J aus P., der 6200 für einen ganzen Wald bekam. Da der Wald eine Fläche von 0,2 ha hatte, also 2000m² scheint es also Waldgebiete im Allgäu für 3,1€/m² zu geben. Das scheint im Vergleich recht teuer zu sein, andererseits ist das Allgäu ja auch nicht groß.
  • Erwischt: Joachim J. aus W. wollte von Antenne Bayern 176,99 für ein „Fisch-Rettungsgerät“. Das klingt natürlich herrlich interessant und abgedreht, stellte sich aber nur als Wasserfilter für ein Aquarium heraus. Moderatorin Kathie Kleff fragte noch leicht verwirrt nach „Den Begriff hast Du selber geprägt?“ bevor sie die Geschichte schnell mit Fragen nach Namen der Fische woanders hin lenkte. Also sollte man wohl seine Rechnung mit einer interessanten Überschrift garnieren…
  • Eine Namensverwechslung am gleichen Tag war eine Melanie B. Die erste, die anrief hatte aber gar keine Rechnung eingeschickt – war aber rein zufällig trotzdem noch auf Sendung und mittels eingeblendetem Telefongeräusch wurde dann auf den Anruf der zweiten Frau B. umgeschaltet.

Auffällig ist, daß Antenne bis zuletzt immer dazu auffordert, weitere Rechnungen einzureichen, da fragt man sich doch, ob der Topf kleiner geworden ist.

Eine Frage stellt sich natürlich immer: Rechnet sich das eigentlich für Antenne Bayern?
Ich kann Sie beruhigen. Natürlich. Ich möchte Antenne und des Verantwortlichen nicht unterstellen, Misanthropen zu sein, aber natürlich muß sich die Sache für sie auch wirtschaftliche rechnen. Um das herauszufinden habe ich mal nach den Werbepreisen bei Antenne erkundigt. Es gibt eine Preisliste anhand derer man herausfinden kann, was so ein Werbeblock wert ist.

Die größte Hörerreichweite erhält Antenne morgens zwischen 6 und 8 Uhr, was auch logisch ist da Radio eine häufige Begleiterscheinung beim Autofahren, gerade durch den Berufsverkehr ist. Darum kostet ein kurzer Werbespot (15 Sekunden) zwischen 6 und 7 Uhr 3.611,25€, zwischen 7 und 8 Uhr 3.900,15€. Wenn man nun grob davon ausgeht, daß der Werbeblock zweimal pro Stunde etwa 4 Minuten lang dauert, wären das Einnahmen im Wert von 115.560€ bzw. 124.804,80€. Allerdings muß ich gleich wieder einbremsen: Das ist zum Einen der teuerste Tarif (je länger der Spot, desto günstiger die Sekunde), zum Anderen sind darin nicht die (mutmaßlich häufigeren) Day-Time – Pakete eingerechnet, die über den Tag verteilt einen Spot zwischen 9 und 15 Uhr platzieren und bis 300 Sekunden/Tag 63,45€ pro Sekunde kosten. Auch sind die anderen Pakete für spätere Zeiten (ab 19 Uhr ist die Sekunde im Paket mit 8,20€ am günstigsten) nicht mit einkalkuliert.

Außerdem sind Radiosender teuer. Ich möchte gar nicht wissen welche Summen Antenne Bayern an die GEMA abdrückt, Sender und Personal müssen auch finanziert werden. Radio machen ist eine sehr teure Angelegenheit und professionelles Radio auch eine sehr anspruchsvolle.

Antenne erreicht mit die meisten Hörer in Bayern, nur Bayern 1 hat angeblich eine höhere Reichweite gehabt, und der Trend der rückläufigen Hörerzahlen generell scheint gestoppt; Was möglicher Weise auch daran liegen könnte, daß immer mehr tragbare Geräte wie Handys und Smartphones Radio terrestrisch empfangen und das Webradio für Tablets immer üblicher wird, da der mobile Internetzugang inzwischen recht normal ist. Nach der Mediaanalyse, die Anfang 2013 vorgestellt wurde, ist Antenne Bayern der meistgehörte Radiosender Deutschlands.

