Leb Wohl, Christian!

Heute abend, in wenigen Minuten um genau zu sein, soll der große Zapfenstreich für Christian Wulff beginnen, der seinerseits schon wieder so manches mediale Gemüt erregt hat. Parallel will eine Gruppe von Facebook-Aktivisten das ganze stören, indem sie mit Vuvuzelas dagegenbläst.

Immerhin schreibt die Seite:

„Aus Respekt vor den Soldaten sollten die Vuvuzelas schweigen, wenn diese gerade spielen. So sieht der Ablauf aus:
Mitbringen: pro Person mindestens eine Vuvuzela
Ablauf:
– ab 18:00 Uhr -> sammeln
– ab 18:30 Uhr -> langsames Anblasen
– ab 18:40 Uhr -> würdevolles Unterblasen des Fackelzuges
– ab 19:00 Uhr -> feierliches Vorblasen
– ca 19:30 Uhr -> euphorisches Überblasen
– ca 19:45 Uhr -> majestätisches Nachblasen“

Natürlich darf man das ganze als Satire verstehen, dennoch werden sich vermutlich einige dort treffen. Bleibt spannend ob sie verhaftet werden. Auch ist der Zweck des Manövers eher zweifelhaft: Die große Empörung über den großen Zapfenstreich ist hauptsächlich von Seiten der Bild-Zeitung ausgegangen, die auch heute wieder von irgendeiner „geheimen“ Gästeliste schwafelt, die sie – natürlich exklusiv – dennoch veröffentlicht. Die Schlacht um Christian Wulff hat damit wohl auch ihr vorläufiges Ende erreicht; Der Hoffnungsträger und letzte Merkelkonkurrent um die Macht in der CDU ist so nachhaltig beschädigt und weg, daß sich eine Menge Konservative für längere Zeit wohl nicht mehr aus der Deckung trauen werden, insbesondere nachdem Frau merkel auch völlig unbeschädigt aus der Affäre um ihren Bundespräsidenten herausging.

Bleibt die Frage, was davon bleibt. Beschädigt ist neben der Person Wulff, deren Schmähung auf auf tiefer persönlicher Ebene offensichtlich zulässig war solange die mediale Jagd geblasen galt, auch das Amt – einerseits durch die Jagd auf den Inhaber, andererseits aber vor allem durch den inhaber selber, der auch auf diesem Sessel kleben blieb und stets weiter der Lüge Vorzug vor der Wahrheit gab. Damit war er in mehr als nur einer Hinsicht der Ideale Präsident der Regierung Merkel, ein Lügner der möglicherweise sogar korrupt ist konnte und kann die Regierung wohl besser repräsentieren als jede halbwegs ehrliche Haut.

Es bleibt aber auch ein Sieg für die Springer(stiefel)presse, die den Bundespräsidenten nicht nur erfolgreich aus dem Amt geschrieben hat sondern ein weiteres Mal schön bewies, wie sehr dieses Land mittlerweile nach ihrer Pfeife tanzt. Es ist ja nicht der einzige Fall; Seit der verheerenden Niederlage bei der Guttenberg-Verteidigung konnte Springer sicherstellen, daß sowohl in der Griechenlandfrage (die eigentlich eine Euro- und Bankenfrage ist), als auch beim Bild der Integration die Meinungshoheit weiterhin bei ihnen und dem Diekmann-Döpfnerkreis der sogenannten „Achse des Guten“ verbleibt.

Man fragt sich, was das Fernziel dieser durchaus gefährlichen Interessengruppe ist. Sie sind gegen den Islam und pro Israel, gegen Griechenland aber irgendwie für Europa. Rein zufällig spricht sich Friedrich heute bei der EU-Innenministerkonferenz gegen eine Visaliberalität für die Türkei (Die umgekehrt gegenüber EU-Bürgern auf ein Visum verzichtet, mal nur so nebenbei erwähnt) aus, weil sich über die Türkei und dann – oh Wunder – Griechenland so viele illegale Einwanderer nach Europa aufmachen. Geplant sein es nun, einen „Aktionsplan der EU zur Abwehr von Flüchtlingen“ aufzustellen.