Und die Hörer?
Naja, Antenne Bayern veranstaltet derartige Gewinnspiele natürlich, um Hörer zu gewinnen. Das ist ja auch nichts schlechtes. Besonders dieses Gewinnspiel hat es mir dahingehend angetan, daß es a) keine kostenpflichtige, sondern eine kostenfreie Hotline hat und b) vom Hörer auch ansonsten kein finanzieller Einsatz gefordert wird: Er soll wenn möglich nur den Werbeblock hören und das ist beim Privatradio nun einmal normal. Privatradio hat die ganze Moderatoren-Musik-Geschichte eigentlich nur, um den Werbekunden eine Zielgruppe zuzuführen, gleiches gilt auch für private Fernsehsender. So what?

Im Gegensatz zu diesen ganzen ″Geräusch erkennen″ oder sonstigen Gewinnspielen, bei denen dann ein Monat lang rumgerätselt werden kann (und wo in 95% aller Fälle wohl nicht alles mit rechten Dingen zugeht, auch beim Antenne Weihnachtsgewinnspiel 2012, das von fair-radio kritisch beäugt wird) ist dies eines, das die Leute fesselt und das sie mögen. (Interessante Aussagen der Senderchefin von 2006 sind hier zu finden).

Was amüsiert sind die Nichthörer, die über die Facebook-Webpräsenz von Antenne stets darum bitten, daß man sie anruft falls sie gezogen werden oder sich gar empören, daß die Namen nicht im Internet stehen (was sie – wenn auch bei jemand anderes – durchaus tun). Ein paar Beispiele:

Hoerer Frankenbehauptung 01Hoerer Frankenbehauptung 02Hoerer Frankenbehauptung 03Hoerer hmpf 01Hoerer hmpf 02Was daran amüsiert ist, daß irgendwie der Glaube vorzuherrschen scheint, daß Antenne hier etwas verschenkt; Ein interessanter Gedanke denn das tut der Sender nun wirklich nicht. Warum sollte er auch? Das ist nicht seine Aufgabe.

Anderer Hörer sind da anders. Manchmal muß man ein bißchen raten, was sie einem sagen wollen:

Hoerer nicht deutschund wieder andere versuchen entweder obskure Behandlungsmethoden, die bezahlt wurden, zu verteidigen oder echauffieren sich gleich darüber, daß Antenne mit dem Gewinnspiel eher betuchte Mittelständler als arme Leute anspricht:

Hoerer Hypnose

Hoerer nicht einverstandenWas offenbar gerade an der letzten Hörerin vorbeigegangen zu sein scheint ist die Tatsache, daß Not leidende Familien als Werbezielgruppe halt uninteressant sind – die kaufen ja nichts….

Bingo!
Was nun folgt ist eine andere Gewinnspiel-Aktion: Bingo. Dabei werden zufällig Hausnummern gezogen und Bewohner eines Hauses mit einer solchen Hausnummer können dann anrufen binnen der gewohnten drei Songs. Jetzt kommt aber eine Zufallskomponente ins Spiel, die zumindest interessant (im chinesischen Wortsinne) ist.
Laut den Teilnahmebedingungen geht das nun so: ″Die ersten fünf Anrufer werden von einem Mitarbeiter des Hörerservices entgegengenommen und auf verschiedene Telefonleitungen gestellt. In jeder Spielrunde wählt der Moderator nach dem Zufallsprinzip eine der belegten Telefonleitungen aus und stellt den ausgewählten Anrufer ins Studio durch. ANTENNE BAYERN bezahlt dem Teilnehmer, der zum Moderator ins Studio durchgestellt wird, einmalig eine Monatsmiete inklusive mietvertraglich geschuldeter Nebenkosten.″

Anders formuliert: eine menschliche Komponente spielt nun mit; Es dürfte nicht schwer fallen, ungewünscht hohe Mieten beispielsweise auszuschließen. Auch ist den Teilnahmebedingungen nach nicht so recht klar, inwieweit das für anteilige Mietverträge wie Untermietsverhältnisse oder Wohngemeinschaften gilt.

Dafür ist allerdings der Aktionszeitraum klar umrissen und deutlich: vom 5.4.2013-19.4.2013. Na, ich bin mal gespannt.

Trivia: Eine Sache, die eigentlich mehr was für den Bildblog wäre, ist mir hier noch aufgefallen. Guckt man sich die Aktionsseite an, so stellt sich (letzter Klick am 2.4.2013) mal wieder eine besondere Nichttrennung zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt dar.

Nun ist die ″Wir zahlen Ihre Miete″ Aktion von der LBS gesponsort und natürlich eine Werbung für das in Deutschland so beliebte Bausparen; Nach den AGB werden die Daten der Gewinner auch nicht an die LBS weitergegeben. Ob das wohl stimmt..?

Antenne-LBS

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Das Radio-Gewinnspiel von Antenne Bayern – Eine Analyse

Die Dritte Runde des Gewinnspiels ″Wir zahlen Ihre Rechnung″ ist vorbei – und wieder einmal gab es dabei einige bemerkenswerte Geschichten zu erzählen sowie eine Menge Leute, die, weil nicht gezogen worden, sofort den Modus unter Verdacht hatten. Ich möchte auf der folgenden Seite ein paar Informationen zusammentragen und analysieren.

Statistik
Ein beliebter Vorwurf, der immer wieder kam, war die Behauptung, daß bestimmte Regierungsbezirke bevorzugt worden wären oder daß bestimmte Beträge nicht überschritten würden. Tatsächlich kann man durch konsequentes Mitschreiben eine Statistik aufstellen und so schlicht überprüfen, ob das zutrifft. Eine Auswahl:

Gut, wann immer irgendwo was zu holen ist werden die nicht gezogenen fuchsig, das ist normal. Aber manchmal zweifelt man schon ein bißchen am Verstand mancher Beteiligter…

Blicken wir also in die Statistik (bzw. in meine eigene) und sehen uns mal die Regierungsbezirke an.

Dieses Mal wurde, ebenso wie beim letzten Mal, Oberbayern am häufigsten gezogen (insgesamt 61 mal, also im Schnitt fast einmal täglich), seltener um 7, am häufigsten um 12 Uhr. Niederbayern und Schwaben teilen sich den zweiten Platz mit je 37 Treffern (Und als Schwabe kann man ab 12:07 im Grunde das Radio abstellen, da man um 15 Uhr nur sehr selten gezogen wird), gefolgt von Mittelfranken (34), Oberpfalz (23) und Oberfranken (22). Das Schlußlicht bildet – wie auch zuletzt – Unterfranken mit nur insgesamt 18 Treffern.
Das ist interessant, denn die Reihenfolge der Größe der Regierungsbezirke sieht geringfügig anders aus: Oberbayern liegt klar vorne (4.430.706 Einwohner), gefolgt von Schwaben (1.789.794 Einwohner) und M ittelfranken (1.719.494 Einwohner), und dann folgen mit einem großen Abstand Unterfranken (1.314.910), Niederbayern (1.192.543), Oberpfalz (1.081.536) und Oberfranken (1.067.408).

Aus diesen daten kann man gewisse Rückschlüsse auf die Dichte der Antenne-Bayern Hörer ziehen, wohlgemerkt unter der Voraussetzung, daß sich unter den Hörer überall ein gleich großer Anteil an Mitspielern befindet, wovon ich nciht ausgehen würde. Trotzdem würde es mich nicht wundern, wenn aus Unterfranken auch bedeutend weniger Rechnungen eingeschickt worden sind – was auf weniger unterfränkische Antenne-Fans schließen lässt.

Dauer des Gewinnspiels
Interessant ist, daß Antenne Bayern vorher nicht die Dauer des Gewinnspiels angibt, sondern bis kurz vor Ziehungsende weiter dazu auffordert, Rechnungen einzusenden. Blickt man aber kurz auf die jeweilige Dauer der Runden, so ist das eigentlich jedesmal recht gut abschätzbar gewesen:

  1. Runde: 05.09.2011 bis 28.11.2011 (= 61 Ziehungstage), die höchste Rechnung betrug 13.600.- Euro, die niedrigste 3.- Euro. Insgesamt bezahlt wurden 202.001,51 Euro.
  2. Runde: 09.01.2012 bis 30.03.2012 (= 60 Ziehungstage), die höchste Rechnung betrug 9.000.- Euro, die niedrigste 9,99 Euro. Insgesamt bezahlt wurden 190.167,73 Euro.
  3. Runde: 03.09.2012 bis 01.12.2012 (=65  Ziehungstage), die höchste Rechnung betrug 7.893.- Euro, die niedrigste 1,63 Euro. Insgesamt bezahlt wurden 153.556,44 Euro.