Alleine die Sprache… und wie es der Zufall will fliegt heute der „der Islam gehört zu Deutschland“ – Präsident aus dem Amt…

Na viel Spaß beim Vuvuzelapfeifen! Jetzt im Livestream.

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Es langt nun auch wieder…

… das Thema Christian Wulff entwickelt sich – bei aller anfänglichen Berechtigung über die Kritik – schön langsam in eine seltsame Richtung. Das zum Teil heftige, fast schon unheimliche Einprügeln der Medien auf den Präsidenten verliert massiv jede Sachlichkeit – und im Gegensatz zum Fall Guttenberg hat sich Wulff lediglich bei einer potentiellen Unkorrektheit erwischen lassen.

Der Umgang der CDU mit der Pressefreiheit, der hier massiv angekreidet wird, ist vermutlich mehr damit zu erklären, daß sich ein hoher CDU-Politiker normalerweise von der BILD-Zeitung gestreichelt fühlen will und in Anbetracht der Geschichte des Blattes und der Partei vermutlich so eine Art Gewohnheitsrecht hier verletzt worden ist. Aber die Art und Weise in der insbesondere Sueddeutsche, Spiegel und andere „Leitmedien“ mit dem Bundespräsidenten umgehen verliert, wie Heribert Prantl zurecht anmerkt, langsam die Legitimität.

Gleichzeitig teilt sich die Meinung im Lande wie man es nur selten erlebt. Einerseits berichten Umfrageinstitute daß die Mehrheit der Bevölkerung hinter Wulff steht, andererseits sind Onlineportale voll mit eher negativen Umfragen. Letztendlich bleibt hier die Erkenntnis, daß die Medien eine gute Chance sehen den nächsten Spitzenpolitiker aus dem Amt zu drücken – und diesmal sogar nachdem der betreffende Politiker seinerseits mit Krieg gedroht hat. Nun, den Krieg hat er jetzt.

Was ich mich nur imemr frage… Wovon soll das ablenken?

Das Interview – eine Analyse

Das also war das große Interview. Ich bin nicht über alle Maßen begeistert und glaube kaum, daß andere das so sehen würden. Aber, zunächst, für alle, die es verpasst haben, hier der Videomitschnitt der laut ARD/ZDF betont vollkommen ungeschnitten ist. Ein Transkribtion findet man auf dem Piratenpad.

Wulff betont hier, Fehler gemacht zu haben und vor allem räumt er ein, dem Amt des Bundespräsidenten „sicher nicht gedient“ zu haben – von beschädigen spricht er jedoch nicht. Das ist alleine für sich schon einmal eine Erkenntnis.  Er ist sich sicher, nicht gegen Gesetze verstoßen zu haben – weder als Bundespräsident noch vorher – und findet die Bezeichnung als Bundespräsident auf Bewährung sogar „abwegig“. Es ginge „um Transparenz“ und es sei eine „Bewährungsprobe“. Merke: Nicht auf Bewährung, aber auf Bewährungsprobe.