Hier stellt man eine signifikante Abnahme der Summe fest, die gezogen werden. Daraus einen Trend abzuleiten halte ich aber noch für verfrüht – Antenne Bayern hat die nächste Spielrunde für Januar angekündigt und man wird sehen, was dann passiert.

Besondere Geschichten
Die erste Ziehungsrunde dieser Art hatte schon einen Skandal hervorgerufen: Im Oktober 2011 hatte eine ″Herren″ – Reisegruppe aus dem Allgäu einen Sexurlaub eingereicht – im Wert von 2350 Euro. Das hat der Moderator Wolfgang Leikermoser sich zu zahlen geweigert, auch wenn das den AGB widersprochen hat. „Wenn ich die Rechnung jetzt noch einmal ausrufe, dann mach ich mich der Beihilfe zum Menschenhandel strafbar“, schrieb er damals auf der Internetseite von Antenne und hatte auch zweifellos recht. Das Gewinnspiel wurde kurzzeitig unterbrochen, dann lief es aber weiter.

Interessant in dem Zusammenhang ist, daß ein ziemlich ähnlicher Fall sich zwei Wochen zuvor bei 89.0 RTL in Halle ereignet hatte – hier ging es um eine Rechnung für eine Abtreibung infolge eines One-Night-Stands – und daß das ziemlich rasch mißtrauische Geister auf den Plan rief, inwieweit es sich bei diesen skandalisierten Geschichten um echte Geschichten handelt.

Diese Ziehungsrunde gab es auch zwei, drei ziemlich mitreißende Geschichten:
Katrin F. aus S. legte eine Rechnung über 3.800 Euro in den Topf und wurde am 7.11.2012 um 7 Uhr gezogen – Sie hatte im Sommer ihren jungen Mann beerdigen müssen und lebte seither mit ihren beiden Kindern auf der Baustelle des geplanten gemeinsamen Hauses. Diese Geschichte rührte die Zuhörer derart, daß der nächste Gewinner, Lutz M. aus München seine Rechnung über 1600 € für einen Umzug an Katrin F. und ihre zwei Kinder weitergab. Unzählige Hörer riefen an und boten ihre Hilfe an – Handwerker beispielsweise, die zum Selbstkostenpreis oder kostenlos am Haus mithelfen wollten und dergleichen.

Die zweite Geschichte bot Antenne Bayern eine gewisse Chance auf eine Diskussion mit den Hörern: Christiane T. aus Nürnberg erhielt 3.128,66 Euro für Fremdsamen aus einer Samenbank. Die Dame wohnte mit ihrer Lebensgefährtin zusammen und bis dahin habe ich auch nicht gewußt daß es für unverheiratete Frauen in Deutschland praktisch unmöglich ist, eine Samenspende zu bekommen – man muß auf ausländische ausweichen und einen Frauenarzt finden, der den ambulanten Eingriff auf eigene Verantwortung hin durchführt. Dagegen protestiert der LSVD massiv aber bislang erfolglos. Vielleicht ändert sich die Situation, wenn sich die ″Christliche″ Union mal irgendwann zum 21. Jahrhundert durchringt oder vom BVG dazu gezwungen wird.
Auch hier gab es eine Hörerdiskussion bei der sich die Hörer auch zu Wort melden konnten und dabei zum Teil recht absonderliches äußerten. Eine Dame rief beispielsweise an und meinte, daß sie es für unverantwortlich halte, wenn eine Frau ohne ″die finanzielle Absicherung durch einen Mann″ ein Kind bekäme. Herr, schmeiß Hirn vom Himmel!

Eine dritte, recht interessante Geschichte ist die von Sabine H. aus G., die sich 2100 Euro zurückbezahlen ließ. Diese hat sie dafür verbraucht, mittels einer Privatdetektei ihren Freund zu überwachen, ob er ihr untreu sei. War er nicht. Dafür hat er sie allerdings nach Bekanntwerden (via Radio!) der Geschichte verlassen, wobei man an dieser Stelle sich noch nicht so ganz im Klaren darüber ist, ob das nun eher zum Lachen oder zum Weinen gedacht ist.

Derartige Geschichten tragen natürlich zum Bekanntheitsgrad der Gewinnspiele und damit der Radiosender bei, aber deswegen von einem fingierten Gewinner auszugehen ist ein ziemlich heftiger Vorwurf. Eine kurze Recherche meinerseits ergab, daß es die betreffende Frau F. tatsächlich gibt (u.a. hat sie sich sogar via Facebook bei Antenne und den anderen bedankt) – allerdings möchte ich aus Pietätsgründen in dem Zusammenhang nicht weiter nachbohren.

Antenne spielt ganz sicher fair – ich werde versuchen zu dem Zweck ein kurzes Interview mit Herrn Leikermoser zu bekommen. Ist das nun verwerflich? Ich denke, nein. Es ist ganz einfach eine unterhaltsame Werbemasche.

Marktforschung – Deine Stimme zählt?

Seit einiger Zeit fallen mir Radiowerbespots auf, die von den deutschen Marktforschern geschaltet werden. Motto: „Sag Ja zu Deutschlands Markt- und Sozialforschung.“ Das spricht Bände über eine Branche, die völlig zu Recht als eher zweifelhaft gelten dürfte.

Marktforscher arbeiten für Unternehmen, die ihre Produkte möglichst effektiv auf dem Markt unterbringen möchten. Das ist ja so weit erstmal ein halbwegs ehrenhaftes Motiv. Marktforschungsunternehmen erstellen zudem politische Umfragen und versuchen die Stimmungslage in der Gesellschaft zu messen und wiederzugeben. Sie befragen statistisch ausgewählte Bürger nach ihrer Meinung zu politischen Entscheidungen und dem Geschmack von Zahnpasta – es gibt praktisch nichts, was nicht auf die Art gemessen werden kann.

Das Ergebnis ist ein relativ stromlinienförmiges Produktangebot – können Sie sich noch an Zeiten erinnern, als man richtige Autos baute? Heutzutage sehen die Dinger alle gleich aus und scheinen auch nur noch in den selben sechs Farben ausgeliefert zu werden. Wenn die Marke nicht draufstünde wäre es schwierig zu entscheiden, ob man da einen BMW, einen Audi oder einen Mercedes vor sich hat. Zahnpasta schmeckt mehr oder weniger gleich, egal wie das Produkt heißt; Gleiches gilt für die meisten Erfrischungsgetränke. Individualismus ist auf dem Markt eben manchmal eine gefährliche Sache, das ist auch der Grund warum die Filmbranche oder auch die der Computerspiele lieber auf „bewährte“ Marken setzen und Serienweise immer dasselbe neu abliefern, statt sich ernsthaft etwas neues auszudenken. Im Gegenzug führt das dazu, daß selbige Marken immer ausgelutschter werden.

Daß dies das Ziel der Marktforscher ist, kommt auch in dem einen oder anderen Spot zu Geltung: „Fernseher ohne Fernbedienung. Haargel mit Zement. iPods ohne Kopfhörer. Zeitschriften im Din A 47 – Format? Gibt es nicht. Weil es Marktforschung gibt.“ Gut, kein Mensch würde einen mp3-Player ohne Kopfhörer kaufen… außer natürlich, sein alter Player ist kaputt, aber die Kopfhörer tun eigentlich noch. Warum dann also noch einen Satz Kopfhörer dazukaufen müssen und die anderen in den Müll werfen? Weil es Marktforschung gibt.

Ich gestehe, daß ich diesem System wahnsinnig gerne Sand ins Getriebe streue. Immer mal wieder ruft einer von denen an und will von mir irgendwas wissen und getreu dem Motto „Ihre Meinung ist uns wichtig“ äußere ich dann auch brav eine Meinung. Egal welche, gerne irgendeinen Unsinn. Letztens ging es um Fleischverpackungen und ob ich den Anblick von rohem Fleisch in der Verpackung eigentlich appetitanregend finde oder ob mir eine Rundumverpackung lieber ist, bei der ich das Produkt nicht sehen kann, dafür aber ein Foto des zubereiteten Produktes. Also eine Fertigessen-Verpackung. Natürlich habe ich die Geschichte mit dem Fertigessen brav erzählt und irgendwas über ekliges Blut und so erwähnt – und kaufe trotzdem weiterhein richtiges Fleisch. Ihr könnt mich mal.