Auffällig wird das Interview gleich bei der ersten echten Frage von Deppendorf (ca. ab 1:45):  Christian Wulff entschuldigt sich nochmals ausdrücklich für seinen Anruf beim Chefredakteuer der BILD-Zeitung (nicht für den bei Döpfner, aber so kleinlich wollen wir ja mal nicht sein). Er erklärt, daß das nicht seinem Amtsverständnis entspräche und letztendlich deutet er an, eine Augenblicksentscheidung getroffen zu haben ohne darüber nachzudenken.
Das kann man so stehen lassen. Allerdings ist das interessaant, weil sich damit einmal mehr zeigt, daß das offensichtlich kein ungewöhnlicher Vorgang war sondern etwas, was er ohne groß nachzudenken tun kann. Das heißt für mich soviel wie „das ist nicht in Ordnung, aber letztendlich normal.“
Nun ist gerade die BILD natürlich auf den engen Kontakt zu den Regierenden (nicht daß Wulff einer wäre als Präsident!) angewiesen aber offenbar findet da eine viel engere Verzahnung von Spitzenpolitik und Medienlandschaft („unabhängig, überparteilich“ um mal einen Witz zu reißen) statt als der geneigte Bürger so richtig transparent nachvollziehen kann. Man fragt sich schon was da eigentlich sonst noch so läuft….

Wulff bittet ab der 3. Minute um menschliches Verständnis – er habe „Schutzfunktionen“ für Freunde und Familie. (Bei Kohl hieß das „Ehrenwort“) Es stimmt, daß er einen Tag vor seiner Auslandsreise „zum Emir“ sofort die Umstände des Privatkredites veröffentlich hatte als Journalisten und Typen von der BILD anfingen, in seinem Dorf herumzuschnüffeln.

Insgesamt hat das Interview vor allem den Eindruck vermittelt, ein Opfer einer Medienkampagne äußert sich in der Öffentlichkeit. Sicherlich ist eine Medienkampagne inszeniert worden und ziemlich sicher wird Wulff nun eine Menge Dreck nachgeworfen – aber letzten Endes hat er seine Rolle auch selbst ausgesucht. Er ist der von Merkel zum Präsidenten beförderte, letzte CDU-Konkurrent aus dem Andenpakt, der nun, kurz nach Franz-Josef Jung auch einen sensationellen Absturz erlebt.

Ich bleibe bei meiner Ansicht: Für diese Regierung, die sich wenn überhaupt, dann nur Milimeter über der Korruption hält, ist Christian Wulff sowohl moralisch, als auch ethisch und berufener Maßen der ideale Bundespräsident. Für das Volk nicht – aber das wählt ihn ja auch nicht.

Gespanntes warten….

Christian Wulff wird heute Abend um 20.15 ausgestrahlt.  Exklusiv hat er sich den Fragen von Bettina Schausten (ZDF) und Ulrich Deppendorf (ARD) als Bundespräsident (CDU) gestellt. Eine Pressekonferenz hat er abgelehnt. Hm…

Tatsächlich weist der Präsident der Bundesrepublik erneut eine seltsame Unfähigkeit nach, mit der Presse umzugehen. Das könnte tatsächlich so sein, aber irgendwie glaube ich das nicht. Warum sind die Medienberater des Bundespräsidialamtes neuerdings so schlecht? Was genau wird da eigentlich gespielt und wovon lenkt das gerade ab?

Interessant ist auch, daß die Tagesschau auf ihrer Internetpräsenz betont:

Eine inhaltliche Absprache der Fragen fand nicht statt. Für den Gesprächsgast gibt es keine Möglichkeit, das Interview nachträglich zu verändern.

Aha. Warum muß man das betonen? Ist das sonst nicht so üblich? Wie muß man das verstehen? Interessant ist auch, daß eine Pressekonferenz abgelehnt wurde und stattdessen beide Staatssender gleichzeitig das interview senden. Dazu heißt es bei der Tagesschau:

Auf Initative des Bundespräsidialamtes wurde diese Sperrfrist im Nachhinein verändert, um andere Medienvertreter nicht zu benachteiligen: Ab 18:00 Uhr konnten Agenturjournalisten das Interview ansehen und daraus zitieren. Die Aufzeichnung wurde zu diesem Zeitpunkt auch an andere Medien gegeben, die dann bis zu drei Minuten Material aus dem Gespräch verwenden durften.

Nochmal aha. Andere sollten nicht benachteiligt werden, sondern durften Werbung machen. AUch ein interessanter Vorgang.