Eine Variante sind die Umfragen, für die man sogar Geld bekommt: Globaltestmarket ist da der Vorreiter. Ich hab da auch einen Account und mag das sogar recht gern. Man sammelt Punkte, jeder Punkt ist genau 0,5 (amerikanische) Cent wert. Eine etwa 20 Minuten andauernde Umfrage bringt so um die 35-50 Punkte ein, also knapp einen halben Dollar. Hat man 1000 Punkte gesammelt, gibt’s einen Scheck über 50 Dollar. Das funktioniert tatsächlich.

Gemein ist daran allerdings, daß die vorher genau wissen wollen, in welche statistische Gruppe man gehört weil die eigentliche Umfrage erst nach Erfassen dieser Daten beginnt. Also geht es um Alter, Wohnort, Einkommen und so weiter und passt man nicht in die relevante Gruppe gibt’s keine Umfrage – und damit auch kein Geld. Also muß man vorher ein wenig flunkern und dem System weismachen, daß man zur Statistik passt und das ist nicht ganz so einfach: Da man nicht weiß worum es geht ist nicht sicher, ob man eher der Armer-Schlucker- oder der Krösusfraktion zugehörig sein sollte oder ob man für die Umfrage Single oder Clansoberhaupt sein muß. Ein bißchen herantasten ist also notwendig.

Als Faustregel kann man sich merken, daß Personen zwischen 30 und 40 Jahren gesucht werden mit einem überdurchschnittlichen Haushaltseinkommen (3000 Euro und mehr) und einer Vorliebe für allerlei technische Geräte. Sie sollten stets angeben, Hauptverdiener zu sein und alle Aktivitäten auch selbst zu machen. Auch sind in aller Regel vermeintliche Kinder nicht schlecht geeignet, um die Auswahlkriterien zu überstehen. Ganz wichtig ist, daß man so gut wie nie in einer der vorgeschlagenen Branchen tätig sein sollte. Sind sie erstmal drin, können Sie alles behaupten was sie wollen, es muß nicht einmal logisch sein. Wenn Sie gefragt werden, welches Gerät Sie normalerweise beim Duschen benutzen, warum nicht Dampfkocher angeben, wenn die Auswahl schon dasteht? Vielleicht gibt es dann bald Dampfdruckkochtopfduschen. Weil es Marktforschung gibt.

Was habe ich zuhause schonmal getan? Das Licht ausgeschaltet und dann entfeuchtet?

Ein schönes Beispiel. Ein anderes (aus der gleichen Umfrage) ist das hier:

Bitte, ich will das Fitnesstraining künftig per Fernbedienung haben…!

Es ist schwer, bei sowas ernst zu bleiben. Das Schöne ist, daß diese Umfragemaschinen annähernd jeden Unsinn schlucken. Und das Schönste daran ist: Während ich diesen Artikel geschrieben habe, habe ich die Umfrage auch gemacht. Das hat – zugegebener Maßen – beinahe eine Stunde gedauert. Aber für das Vergnügen, denen zu erklären, daß ich die Aktivität „sms empfangen“ grundsätzlich nur nachts zwischen 2 und 3 Uhr morgens mit Hilfe eines Staubsaugers und nur im Hobbykeller mache, haben die mir doch glatt 5 Dollar bezahlt. Ich bin gespannt auf die Produktpalette 2013.

And the Winner is….

… Michele L. Johnson.
Das Gewinnspiel sollte die Frage beantworten, welchen Inhalt der folgende Satz hat: „Liefert nur den Hinweis, betätigt den materiellen Gegenstand ist der Standard.

Die korrekte Antwort lautet: Abbildung ähnlich.

Auch wenn Frau Johnson ihren Beitrag eher… ungewöhnlich über einen Dritten abgegeben hat lasse ich das diesmal gelten. Der Duden geht daher an sie.